Nur 60 Kilometer trennen die Hauptstädte Wien und Bratislava. Die schnelle Schiffsverbindung lädt vor allem im Herbst zu einem Besuch der beiden Städte ein: Imperiales Flair trifft auf moderne Kulinarik.

Natur und Urbanität verbindet die 75-minütige Fahrt von Wien nach Bratislava. Vom Franz-Josef-Kai, an dem reger Trubel herrscht, legt der Twin City Liner die Schiffsverbindung der beiden Städte, ab in Richtung des Nationalparks Donau-Auen. Vorbei am Flughafen Schwechat, Schloss Petronell, den Ausgrabungen von Carnuntum und der Stadt Hainburg führt die Fahrt durch die Flusslandschaft.

Das „Erraten“ der vorbeiziehenden Häuserdächer und Fassaden ist an Bord ein beliebter Zeitvertreib. Bis 28. Oktober verkehrt der Schnellkatamaran noch und nimmt die Passagiere mit auf die Flussreise in die kleine Schwester Wiens, die in den letzten Jahren stark an Attraktivität gewonnen hat.

Sofort heimisch fühlen

Vor allem als Gast aus Österreich ist man schnell mit dem Grundriss der slowakischen Metropole vertraut: Die Donaulände in Bratislava übernimmt die Rolle des Wiener Donaukanals als Flanier- und Lokalmeile, wovon nicht nur der fast tropische „Tiki-Club“ zeugt. Der Ring um die Altstadt bietet einige Möglichkeiten, zum bekannten Hlavné námestie (Hauptplatz) mit seinem Brunnen zu flanieren.

Dahinter warten mit dem Rathaus und dem Bischofspalais einige der schönsten Gebäude, oder man geht ins Café Kormuth auf eine Dobostorte und einen Kaffee mit Schlag am Marmortisch. Die wienerische Atmosphäre steigert sich dann noch mit einem Blick auf das alte Slowakische Nationaltheater: Ringstraßen-Architektur pur, denkt man angesichts des Baus der Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer.

Schon bevor der „Twin City Liner“ an der Donaulände in Bratislava ­anlegt, bekommt der Passagier einen Einblick in die slowakische Geschichte. Unmittelbar nach Hainburg, wo der Marchzufluss die Grenze der beiden Länder bildet, thront die Burg von Devín, die heute nur mehr eine Ruine ist. Die zu deutsch Theben genannte Festung wurde von Napoleon zerstört. Davor bildete sie jahrhundertelang quasi den wehrhaften Eckpfeiler der Slowakei. Aber auch die heutigen Reste sind noch imposant – und vom Schiff klar zu erkennen.

Naturoase vorm Anlegen

Nun geht es nur mehr an einer Insel vorbei, die in der K.-u.-k.-Zeit als Käsmacherinsel (Syrársky ostrov) bekannt war. Der Zugang zu Sihoť ist auch nach dem Ende des Kommunismus streng reglementiert; von der 2,3 Quadratkilometer großen ­Insel bezieht ein Teil der Hauptstadt ihr Trinkwasser. Eine Verbindung mit dem österreichischen Nationalpark Donau-Auen wird aktuell diskutiert, denn auch hier umfasst das Ökosystem rare Tier- und Pflanzenarten. Wie intakt die Natur der Donauinsel ist, erkennt man vom Katamaran aus recht gut.

Und die Wasserqualität gehört auch zu einem Beruf, der in den letzten Jahren wieder einen Aufschwung ­erlebt – der des Bierbrauers. Brauereien verschwanden ­davor aus dem Stadtbild, 2007 etwa die traditionsreiche „Pivovar Stein“, das noch berühmtere „Bürgerliche Brauhaus“ musste schon in den 1970er-Jahren der gigantischen SNP-Brücke wichen. An seine bis 1752 zurückreichende Tradition schließt die neue Stadtbrauerei („Meštiansky pivovar“) an, daneben boomen kleinere Braustätten wie „Richtár Jakub“.

Ja selbst auf dem Donauschiff wird gebraut („Dunajský pivovar“). Womit auch das perfekte Mitbringsel gleich gegenüber der Anlegestelle des „Twin City Liners“ wartet – ehe es wieder zurück in die andere Donaustadt geht.

Urlaub in der Slowakei

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Donau-Wellen

Seit 2006 verbindet der „Twin City Liner“ die beiden Donaumetropolen Wien und Bratislava auf dem Wasserweg. Bis dato waren mehr als 1,6 Millionen Passagiere mit dem Donau-Schnellkatamaran -unterwegs. Im Vorjahr lag die Auslastung bei 86 Prozent, das bedeutete einen Passagierrekord von rund 148.000 Passagieren. 2019 nimmt ein neues, größeres und emissionsärmeres Schiff die Verbindung in die slowakische Hauptstadt auf.

FOTO: Christoph Rhabek

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