Künstlerisches Organisationstalent: Als Obmann des Theaterfests Niederösterreich bringt Werner Auer mit viel Fingerspitzengefühl 20 Sommerbühnen unter einen Hut. Nebenbei ist er auch noch zweifacher Festspiel-Intendant und steht selbst auf der Bühne.

Dieser Mann Hat eine Menge Energie. Das merkt man sofort, wenn man Werner Auer beim Interview gegenübersitzt – und er brennt für ein Thema: die Kultur. Dabei ist es für ihn ganz egal, ob er vor, auf oder hinter der Bühne aktiv ist.

Die kreative Arbeit war immer schon seine Leidenschaft, obwohl ihn die berufliche Ausbildung anfangs in eine ganz andere Richtung zog. Er ist gelernter Hochbauingenieur. „Ich wollte selbst immer eine fundierte Ausbildung, einen Plan B“, sagt Werner Auer. „Ich habe immer Musik gemacht, seit meinem sechzehnten Lebensjahr eigentlich. Über die Musik bin ich dann ins Musical gerutscht und habe das immer mehr schätzen und lieben gelernt, aber nebenbei die berufliche Laufbahn als Bautechniker nicht aufgegeben. Weil gerade in die Zeit, als ich das gemacht habe, als eher Spätberufener, fallen die großen ­Investitionen. Man baut ein Haus, man gründet eine Familie. Und ­dieses Risiko wollte ich mir, aber vor ­allem meiner Familie, nicht antun.“

Ein Rocker macht Musical

Anfangs waren es aber nicht die ­gefühlvollen Musical-Balladen, sondern härtere Beats, die Werner Auer faszinierten. „Ja, ich war ganz rockig unterwegs. Die ersten Bands, die ich hatte, waren so Joe-Cocker-Coverbands. Wir haben auf irrsinnig vielen Bikerfesten gespielt. Das Musical war eigentlich Zufall. Ich bin von einer sehr guten Bekannten angesprochen worden, die bei einem Amateurchor gesungen hat. Die haben damals ein Musical gespielt und es hat ihnen der Hauptdarsteller gefehlt. Das war ,Les Misérables‘. Ich hatte keine Ahnung, was das ist oder welche Rolle ich übernehmen soll. Ich habe einfach aus Jux und Tollerei gesagt ,Ja, moch ma‘ und bin in das eigentlich hineingerutscht, habe erlebt, wie schön es ist, mit einer ,sinfonischen Band‘ zu spielen.“

schau Magazin Chefredakteur Christoph Berndl im Gespräch mit Werner Auer

1999 folgte der nächste Karriere­sprung. Werner Auer übernahm die Felsenbühne in der Weinviertler Gemeinde Staatz. Als Intendant stellte er das Programm und die Ausrichtung komplett um. Bislang ritten hier Karl Mays legendäre Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand in den Sonnenuntergang. Seit mittlerweile neunzehn Jahren dreht sich hier ­alles ums Thema Musical.

Werner Auer

„Als ich die Felsenbühne Staatz übernommen habe, war es einfach notwendig, dass jemand da ist, der alles organisiert. Ich wollte ursprünglich ja nur auf der Bühne stehen und spielen. Das war eigentlich meine Hauptintention.

So bin ich aber auch gezwungen worden zu organisieren und habe gemerkt, dass mir das eigentlich auch sehr viel Spaß macht“, erzählt Werner Auer. Heuer führt ihn die Produktion ­zurück zu seinen Musical-Anfängen, denn auf dem Programm steht die Erfolgsproduktion „Les Misérables“. Werner Auer wechselt dabei die ­Seiten und gibt den Bad Boy. „Heuer leiste ich mir den Luxus des Bösen. Ich gebe den Gegenspieler des Jean Valjean, den Inspektor Javert. Er spielt sich einfach wunderbar“, ist Auer begeistert.

Außerdem organisiert Auer bereits zum sechsten Mal ein Sommerfestival speziell für Kinder. Beim Kinder.Musical.Sommer in Schiltern heißt es heuer: „Ritter Rost feiert Weihnachten“. „Ursprünglich war das in Staatz ein Beiprogramm. Irgendwann war das aber organisatorisch nicht mehr bewältigbar. Wir haben einen neuen Spielort gesucht, wo Kindermusicals nicht nur als Neben-, sondern als Hauptprogramm möglich sind. Mit den Kittenberger Erlebnisgärten haben wir einfach einen verlässlichen Partner gefunden, der dort eine spielfertige Arena hat. Wir haben jährlich im Schnitt 9.000 Besucher, was für ein Kindertheater sehr viel ist. Man merkt, dass der Bedarf da ist.“

