Überschäumende Freude, knallende Korken: Österreichs Sekt erfährt endlich jene Aufmerksamkeit, die er verdient. Eine neue Nomenklatur sorgt dafür, dass das auch so bleibt.

Nur drei Buchstaben machen den Unterschied, wenn es um österreichischen Schaumwein geht. G.g.U. – ausgeschrieben: geschützter geografischer Ursprung – sagt Sekttrinkern, dass sie es ausschließlich mit Reben aus einem Bundesland zu tun haben, die sie in prickelnder Form genießen. So sieht es die „Sekt-Pyramide“, die heuer in allen drei Qualitätsstufen Gültigkeit erlangt, vor. Es war ein langer Prozess, bei dem kleine Winzer und Sekt-Kellereien an einen Tisch gebracht wurden. Steht heute „Österreichischer Sekt Klassik“ auf einem Etikett, ist damit klar, dass nur inländische Trauben verwendet wurden.

Herkunft nachvollziehbar

Mehr noch, mit der Stufe „Österreichischer Sekt Große Reserve g.g.U.“ wurde die Nachvollziehbarkeit der Herkunft so gestaltet, wie es Weintrinkern seit Langem vertraut ist. Kommen Trauben aus einer Einzellage mit besonderer Güte zum Einsatz, ist das als „Große Reserve g.g.U“ möglich. Dafür allerdings muss dieser Sekt auch drei Jahre Flaschenreife aufweisen – die ersten Weine nach diesem Prinzip gibt es heuer zu verkosten. Dabei kommen neben den klassischen Cuvées immer mehr reinsortige Sekte auf den Markt – bei Spezialisten wie Karl Steininger in Langenlois oder dem Golser Peter Szigeti machen sie mittlerweile das Gros des Angebots aus. Schließlich mögen Traminer- oder Pinot-noir-Freunde ihre Leibsorte auch mal schäumend.

Das richtige Glaserl

Längst ist auch klar, „dass man unsere Sekte aus Weißweingläsern trinkt“, so der Weinviertler Christian Madl. Er ist mit seinen bis zu acht Jahren gereiften Sekten der „Oenothek“-Linie ein Pionier für Schaumwein, der wie in der Champagne mehr als fünf Jahre Zeit hat, seine Aromen mit der Kohlensäure zu verbinden. Auf der anderen Seite des Spektrums steht die einmalige Flaschengärung, die älter ist als die „traditionelle Methode“. Die in Frankreich auch als hergebrachte Versektung („Méthode ancestrale“) bekannte Schaumwein-Bereitung lässt den Most nur angären, unterbricht den Prozess durch Kühlen und füllt den leicht fermentierten Traubensaft in Flaschen. Dort sorgt der Restzucker für eine Vergärung, die am Ende von selbst stoppt. Eingriffe sind nicht möglich, weshalb vor allem junge Winzer diese Variante als Pet nat (vom französischen „Pétillant naturel“) wiederentdeckt haben. Denn eines ist Austro-Schaumwein nie: fad.

Tag des Sekts

Erstmalig tragen heimische Sekte 2018 das Prädikat „Große Reserve“, das nach drei Jahren Reife zulässig ist. Das neue Qualitätssystem ist damit in allen drei Reifestufen zu verkosten. Schaumwein-Freunde sollten sich daher den „Tag des österreichischen Sekts“ 2018 am 22. Oktober vormerken: Von 16 bis 21 Uhr wird es in der Nationalbibliothek prickelnd.

ÖNB, Josefsplatz, 1010 Wien, www.oesterreichsekt.at

FOTO: iStockphoto

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