Seit vielen Jahrzehnten ist weltweit, also auch bei uns in Österreich, vermehrt das Phänomen der „Landflucht“ in der Bevölkerung zu beobachten. Das heißt: Immer mehr Menschen ziehen aus den Dörfern am Land in die Städte. Arbeitssuche, bessere Bildungs- und Kulturangebote, höhere Lebensqualität und der städtische Lifestyle sind häufig die Motive. Doch es geht auch in die andere Richtung.

Es zieht Menschen vermehrt (wieder) von der Stadt raus auf das Land! Dieser Trend wird in letzter Zeit öfter beobachtet. Ist es wirklich so? Was steckt dahinter? Warum das Leben am Land seine schönen Seiten hat, welche Gründe für den Immobilienkauf außerhalb der Stadt sprechen und welche „Lage“ derzeit heiß begehrt ist, haben schau Wohn- und Immobilienexperten aus der Ostregion verraten.

Gekommen, um zu bleiben

Vor allem rund um Wien sind die Grundstücke begehrt. Und das mit gutem Grund, bestätigt Anton Mittelmeier, Direktor der Neuen Eisenstädter – Gemeinnützigen Bau-, Wohn- und Siedlungsgesellschaft m.b.H. Er weiß auch, wie der Trend aussieht: „Das Nordburgenland und der Neusiedler See boomen, nicht nur bei Burgenländern: Immer mehr Wiener machen nicht mehr nur Urlaub in der Region, sondern kommen, um zu bleiben.“ Die Vorteile liegen für Mittelmeier klar auf der Hand: „Die Nähe zu Wien, die ausgezeichnete Anbindung an die Autobahn und den Flughafen sowie die hohe Lebensqualität locken zahlreiche Eigenheim-Interessenten in diese Gegend.“

Dass die Preise natürlich auch ein Kriterium und diese nicht immer niedrig sind, ist ebenfalls klar: „In den letzten Jahren hat vor allem im Nordburgenland eine große Preisentwicklung stattgefunden, die den Erwerb von entsprechenden Grundstücken erschwert bzw. unmöglich macht. Eine Möglichkeit, um der hier steigenden Nachfrage nach Wohnungen und Reihenhäusern dennoch entgegenzukommen, wäre eine Änderung der Baubestim­mungen, um auch drei- und vier­geschoßige Bauten – selbstverständlich unter Berücksichtigung des Ortsbilds – errichten zu können. Dann wird auch der Traum vom Wohnen in den eigenen vier Wänden erschwinglicher. “

Trendiger „Speckgürtel“

Alfred Kollar von der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft ergänzt: „Wir stellen fest, dass der erweiterte Speckgürtel südlich von Wien immer stärker an Bedeutung gewinnt. Dies betrifft zum einen Eisenstadt und die Gemeinden im Nahbereich, insbesondere Steinbrunn, Großhöflein oder Siegendorf, und zum anderen die Achse von Donnerskirchen bis nach Neusiedl am See, Parndorf und Bruckneudorf.

Die perfekte Verkehrsanbindung nach Wien – sowohl auf der Straße als auch mit der Bahn – und die vielen Arbeitsplätze, die hier entstanden sind, machen diese Gegend zunehmend attraktiv. „Dazu kommt, dass die Grundstückspreise -– obwohl es auch hier vereinzelt zu deutlich spürbaren Preisanstiegen gekommen ist – noch immer moderat sind. Insgesamt gesehen ist daher das Wohnen in dieser Region mit den Vorteilen des Lebens auf dem Land ein merklich spürbarer Trend geworden.“

