Ursula Strauss über Work-Life-Balance, zwischenmenschliche Harmonie und ihr Festival „Wachau in Echtzeit“.

Diese Frau ist ein Phänomen. Nicht nur, was ihre Karriere anbelangt, sondern auch menschlich. Es sind vor allem ihre Natürlichkeit und Authentizität, die Ursula Strauss (42) einen Fixplatz in den Herzen des rot-weiß-roten Fernseh-, Kino- und Kulturpublikums sichern. Ein Indikator dafür aus jüngster Vergangenheit: Heuer holte sie sich im Frühjahr in der Hofburg Vienna ihre dritte goldene ROMY als beliebteste Schauspielerin des Landes ab. Scheinbar spielerisch pendelt sie zwischen den künstlerischen Genres.

Fernsehen, Kino und nicht zuletzt ihre Intendanz des Festivals „Wachau in Echtzeit“ verpassen ihr ein straffes Terminkorsett. Und dieses trägt Ursula Strauss mit so viel Leichtigkeit, dass man nicht anders kann, als still und leise „Respekt“ zu denken. Jeder, der selbst viel zu tun hat, weiß, dass wenn der Stress groß ist, oftmals die Neven blank liegen. Nicht so bei Ursula Strauss. Zum Interview ins Café Westend kommt sie nach einem anstrengenden Drehtag für die Serie „Schnell ermittelt“, der länger dauerte als geplant. Der Terminkalender für den Abend steht damit auf dem Kopf.

Einmal Multitasking, bitte!

„Sorry fürs Warten.“ Kein Problem. Wir ordern für sie ein großes Soda-Zitron und legen sofort los. Während Andreas H. Bitesnich zu fotografieren beginnt und von außen, durchs Kaffeehausfenster, Ursula Strauss mit Handzeichen perfekt in Position rückt, starte ich parallel das Interview. Und da entkommt Ursula Strauss auch schon ein erstes Lächeln. „Also, so habe ich das echt noch nie gemacht.“

Dabei zählt Multitasking für sie zum Alltag. Wie schafft sie es eigentlich, ihre vielen Aufgaben unter einen Hut zu bringen? „Ich kann relativ schnell um­switchen und ich habe natürlich auch Hilfe. Ich habe ein tolles Mana­gement und bekomme sehr viel Unterstützung von meiner Familie und meinem Mann. Wahrscheinlich groovt man sich dann so ein. Man gewöhnt sich an diese Dinge, diese Herausforderungen und lernt relativ gut, mit seiner Kraft umzugehen. Alles eine Sache der Einteilung.“

Ich mag halt gerne das Leben

Wer öfters mit Stars und Sternchen verkehrt, weiß, dass manche mit­unter zur Zickigkeit neigen oder schräge Allüren entwickeln. Aber das ist nicht die Welt von Ursula Strauss. Obwohl sie zur A-Liga der österreichischen Prominenz zählt, ist sie vollkommen auf dem Boden geblieben – eher gute Freundin als unnahbare Diva. Das spüren auch ihre Fans und ihr Umfeld. Wird sie darauf auch angesprochen? „Ja, das höre ich schon öfter und freue mich sehr darüber. Für mich gibt es aber auch keinen Grund, mich hinter irgendeiner Fassade zu verstecken. Ich mag halt gerne das Leben und ich mag es gerne, mit Menschen zusammenzuarbeiten.

Jeder kann seine Sachen besser erledigen und sich besser auf den anderen einlassen und konzentrieren, wenn man’s schön hat miteinander. Ich bin halt schon irgendwie so ein Harmoniesüchtler. Ich mag das gerne, wenn es einem gut geht. Ich mag es gerne, wenn es mir gut geht und ich mag es auch gerne, wenn es meinem Gegenüber gut geht. Es bringt auch nix, irgendwelche komischen Positionen einzunehmen. Das hat viel mit meinem Beruf zu tun. Ich bin ja auf der Suche nach der Wahrheit einer Figur, nach den Kanten und den Ecken. Wenn ich dabei nicht meinen eigenen Boden habe, dann, habe ich das Gefühl, kann ich mich nicht so leicht in andere Figuren oder Situationen reindenken.“

Privat bleibt privat

Durch ihre vielen Rollen – etwa als Chefinspektorin Angelika Schnell, als Mutter von Puppenmacherin Käthe Kruse und demnächst unter der Regie von Robert Dornhelm als Anna Sacher – ist Ursula Strauss omnipräsent. Aktuell ist sie im Kino
im österreichischen Psychothriller „Mein Fleisch und Blut“ zu sehen. Ihr Privatleben hält sie ganz bewusst aus der Öffentlichkeit und geht damit einen anderen Weg als viele ihrer Kollegen. „Jeder Mensch hat das gute Recht, sein Leben so zu gestalten, wie er sich wohlfühlt und wie er Bock drauf hat. Ich brauche meine Privatsphäre als Schutzbereich und ich finde es auch respektvoller, so damit umzugehen, wenn sich die Menschen nicht bewusst ein Leben in der Öffentlichkeit ausgesucht haben.