Vom Intendanten zum Obmann

Über die Felsenbühne Staatz kam auch der Kontakt zu anderen Intendanten, 2008 auch zum Theaterfest Niederösterreich. Werner Auer erinnert sich: „Damals war noch der ­Peter Loidolt der Obmann des ­Theaterfests. 2009 war dann gerade der Zeitpunkt, wo eine Neuwahl des Obmanns im Raum stand. Nach einigen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen habe ich mich als Neueinsteiger ins Theasterfest der Wahl gestellt und das Votum und den Vertrauensvorschuss der Kollegenschaft erhalten.“

Seither leitet Werner Auer die Geschicke des Theaterfests Niederösterreich und geht in dieser Aufgabe voll auf. „Das ist die oberste Liga, in der man in Niederösterreich spielen kann. Es sind lauter Kollegen da, die künstlerisch wissen, was los ist, die finanziell und wirtschaftlich arbeiten können“, sagt Werner Auer. „Die ersten ein, zwei Jahre waren besonders spannend. Alles auf neue Beine zu stellen und den Verein wieder zu einer demokratisch geführten Interessensgemienschaft zum machen, wo man miteinander offen spricht. Derzeit sind wir 20 Bühnen, wo nicht jeder einzeln kämpft. Wir sind da doch ein Pool von Gleichgesinnten. Natürlich ist jede Bühne autonom und hat ihre eigenen Sachen zu erledigen. Aber es ist schön, wenn man dann in diesem Kreis sitzt und merkt: Wir haben alle ähnlich ge­lagerte Probleme und natürlich gilt es, die dann auch in geordneter Form zur Landespolitik und zu den Medien weiterzutragen.“

Guter Draht zur Landesspitze

Die Zusammenarbeit und Koordination mit dem Land Niederösterreich ist eine von Auers zentralen Aufgaben als Theaterfest-Obmann. Bei ihm laufen alle Infos zusammen. Und wie ist die Gesprächsachse zur neuen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner? „Ausgezeichnet. Wir hatten unmittelbar nach ihrer Wahl einen ersten Termin. Es war einfach schön, signalisiert zu bekommen: ,Macht euch keine Sorgen. Die ­Kultur ist bei uns sehr gut aufgestellt, das ist uns wichtig. Kümmert
ihr euch um eure künstlerischen ­Sachen, ums Geld müsst ihr jetzt keine Angst haben.‘“

Wer denkt, mit alledem wäre Werner Auer bereits ausgelastet, der irrt. Denn für ein besonderes Herzens­projekt hält er in seinem Kalender immer ein paar Termine frei. Er ist Künstlerischer Leiter der Musical-Akademie des Landes Niederösterreich.

Jugend für Kultur begeistern

„Das kommt über die Kreativaka­demien, die es ja schon lange gibt. Vor vier Jahren ist damals noch Wolfgang Sobotka an mich herangetreten und hat gesagt: ,Wie wäre es mit Musical? Die Idee hat mir gleich gut gefallen und sie hat sich gut entwickelt. Wir haben jetzt sechs Standorte und versuchen jedes Jahr, ein bis zwei neue Standorte dazuzubekommen. Das Schöne dort ist wirklich, dass man mit den Kindern und ­Jugendlichen ohne Zwang arbeiten und individuell auf ihre Fähigkeiten eingehen kann. Das ist eine totale Persönlichkeitsentwicklung. Die Kinder kommen im Oktober in den ersten Kurs und sind alle noch schüchtern. Bei der Abschlusspräsentation im Juni stehen dort junge Menschen mit stolzgeschwellter Brust, mit einem Selbstbewusstsein, wo du dir denkst: ,Innerhalb von ­einem Jahr! Wie geht das weiter?‘“

Jugend an die Kultur heranzuführen, ist für Werner Auer aber nicht nur ein Frage der Persönlichkeits­entwicklung. Hier geht es für ihn auch um die Zukunft des niederösterreichischen Kulturbetriebs, denn die Teilnehmer sind nicht nur die Stars, sondern auch das Publikum von morgen.

Wer ist Werner Auer?

Geboren 1965 in Hollabrunn, Sänger, Regisseur, seit 1999 Intendant der Felsenbühne Staatz und seit 2013 Intendant des Kinder.Musical.Sommers Niederösterreich in Schiltern, Leiter der Musical-Akademie -Niederösterreich. 2009 wurde er zum Obmann des Theaterfests -Niederösterreich gewählt.

TEXT: Christoph Berndl, FOTOS: Roland Ferrigato (operklosterneuburg), Martin Hesz (Porträt)

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