Erfolgreicher Kinderbuchautor, TV-Star und nun Gestalter der neuen, spannenden Erlebniswelt am Flughafen Wien: Thomas Brezina ist ein niemals ruhender Tausendsassa. schau hat den 55-Jährigen zwischen Wien und London erwischt und gefragt, wie er trotz des Erfolgs am Boden geblieben ist.

Thomas Brezina hebt endgültig ab

… und doch wieder nicht

Erfolgreicher Kinderbuchautor, TV-Star und nun Gestalter der neuen, spannenden Erlebniswelt am Flughafen Wien: Thomas Brezina ist ein niemals ruhender Tausendsassa. schau hat den 55-Jährigen zwischen Wien und London erwischt und gefragt, wie er trotz des Erfolgs am Boden geblieben ist.
FOTO: Flughafen Wien

Ein Rätsel: Was haben ein Flughafen und Thomas Brezina gemeinsam? Sie schlafen (anscheinend) beide nie! Im Falle des Flughafens Wien stimmt das, herrscht doch in Schwechat ein 24-Stunden-Betrieb. Beim Knickerbocker-Autor und Storyteller Brezina vermutet man das aufgrund seines bereits Jahrzehnte andauernden ungeheuren Schaffens. Was lag deshalb näher, als Brezina die neue, multimediale Erlebniswelt am Vienna International Airport gestalten zu lassen. Seit einigen Monaten ist sie für Luftfahrtfreunde von zwei bis 99 Jahren geöffnet – ein Ort zum Abheben.

schau: Herr Brezina, wie geht es Ihnen gerade? Sind Sie derzeit wieder im „großen“ London?
Thomas Brezina: Danke, mir geht es ausgezeichnet. Ich bin wieder in meinem Schreibstudio in London und arbeite fest an „Knickerbocker4immer“, Band 2, der Fortsetzung von „Alte Geister ruhen unsanft“.

Warum eigentlich London? Was macht diese Stadt für Sie besonders?
Seit 25 Jahren ist sie der Ort, der mich am meisten inspiriert: die Menschen, die Theater, die verschiedenen Stadtteile. Ich gehe stundenlang herum und in meinem Kopf wachsen die Ideen.

Sie pendeln zwischen Österreich und England. Wie oft sind Sie eigentlich im „kleineren“ Wien?
Wien ist mein Zuhause und hier bin ich mittlerweile wieder den Großteil des Jahres. Die Stadt hat ungeheuer viel Lebensqualität und hier habe ich Familie und Freunde.

Durch das viele Reisen verbringen Sie viel Zeit auf Flughäfen und wissen gut, was man dort besser machen könnte. War es deshalb leicht, Sie als Gestalter der Erlebniswelt am Flughafen Wien zu gewinnen?
Die Faszination Flughafen und Luftfahrt Menschen näherzubringen, hat mich interessiert. Ein Flughafen ist ein Wunderwerk und die Erlebniswelt am Flughafen Wien bietet ­einen Einblick, wie man ihn sonst nicht bekommen kann.

Wie ist dieses Projekt entstanden und was war Ihre Aufgabe dabei? Wie blieb neben den Büchern dafür noch Zeit?
Günther Ofner aus dem Vorstand hat mich angesprochen und gefragt, ob ich interessiert wäre, so eine Besucherwelt zu gestalten. Ich habe das Grundkonzept entwickelt, die Ideen und Inhalte der vier Pavillons, habe die Drehbücher dazu geschrieben und mit meiner Produktionsfirma die Planung und alle Dreharbeiten durchgeführt. Projekte dieser Art sind für mich auch Geschichten­erzählen – in einer anderen Form.

Konzentriert sich die Besucherwelt hauptsächlich auf Kinder? Was erwartet Besucher generell?
Die Besucherwelt ist vor allem für Erwachsene gedacht und für Kinder sehr spannend. Es sind vier Pavillons, in denen man z. B. Start und Landung aus der Sicht des Cockpits erleben kann oder die Reise des Koffers vom Check-in zum Flugzeug. Aber man steht auch oben auf dem Tower und erfährt, wie die Straßen der Luft funktionieren, und kann 24 Stunden hinter die Kulissen des Flughafens blicken.

Apropos 24 Stunden: Sie haben in Ihrem Leben mehr als 550 Kinderbücher geschrieben. Einfache Frage: Wie geht das? Wie viel schläft Thomas Brezina? Wie schreiben Sie? Und wie schafft man es, sich nicht zu wiederholen?
In meinem Leben konzentriere ich mich darauf, genussvoll zu leben und so viel wie möglich zu erfahren, zu sehen, zu entdecken. Eines der höchsten Lebensgefühle ist für mich das Erzählen. Und dem widme ich viel Zeit. Partys etc. interessieren mich nicht, ich halte mit meinen Kräften haus, esse mit Genuss, aber gesund, bewege mich, indem ich viel gehe, und schlafe – mindestens 7,5 Stunden pro Tag.

Haben Sie diese Bücher alle selbst zu Hause?
Ja, sie füllen drei Regale.

Bleibt da eigentlich noch Zeit für (andere) Hobbys?
Zu leben, zu entdecken, das sind meine Hobbys. In London gehe ich sehr viel ins Theater, in Museen etc. Ich reise sehr gerne und wann immer möglich. Und ich erhole mich mit Freude. Ein Sommermorgen in meinem Garten mit einem Espresso in der Hand ist für mich pure Wonne.

