Ob mit Modern Talking oder als Solokünstler – Thomas Anders (55) zählt im Musikbereich zu den ganz Großen im deutschsprachigen Raum. Nach 125 Millionen verkauften Tonträgern weiß er, worauf’s wirklich ankommt. Jetzt sucht er für Sky nach den Stars von morgen. Wir haben mit ihm über das Comeback der Musikshow X Factor gesprochen.

Als Musikstar auf der Bühne zu stehen, davon träumen viele. Bei den meisten bleibt es auch bei schönen Fantasien. Denn um nachhaltig erfolgreich zu sein, braucht es weit mehr als eine gute Stimme. Gemeinsam mit Sido, Lions Head und Jennifer Weist sucht Thomas Anders ab Ende August für Sky Talente mit dem X Factor. Im gleichnamigen Castingformat matchen sich die ­Juroren untereinander mit ihren Schützlingen. Wer denkt, dass der „Gentleman of Music“ dabei die Kandidaten mit Samthandschuhen anfasst, der irrt. Denn das Musik­geschäft kennt Thomas Anders in- und auswendig und weiß: Das Musikgeschäft ist ein knochenhartes Business.

schau: Herr Anders, wie ist es zu Ihrer Nominierung in die Jury von X Factor gekommen?
Thomas Anders: Ganz klassisch im Grunde. Von der Produktionsfirma wurde angefragt, ob ich eventuell Lust hätte und auch die Zeit. Weil wir von sehr vielen Drehtagen sprechen. Dann wollte ich natürlich wissen, wie das Konzept aussieht, wer mit mir in der Jury sitzt und wo der Produktionsort für die Show ist. Das muss man ja alles im Vorfeld besprechen. Dann hab ich grünes Licht gegeben und es ging los, weil ich letztendlich richtig Lust auf die Show hatte.

Kannten Sie das Format der Show bereits davor?
Ja, ja! Ich habe es schon geschaut, aber vor sechs Jahren, da lief die Show das letzte Mal in Deutschland. Die Nuancen, die dieses Format ausmachen, waren mir natürlich nicht mehr so geläufig. Ich meine, am Ende sprechen wir immer von Castingshows, davon, Menschen über ihre Musik zu bewerten, doch die Unterschiede ­liegen im Detail.

Was unterscheidet X Factor von anderen Castingshows?
Ein ganz klarer Unterschied ist, dass wir hier bei uns auch Bands und Duette haben. Das gibt es bei anderen Castingshows nicht. Und wir haben bei X Factor keine Altersbegrenzung. Außerdem finden unsere Auditions, das ist auch anders zu vielen anderen Formaten, vor Livepu­blikum statt. Nicht einfach in einem Raum, wo man halt eben nur die ­Talente und die Kandidaten abruft, sondern es ist ein Studio mit 800 Gästen.

Und das ist für die Kandidaten schon eine Herausforderung und ein ganz anderer Nervositäts­pegel. Ich glaube, das erschwert das Ganze auch nochmal. Man darf ja nie ­vergessen, es sind ja Kandidaten und Talente dabei, die noch nie vor so ­einem großen Publikum, geschweige denn vor einer Jury, aufgetreten sind. Aber genau diese Hürde setzen wir bewusst bei X Factor ein. Wir ­suchen ja dieses bestimmte Talent, das sich jetzt nicht nur auf Stimme oder auf Aussehen reduzieren lässt. Wir suchen Newcomer, die man wie unbearbeitete Steine zu einem Brillanten schleifen kann. Das ist die Herausforderung der Jury.

Wie kann die Jury die Entwicklung der Kandidaten beeinflussen?
Die Juroren werden im Laufe der Show zu Mentoren für die Talente. Da hat man schon eine gewisse Sorgfaltspflicht und ist gefordert. Wen nehme ich jetzt mit in meine Gruppe, wer ist nun dabei und wen sehe ich als eventuelles Toptalent mit dem X Factor?

Sie blicken auf eine unglaubliche Karriere zurück: 40 Jahre im Musikgeschäft. Hätten Sie sich eine solche Show am Start ins Musikbusiness gewünscht?
40 Jahre habe ich einen Plattenvertrag, aufgetreten bin ich vor 50 Jahren das erste Mal. Die Vorstellung, dass es so eine Show geben kann, war in den 70er-Jahren nicht gegeben. Obwohl ich auch bei Talentwettbewerben auf­getreten bin. So hieß das damals. Es war keine Castingshow, also das ­haben wir schon sehr amerikanisiert.

