„Öfter, aber dafür kürzer“. Das ist für Prof. Peter Zellmann, Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung, einer der wichtigsten aktuellen Trends im Tourismus. Mehr verrät er im schau-Interview.

schau: Welche Trends zeichnen sich aktuell im Tourismus ab?
Prof. Peter Zellmann: Grundsätzlich gilt für den Urlaub näher, kürzer und preiswerter. Heute werden mehrere kurze Urlaube aneinandergereiht. Den einen langen gibt es immer seltener. Der Trend geht hin zu vier, manchmal sogar fünf Kurzurlauben pro Jahr. Da sprechen wir von drei bis vier Tagen.

Wohin zieht es die meisten?
Viele bleiben einfach zu Hause. Das gilt für rund 50 % der Österreicher. Sie sind somit die größte „Urlaubergruppe“ überhaupt, werden allerdings gerne totgeschwiegen. Dann kommen die Inlandsurlauber sowie Reisende nach Italien und Kroatien. Letzteres hat mittlerweile mit dem einst beliebtesten Auslandsreiseziel der Österreicher gleichgezogen. Diese vier Gruppen machen gemeinsam wahrscheinlich fast 80 % aller Urlaube aus. Man liest zwar immer viel von Fernreisedestinationen oder dem aufstrebenden Dubai – aber in Wahrheit ist der Anteil am österreichischen Gesamtreisemarkt hier nur sehr gering.

Warum ist Kroatien so gefragt?
Kroatien hat sich nach dem Krieg von rund 4 bis 5 % Urlauberanteil auf 15 % verdreifacht. Wenn etwas so nachhaltig und dramatisch zulegt, muss das anderen Destinationen -natürlich Gäste kosten, denn der Gesamtkuchen an Urlaubern aus Österreich wird ja nicht größer. Die Hälfte dieses Zuwachses geht zu Lasten Italiens, das an der oberen Adria sehr teuer geworden ist. Außerdem ist der Sandstrand nicht jedermanns Sache. Die eher steinig-felsige Natur Kroatiens und die tiefblaue dalmatinische Küste finden hingegen immer mehr Fans.

Wie sieht es mit Fernreisen aus?
Der Anteil an Fernreisen ist mit 10 bis 12 % seit 30 Jahren gleich. Seit ich Tourismusforschung betreibe, -lagen die Reisen außerhalb Europas immer in diesem Schnitt. Das Segment wächst nicht, verliert aber auch nicht. Es ist damit sehr stabil. Das gilt übrigens überraschenderweise auch für die restlichen Segmente. Es gibt immer Kunden, die aussteigen, und welche, die einsteigen – wie im Fitnessstudio.

Was spricht für Urlaub daheim?
Bei jenen, die am liebsten daheim urlauben, geht es nicht unbedingt in erster Linie ums Geld. In Österreich gibt es ja ein tolles Freizeitumfeld. Denken Sie nur an Wien oder an das Theaterfest Niederösterreich. Rundherum gibt es jede Menge Programm, von Bade- oder Wandermöglichkeiten ganz zu schweigen.

Bilden Tourismus- und Freizeitwirtschaft das Dream-Team?
Die Tourismus- und die Freizeitwirtschaft gehören in Österreich zusammen. Sie sind ja nur durch die Übernachtung getrennt. Die Kooperation dieser beiden Geschwister wurde allerdings viel zu lange nicht vorangetrieben. Wenn Einheimische vor Ort gerne etwas annehmen und genießen, das ist übrigens das Geheimnis von Wien, dann kommen auch die Gäste gerne. Denn die Besucher wollen sich ja wie Einheimische fühlen. Dort, wo sich der Einheimische wohlfühlt, dort fühlt sich auch der Gast wohl. Das war zum Beispiel auch beim Schifahren so. Zuerst sind die Tiroler selbst gefahren, erst später kamen die Deutschen und andere Gäste hinzu.

Welche Bereiche wachsen noch?
Wellness- und Städtetourismus sind die großen Wachstumsbereiche. Sie sorgen auch für das Übernachtungsplus. Das, was wir etwa in -Österreich jährlich an Wachstum ausweisen, kommt aus diesen Bereichen. Beides fällt widerum in den Bereich der Kurzurlaube.

Vielen Dank für das Gespräch.

INTERVIEW: Christoph Berndl, FOTOS: iStock, Peter Zellmann

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