Wie erklären Sie sich den Erfolg über die unterschiedlichen Kulturen hinweg? Haben Kinder überall dieselben Wünsche? Ist das Begegnen auf Augenhöhe das Erfolgsgeheimnis?
Ja, Kinder haben sehr ähnliche Wünsche nach Abenteuer, Freundschaft und Spannung. Beim Schreiben stelle ich mir immer meinen ­Leser vor. Ich bin wie der mittel­alterliche Geschichtenerzähler, der sich vor seinen Zuhörern beweisen musste. Es ist mein Ziel, sie zu faszinieren und zu begeistern, und das spüren sie wohl.

Im Herbst letzten Jahres erschien nun das erste Buch für die (mittlerweile) erwachsenen Fans der Knickerbocker Bande. Worum geht es, eine Art „Wiederbelebung“? Waren Sie nervös, wie es ankommt?
Ich war nervös, als ich zu schreiben begonnen habe. Daher habe ich auf  Facebook ein Video gepostet und die Leser von damals gefragt, ob sie diesen neuen Fall gerne hätten. Das Echo war überwältigend und hat mich enorm angespornt. In der ­Geschichte geht es darum, dass die vier Mitglieder der Knickerbocker Bande einander nach 20 Jahren wieder treffen. 20 Jahre haben sie nicht mitei­nander gesprochen, da die große Freundschaft und das Abenteuer in einem bösen Streit geendet haben. Nun aber bekommen sie eine mysteriöse Einladung auf eine einsame Felseninsel vor der Südküste Englands. Dort müssen sie nun nicht nur eine Bluttat aufklären, die schon lange ­zurückliegt, sondern auch das Geheimnis klären, wieso sie als Kinder so viele Kriminalfälle gelöst haben.

Wie begegnen Ihnen heute die Fans von damals?
Das Echo war für mich sehr berührend. Zur Präsentation des Buches sind um Mitternacht 600 Menschen gekommen und haben bis drei Uhr in der Früh gewartet, damit ich ihr Buch signiere.

„Alte Geister ruhen unsanft“ schoss auf Platz eins der Bestsellerliste. Im März wurden Sie nun mit dem Gold- und Platinbuch ausgezeichnet. Eine besondere Ehre?
Das ist eine große Freude für mich, mit der ich niemals gerechnet hätte.

Hat Thomas Brezina ausgesorgt?
Ich bin ein Geschichtenerzähler und die einzige Frage, die ich mir stelle, lautet, welche Geschichten ich noch erzählen möchte. Es sind sehr, sehr viele, die da aus meinem Kopf heraus wollen.

Ist für Sie das Kinderbuchschreiben auch eine Art Flucht in die unbeschwerte Welt der Kinder?
Nein, das Gegenteil. Es ist eine Freude, in diese Welten einzutauchen. Und so unbeschwert sind sie nicht immer.

Wie sehen Sie als Erwachsener, der viel mit Kindern zu tun hat, die Situation der Kinder heute? Haben es Kinder heutzutage schwerer als früher?
Nein, aus meiner Sicht hat das Leben der Kinder früher seine Freuden und Beschwerden gehabt und hat es heute auch. Allerdings sind es andere Freuden und Beschwerden.

Waren Sie ein glückliches Kind? Bzw. was hat Sie wütend gemacht und was macht Sie heute wütend?
Ich war ein stilles Kind, das sehr in seiner Welt gelebt hat. Ich habe nicht Fußball und auch nicht Cowboy gespielt. Dafür haben mich eben Geschichten interessiert. Wütend gemacht hat mich, wenn Erwachsene mich nicht ernst genommen haben.

Sind Sie selbst Ihr größter Kritiker? Haben Sie manchmal beim Schreiben Zweifel?
Zweifel habe ich ununterbrochen. Ich halte sie für unangenehm, aber auch gut, da sie uns anhalten, besser zu werden. Gelernt habe ich nicht nur, mein Kritiker zu sein, sondern mich auch zu loben. Auf die richtige Dosis kommt es an.

Denken Sie nie ans Aufhören?
Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug Geschichten erzählen.

Wenn man Ihnen auf Facebook und Instagram folgt, erlebt man sowohl skurrile als auch sehr freudige und motivierende Videobotschaften. Sind Sie wirklich immer so gut gelaunt und voller Tatendrang?
Mein Bestreben war und ist, auf sozialen Medien Freude zu verbreiten. So sind auch alle meine Postings zu sehen. Seit ich dafür jeden Tag nach freudigen Dingen suchen muss, geht es mir eindeutig noch besser. Im Großen und Ganzen bin ich ein sehr fröhlicher Mensch, aber auch ich habe meine dunkleren Tage. Doch die stelle ich nicht in die Auslage. Wozu auch?

Wird es einen weiteren Band der erwachsenen Knickerbocker geben?
An diesem Band schreibe ich gerade. Derzeit lasse ich Leser über den Titel abstimmen. Sie werden wieder sehr in den Entstehungsprozess eingebunden werden.

Eine allerletzte Frage sei mir noch gestattet: Wer war Fritz Fantom?
Fritz Fantom ist im Laufe der Jahre von acht verschiedenen Schauspielern gespielt worden.

Vielen Dank für das Gespräch!

INTERVIEW: Michael Krause, FOTO: Flughafen Wien

Faszination Flughafen: Die Besucherwelt am Vienna International Airport
Wiener Ballkalender

Besucherwelt am Flughafen Wien

Besucherwelt am Flughafen Wien

Flughafen Wien, 1300 Schwechat, Österreich

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