Auch ich habe mir nicht bewusst ein Leben in der Öffentlichkeit oder als Star ausgesucht, sondern habe einen Beruf gewählt, der mir Spaß macht, und der bringt das halt mit sich. Ganz ehrlich, an das habe ich früher nie gedacht. Ich wollt halt einfach immer nur spielen. Das Spielen hat mir immer schon Spaß gemacht und mich befriedigt. Das ist mein Ausdrucksmittel. Die Geschichten von Menschen und die Auseinander­setzung mit diesen interessieren mich einfach. Die Suche nach einem besonderen Moment oder etwas Neuem in einem selbst. Diese Sachen interessieren mich. Dass das dann irgendwann mit Öffentlichkeit verbunden ist, wenn man Fernsehen und Film macht, war nie in meinem Kopf.“

Wenn Frau Strauss Kollegen einsammelt

Seit 2012 ist Ursula Strauss Teil eines Kulturprojekts, das ihr ganz besonders am Herzen liegt. Bereits zum fünften Mal leitet sie heuer das Festival „Wachau in Echtzeit“. Der Veranstaltungsreigen umfasst heuer laut Presseaussendung „kleine, feine Dia­manten der Kunst an ganz besonderen Orten in der Wachau“. Alle tragen die Handschrift von Ursula Strauss. Bescheiden wie immer, relativiert sie das gleich: „Also ich kuratiere das Festival. Ich mache nicht die Organisation, das wäre zu viel. Das könnte ich mir bei meinem sonstigen Arbeitspensum gar nicht erlauben.

Die Aufgabe macht mir Spaß und begleitet mich auch das ganze Jahr über. Ich sammle quasi die Kollegen ein auf meinem Jahresweg. Wenn mich gerade etwas besonders interessiert oder jemand etwas Tolles gemacht hat oder voller Enthusiasmus davon erzählt, dann schaue ich mir das an und dann hole ich es halt in die Wachau.“ Das Programm an den 13 Abenden ist vielfältig und reicht von Theater mit jugendlichen Flüchtlingen über Konzerte und Literatur bis hin zu Kirchenführungen. In den letzten Jahren haben sich die Besucherzahlen positiv entwickelt und immer mehr Gäste, die nicht aus der Region kommen, und auch Touristen strömen zu den Vorstellungen.

Alles, nur keine Zahlen

Wie geht die Intendantin eigentlich mit wirtschaftlichem Druck um?
„Ich lasse das wirklich völlig draußen. Ich habe ein super Team, das mir den Rücken stärkt. Ich könnte das Wirtschaftliche aber auch gar nicht. Dazu wäre ich zu unorganisiert. Ich bin kein Mensch, der mit Zahlen umgehen kann. Überhaupt nicht. Ich konzentriere mich auf das, wofür ich ein Gefühl habe und womit ich mich beschäftige. Möglicherweise ist das frech, aber ich nehme mir diesen Luxus heraus, mich nicht unter Druck setzen zu lassen, weil Kunst nur druckfrei funktionieren kann. Davon bin ich zumindest in meinem Universum fest überzeugt. Ich kann innerhalb der Kunst nur druckfrei funktionieren. Das ist beim Spielen, beim Hirnen und beim Fantasieren so. Die Fantasie muss frei sein. Muss fliegen dürfen.“

Magie und Mystik der Wachau

Eine Hauptrolle im Festival spielt natürlich auch die Region selbst. Für die Produktionen hat Ursula Strauss einige ihrer Lieblingsplätze im UNESCO-Weltkultur- und -naturerbe Wachau ausgewählt. Als ­gebürtige Pöchlarnerin hat sie eine besonders intensive Beziehung zur Region. „Ich liebe ja die Wachau. Ich liebe diese Gegend. In meiner Kindheit sind wir dort jedes Wochenende zum Heurigen gegangen. Die Donau ist für mich total wichtig. Ich bin ja zwischen ihr und der Erlauf aufgewachsen.

Das Thema hatte für mich immer eine große Kraft, einen ganz besonderen Zauber und eine Mystik. Der große Strom ist immer in Bewegung und lässt sich nicht beirren. Das ist natürlich magisch und wunderschön.“ Richtig perfekt wird jeder Festivalbesuch, wenn auch fürs leibliche Wohl gesorgt ist. In der Wachau dürfte das wohl kein Problem sein? „Gutes Essen und guter Wein gehören dazu. Ich habe schon viel Wein verkostet in der Wachau und ich kann eines sagen: Man liegt nirgends falsch. Er schmeckt überall ausgezeichnet.“ Na dann Prost, auf die kommende Saison!

TEXT & INTERVIEW: Christoph Berndl, FOTO: Daniela Matejschek

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