Dank Craft-Bier-Ambitionen und belgischer Inspiration wird Weißbier nun auch in Österreich sehr interessant.

Weißbier, das trinken die Bayern. So in etwa lässt sich, pauschal verkürzt, das Image von Weißbier in Österreich darstellen.

Schade eigentlich, meint nicht nur Gourmet-Journalist Florian Holzer, der es sich für das A la Carte-Magazin kürzlich zur Aufgabe gemacht hat, die wenigen heimischen Weißbiere zu finden. Es sind für die Verkostung dann immerhin 20 Biere geworden. 1,7 Prozent aller Biere, die in Österreich getrunken werden, sind Weißbiere. „158.000 Hektoliter, da lacht der Märzen-Brauer nur“, weiß Holzer. Immerhin, die mittelgroßen, traditionellen und regionalen Brauereien haben im Weißbier-Sektor ein Experimentierfeld, eine Spielwiese. Und was ist Weißbier jetzt eigentlich, und warum hat es so viele verschiedene Namen – Weißbier, Weizenbier, Weiße, Hefe­weizen, hefetrübe Weiße?

Generell handelt es sich bei Weißbieren um obergärige Biere, die mit wenigen bayerischen Ausnahmen mit Weizenmalz hergestellt werden. Je nach Nachgärung oder Filtrierung ist es dann eben entweder klar oder trüb. Dass es auch „Dunkle Weiße“, bei denen zur Weizen- und Gerstenmalz-Mischung noch ein gewisser Anteil färbendes und aromatisches Karamellmalz dazukommt, gibt, muss man einfach hinnehmen.

Auf die Balance kommt es an

In jedem Fall hat das moderne Weißbier nur wenig mit Fruchtigkeit allein am Hut, es will auch würzig sein und vor allem den Hefegeschmack in der richtigen Balance darstellen.

Bemerkenswert ist auch das sogenannte Witbier, ein eher leichteres, obergäriges, unfiltriertes Weizenbier, das mit Koriander und Orangenschalen gewürzt wird. Raschhofer, eine kleine Brauerei in Altheim im Innviertel, die so traditionell ist (offene Vergärung, holzbefeuerter Sudkessel), dass man schon wieder von topmodern sprechen kann, begann vor ein paar Jahren eine kreative ­Linie mit Porter, Red Ale und Wit zu brauen, „damit hat uns die CraftBier-Welle nicht auf dem falschen Fuß erwischt“. Vor allem nicht, weil dieses Wit absolut köstlich ist.

Nicht zu vergessen schließlich die wenigen wirklichen Weißbierspezialisten in Österreich: die Grieskirchner Brauerei zum Beispiel, bis Anfang des 19. Jahrhunderts noch die östlichste bayerische Weißbierbrauerei; oder die Brauerei Ried in Ried im Innkreis, deren Kernkompetenz ganz eindeutig das Weißbier ist, weshalb man es auch in fünf verschiedenen Versionen – leicht, hell, dunkel, alkoholfrei und Bock – braut. Und natürlich jene Salzburger Brauerei, die das Weißbier sogar im Namen führt: die 1901 erstmals gegründete und 1987 von der Familie Gmachl neu gegründete Brauerei „Die Weisse“, in der man das Weißbier sogar in neun verschiedenen Varianten genießen kann – darunter eine glutenfreie, eine dunkle nach dem Originalrezept aus dem Gründungsjahr und eine hopfen­gestopfte, leichte und weizenfreie Version als Sommer-Weisse sowie der Jubilator mit 7,8 Prozent.

Die Zitronenscheibe ist tabu

Fest steht, dass ein kühles Weißbier eines der erfrischendsten Sommergetränke für Bierkenner darstellt. Die Vielfalt ist jedenfalls enorm, die Individualität bemerkenswert, bloß eines ist gewiss: Mit Zitronenscheibe trinkt man Weißbier schon lange nicht mehr.

Text: Christian Grünwald, Foto: iStockphoto

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