Seit den letzten Landtagswahlen steuert Alexander Petschnig erfolgreich die wirtschaftliche Entwicklung von Österreichs jüngstem Bundesland.

schau: Herr Landesrat, worauf gilt es in der Wirtschaft zu achten, wenn ein Bundesland sich so entwickelt wie das Burgenland?
Wir sind sehr gut unterwegs und belegen als Wachstumssieger laufend Spitzenplätze. Wenn wir wollen, dass das so bleibt, müssen wir im Vorfeld schon darauf achten, wohin sich die Bedürfnisse der Unternehmen entwickeln, damit wir rechtzeitig Angebote und Programme offerieren, mit denen wir ihnen richtig unter die Arme greifen können. Dazu gehört für mich aber auch das rechtzeitige Erkennen neuer Trends wie etwa im Tourismus.

In welchen Geschäftsfeldern sehen Sie denn dabei die großen Chancen im Burgenland?
Ich glaube, das ist von den natürlichen Ressourcen vorgegeben. Ich halte nichts davon, irgendetwas mit Gewalt ins Leben zu rufen – wir haben den See, wir haben die Thermen, die großen Naturparks mit ihrer Flora und Fauna, wie es sie sonst in Österreich nicht gibt, und natürlich unsere landwirtschaftlichen Produkte – allen voran den Wein. Wir wollen dem Mittelstand treu bleiben, und der ist mit seinen Unternehmen definiert – wir streben nicht an, hier Schwerindustrie anzusiedeln.

Sehen Sie das Burgenland als ein Bundesland Österreichs, in dem wirtschaftliche Dynamik und Natur einhergehen könnten?
Auf jeden Fall: Die Natur hat bei den Burgenländern selbst einen hohen Stellenwert und mehr als ein Drittel des Landes können durchaus als naturnah gesehen werden. Umso mehr müssen wir, damit das so bleibt, jene Bereiche, wo sich die größeren Unternehmen bündeln, klar definieren. Denken wir da an Parndorf mit seinem Outletcenter, wo noch lange weiter­investiert wird und immer neue Unternehmen zuziehen werden. Ich glaube, dass dieser Mix aus Tourismus, Mittelstand und Natur unser Alleinstellungsmerkmal ausmacht.

Dem Burgenland stehen Gemeinderatswahlen ins Haus. Die Bürgermeister sind maßgeblich an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beteiligt. Hängt das wirtschaftliche Weiterkommen nicht auch viel von den Gemeinden ab?
Wir haben 171 Gemeinden und 171 Bürgermeister. Mit vielen von ihnen arbeiten wir hervorragend zusammen. So haben wir zum Beispiel mit Schlumberger einen Betrieb aus Wien ins Burgenland geholt, was ohne maßgebliche Unterstützung der Gemeinde Müllendorf so nicht möglich gewesen wäre. Denn gerade im Wirtschaftsbereich sind Infrastruktur, Flächenwidmung und das Bereitstellen von Grundflächen wichtige Themen, um die man ohne konstruktive Zusammenarbeit mit den Gemeinden nicht herumkommt. – Das funktioniert auch in Parndorf ganz hervorragend und schnell.

Der Norden entwickelt sich dank Parndorf, Flughafen- und Wiennähe hervorragend, wo sehen Sie die Potenziale für den Süden?
Weite Bereiche im Süden funktionieren gut – wie etwa die Achse von Pinkafeld über Oberwart nach Großpetersdorf. Das ist eine der stärksten industrialisierten Zonen des Landes. Wir haben dort eine HTL und eine Fachhochschule und wir haben mit Bad Tatzmannsdorf unsere größte Tourismusgemeinde. Aber es ist schon so, dass es Regionen gibt, die wirtschaftsgeografisch benachteiligt sind. Da müssen wir mehr auf deren Stärken setzen. Dazu zählen vor allem Ruhe, Wein oder die idyllischen Kellerstöckel, die man für einen Urlaub mieten kann.

Jetzt sind Sie gut zwei Jahre mit Ihrem Parteikollegen Tschürtz als Landeshauptmannstellvertreter in der Regierung. Was zeichnet sich denn da in der Zwischenzeit für Ihre Fraktion erfolgreich ab?
Feuerwehr, Rettung, Katastrophenschutz – bis hin zur Wasserrettung am Neusiedler See – haben wir schon verbessert. Oder nehmen Sie das Projekt mit den Sicherheitspartnern her, das jetzt vielleicht auf den ganzen Bezirk Oberwart ausgedehnt wird, um potenziellen Einbrechern schon im Vorfeld ihrer Tatabsichten das Leben bei uns schwer zu machen. Dank der nicht mehr vorhandenen Blockade zwischen Rot und Schwarz in unserem Land konnten wir neue Gesetze im Tourismus­bereich beschließen und das Veranstaltungsgesetz so adaptieren, dass unsere Vereine wieder bereit sind, ihre Feste abzuhalten, weil wir ihnen die administrativen Rahmenbedingungen erleichtert haben. Und natürlich die Wirtschaft selbst, wo es uns gelungen ist, den Positivkreislauf anzuziehen. Das ist für mich eine Erfolgsstory, an der wir mit unseren ­sozialdemokratischen Regierungspartnern konstruktiv weiterarbeiten und gemeinsam die Erfolge nach vorne tragen werden.

Danke, für das Gespräch! 

INTERVIEW: Rudi Mathias, FOTO: Rene Wallentin

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