Seit zwei Jahrzehnten lenkt Peter Hofbauer die -Geschicke im Wiener Metropol. Mit einem großen Fest wurde das Jubiläum des ehemaligen ORF-Unterhaltungschefs gebührend gefeiert.

Das MetroPol in Wien-Hernals zählt zu den beliebtesten ­Wiener Kulturinstitutionen des Landes. Das Haus gibt es seit 1828. Vor zwanzig Jahren hat es der ­Theatermensch Peter Hofbauer übernommen. Im September wurde das 20-jährige Jubiläum mit einer großen Jubiläumsshow gefeiert. Die Auswahl der Künstler erfolgte nicht zufällig, war der Abend doch ­zugleich Rückblick auf die größten Erfolge der letzten Jahre.

schau: Zwei Jahrzehnte als Intendant einer echten Wiener Institution sind beachtlich. Wie sieht Ihre ganz persönliche Bilanz aus?
Peter Hofbauer: Eigentlich blicke ich ja schon auf 23 Jahre Metropol zurück. Aber in den ersten drei Jahren war ich nur für den Spielplan zuständig. Deshalb beginnt meine Zeitrechnung mit dem Jahr 1998. Da habe ich dann den gesamten Betrieb übernommen, also gewissermaßen „die Firma Metropol“. Anschließend ­begann die Aufbauarbeit. Im ersten Schritt ging es darum, den früheren Stellenwert zurückzugewinnen. Das zweite Ziel war eines, das zuvor auch schon immer wieder angestrebt, aber nie erreicht wurde: Eine Spielstätte zu werden, die mit eigenen Produktionen hervorsticht. Ab 2008 ist das sogar mit eigenen Copyrights gelungen – also mit Bühnenstücken, die in Wort und Musik eine Eigenschöpfung des Hauses Metropol sind.

Wie wurde das große Jubiläum gefeiert?
Würdig! Mit Künstlern, die dem Haus in Treue verbunden sind und Vokalgruppen, die aus unseren ­Musicals hervorgegangen sind. So wie beispielsweise das Vokalquartett „Insieme“, eine konzertante Fortsetzung von „Ti Amo“. Und  „Andy Lee Lang und die Wonderboys“ ­haben ihren Ursprung in den ­„Wonderboys von Hernois“. Dazu kam Adi Hirschal mit einer Kostprobe aus „Don Giovanni“. In dieser Ur-Wiener Komödie mit Musik wird er den ganzen Oktober lang als Hauptdarsteller zu sehen sein.

Sie haben das Metropol damals praktisch vor dem Aus gerettet. Rückblickend die richtige Entscheidung?
Ich denke schon. Man muss dem Leben eine Chance geben. Und dem Publikum die Gelegenheit zu einer vergnüglichen Auszeit für die Länge eines Abends. Die ersten Jahre ­waren zugegebenermaßen etwas haarig. Eine darniederliegende Kultstätte der Unterhaltung wieder auf Touren zu bringen – das geht eben nicht von heute auf morgen. Damit der Erfolg zu einem nachhaltigen werden konnte, haben sich nach den ersten Fortschritten natur­gemäß auch wieder Rückschläge ­ereignet. Dafür wurde ich aber auch reichlich entschädigt – mit Erfolgsergebnissen bei gelungenen ­Premieren und rauschenden Events.

Was macht das Metropol so besonders?
Die Location ist tatsächlich eine stilistische Einmaligkeit und könnte genauso gut im Londoner SOHO oder am Pariser Montmartre stehen. Es ist ein Wiener Modell 1910, dessen Vorgeschichte bis in die 1860er- Jahre zurückreicht. Ursprünglich war es ein Stadtheuriger, also von Beginn an ein beliebter Hotspot der Wiener. Und diese Anmutung hat es auch noch heute.

Mittlerweile ist das Metropol wieder zu einer führenden Event-Location in der Stadt geworden. Wie schafft man das?
Mit Geduld und Spucke. Nicht ­zuletzt mit der Passion für einen ­Beruf, der gleichzeitig so etwas wie Berufung ist.

Kramen Sie doch für uns mal in der Erinnerungskiste …
Die traurigste Erinnerung ist die an das Schicksal eines langjährigen Mitarbeiters, den der Tod völlig unerwartet aus der Mitte des Lebens gerissen hat.

„Lustig“ war erst das Ende einer Geschichte, bei der mir am Anfang gar nicht zum Lachen zumute war. Da habe ich eine halbe Stunde vor Beginn eines Konzertabends erfahren, dass ich hinaus auf die Bühne und die Gäste nach Hause schicken muss, weil Wolfgang Ambros bei einer Arbeit in seinem Haushalt von der Leiter gefallen war und gerade spitalärztlich versorgt werden musste. Die Ambros-Fangemeinde hat sich aber über alle Maßen verständnisvoll gezeigt. Rasch war ein Ersatztermin gefunden. Und bei dem hat „da Wolferl“ gleich zu Beginn ein beachtliches Maß an Selbstironie bewiesen: Er ist mit einem Sturzhelm auf die Bühne gekommen!

Wie viel Platz für den Menschen Peter Hofbauer und seine Familie bleibt neben der Arbeit?
Für meine Frau ist immer Platz. Und jetzt, wo meine drei Töchter schon erwachsen sind, ist es an mir, mich zu freuen, wenn sie neben ihrer Arbeit auch Zeit für mich erübrigen.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne für das Metropol aus?
Ich möchte das Angebot an zeitgemäßem Unterhaltungstheater noch weiter ausbauen. Abgesehen von neuen Projekten, die noch im Entstehen sind, verfügt das Metropol bereits über einen erprobten Vorrat an repertoirefähigen Eigenschöpfungen: „Go West“, „Wonderboys“, „Strangers in the night“ und
„Ti Amo I–III“ – um nur einige erfolgreiche Beispiele zu nennen.

Werden wir auch ein 30-Jahre- Jubiläum des Peter Hofbauer feiern?
Wahrscheinlich ist es nicht. Aber auch nicht auszuschließen. Sag ­niemals nie!

Vielen Dank für das Gespräch!

FOTO: Michael Rausch-Schott

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