„Heiße Ware“ in Seelage

„Stadtflucht gibt es definitiv und greift immer mehr um sich“, meint Peter Schlappal, Geschäftsführer der Ersten Burgenländischen Gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft – EBSG. „Der Traum vom idyllischen Leben am Land, von einer besseren Lebensqualität und von einem leistbaren Wohnen existiert. Ganz wichtig dabei ist aber auch die Anbindung an eine Großstadt. Städte oder Ortschaften am Land mit einer direkten öffentlichen Anbindung beispielsweise nach Wien boomen.“ Dazu zählt Schlappal etwa Neusiedl, Parndorf oder auch Wiener Neustadt. „Das wissen wir und bauen dort oder haben bereits gebaut. Die Wohnungen werden in der Stadt immer teurer, die Preise ­steigen, es gibt auch kaum Genossenschaften – im Gegensatz zum länd­lichen Raum. Dort bauen Genos-­senschaften leistbare Wohnräume, und das zu konstant günstigen Preisen. Und jeder träumt einmal von ­einem Haus am See oder davon, ­direkt am Wasser zu wohnen. Wir, die EBSG, bieten aktuell Reihenhäuser in Kittsee an.“ Schlappal gibt zu bedenken: „Jedoch nicht zu ganz günstigen Preisen, eher exklusiver, aber dennoch leistbar.“

Angebot schaffen

Auch in der Gemeinnützigen Bau- u. Wohnungsgenossenschaft „Wien-Süd“ hat man die Zeichen der Zeit ­erkannt. „Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem, für breite Bevölkerungsteile erschwinglichem Wohnraum ist nach wie vor ungebrochen hoch – und zwar nicht nur in Wien, sondern auch im breiten Umfeld“, ­erklärt die Geschäftsleitung. „Diese Situation gilt im Besonderen auch für das Burgenland, und daher ist die B-SÜD mit großem Erfolg bemüht, diesem Umstand durch ein adä­quates Angebot zu entsprechen. ­Angesichts steigender Grund- und Baukosten ist es eine große Herausforderung, marktkonforme Angebote zu ermöglichen.“

Lebensqualität hat ihren Preis

Auch die Raiffeisen Immobilien Vermittlung Ges.m.b.H. hat den Fokus neu eingestellt. Martina Jankoschek, Teamleiterin NÖ-Süd/Burgenland: „Wohnen in ländlichen Lagen im Burgenland ist definitiv stark nachgefragt. Das trifft insbesondere auf das nördliche Burgenland zu, das von der guten Verkehrsanbindung nach Wien profitiert. Die Nähe zur Bundeshauptstadt ermöglicht hier einen Hauptwohnsitz z. B. am Neusiedler See mit hoher Lebensqualität – und dennoch ist man rasch am Arbeitsplatz. Auch der Markt um Eisenstadt blüht. Das spiegelt sich natürlich in den Immobilienpreisen wider: Im Bezirk Neusiedl am See muss man im Schnitt mit 130 Euro oder mehr für den Quadratmeter rechnen. Das Südburgenland hingegen ist durch Abwanderung geprägt. Schnäppchenjäger und Kunden, die auf Großstadt und urbane Infrastruktur verzichten können, finden hier Grundstücke zu moderaten Preisen. Ab etwa zehn Euro pro Quadratmeter ist man dabei.“

Ein etwas anderer Fokus

Etwas anders sieht man das Ganze bei der Gemeinnützigen Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft in Wr. Neudorf. Obmann Christian Wöhrleitner: „Wir als gemeinnützige Bau-, Wohnungs- und Siedlungs­genossenschaft sind nicht im Bereich derartiger Immobiliengeschäfte tätig. Wir sehen unsere Aufgabe darin, leistbaren und qualitätsvollen Wohnraum zu errichten.“ Der Besitz eines Hauses mit Seeblick, Alpenblick oder ähnlich exklusivem Umfeld bleibt laut Wöhrleitner wohl einer kleinen, zahlungskräftigen Klientel vorbehalten. „Aus den genannten Gründen werden wir auch zukünftig Baugrundstücke in erster Linie dort erwerben, wo die Schaffung von leistbarem Wohnraum mit entsprechender Infrastruktur möglich ist.“

Kontakte im Überblick

Erste Burgenländische Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft
www.ebsg.at

Neue Eisenstädter – Gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgesellschaft m. b. H.
www.nebau.at

Oberwarter Siedlungs-genossenschaft
www.osg.at

Raiffeisen Immobilien Vermittlung Ges.m.b.H.
www.riv.at

Gemeinnützige Bau- u. Wohnungsgenossenschaft „Wien-Süd“
www.wiensued.at

Gemeinnützige Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft in Wr. Neudorf
www.wng.at

TEXT: Michael Krause, FOTO:

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