Was macht für Sie den idealen Kandidaten aus?
Es ist nie die gute Stimme alleine, die es ausmacht. Dafür hat der Mensch zu viele Sinne. Es geht um das Gefühl, das man ausstrahlt. Das Gesamtpaket muss stimmen. Es hat auch nicht unbedingt mit dem super Aussehen zu tun. Das ist manchmal sogar hinderlich. Unter normalen Voraussetzungen würde man ja denken, dass etwa ein Ed Sheeran niemals eine Chance hätte. Eine Adele ist im klassischen Sinne weiß Gott nicht das, was man sich weltweit als Popstar vorstellt. Aber sie haben Stimme – Adele eine extrem eigene, besondere Stimme – und Persönlichkeit. Ed Sheeran etwa mit seinem Hobbit-ähnlichen Aus­sehen (lacht). Ohne seine Persönlichkeit wäre er in den Weltcharts nicht so weit nach oben gekommen und wäre momentan nicht einer der größten Stars auf dem Planeten.

Viel Zeit bleibt den Kandidaten allerdings nicht, die Juroren zu überzeugen?
Talentwettbewerbe und Castings sind immer Momentaufnahmen. Sowohl für die Kandidaten als auch für uns Juroren. Wie sollen wir sonst bewerten? Das heißt, der Kandidat muss zu diesem Zeitpunkt, für diese 1,5 Minuten Song, höchste Konzentration bringen. Er muss top bei Stimme und in der Mitte sein. Das hat leider nicht bei allen geklappt.

Mit Ihrem aktuellen Album „Pures Leben“ sind Sie zu Ihren Wurzeln zurückgekehrt und singen nach 30 Jahren wieder auf Deutsch. Wünschen Sie sich auch einen Kandidaten, der deutsch singt?
Also in meiner Gruppe ist jemand, der Deutsch singt. Das ist natürlich so eine Geschichte, da muss man aufpassen. Plötzlich ist da diese, nennen wir es mal, Bewegung rund um deutschsprachige Musik. Man merkt, dass man dort jetzt viel mehr Aufmerksamkeit bekommt und sich nicht mit dem Weltmarkt, den Profis, messen muss. Daher wollen auf einmal viele was auf Deutsch machen und daher fängt es jetzt auch an, in der deutschen Sprache schwieriger zu werden. Da musst du schon viel Charakter haben, um ­etwas Besonders zu machen.

Dieter Bohlen, Ihr ehemaliger Kollege bei Modern Talking, sitzt bereits seit 15 Jahren in der Jury bei Deutschland sucht den Superstar und hat mit spitzen Sprüchen das Format mitgeprägt. Sind Sie auch so streng?
Als ich am ersten Tag nach dem Casting, wir haben da zwei Sendungen aufgezeichnet, in die Pause kam, meinten die Damen und Herren von Sky zu mir: „Du bist ja gar nicht so nett, wie wir dachten.“ Ich sagte nur: „Ja, was habt ihr denn von mir erwartet?“ Ich halte auch nicht mit Kritik hinterm Berg. Aber meinem Naturell entspricht es nicht, das laut auszuposaunen und jemanden ­damit im Grunde bloßstellen zu wollen. Bei meinen Kritiken muss sich niemand verletzt ­fühlen. Aber unsere Branche ist knallhart und nimmt nicht immer Rücksicht auf Gefühle.

Manchen Kandidaten tun wir auch einen Gefallen, wenn wir sie nicht weiterkommen lassen. Da waren wir von der Jury auch bisher selten unterschiedlicher Meinung. Daran merkt man auch, dass wir Profis sind. X Factor ist kein Tummelplatz für Kandidaten mit der Einstellung: „Ich guck mal, wie weit ich komme.“ Bei uns haben nur Leute Platz, die dafür brennen, die sagen: „Ich will nach vorne, koste es, was es wolle. Ich würde alles dafür geben, ins Rampenlicht zu kommen und erfolgreich zu werden.“ Diese Leidensfähigkeit braucht man, wenn man in diesem Job überleben will.

Wie bringt man es jenen bei, die es nicht in die Show schaffen?
Ich sage den Teilnehmern, die ausgeschieden sind, immer: „Wenn es diesmal nicht funktioniert, gebt nicht auf. Ihr seid so weit gekommen, da muss man es wieder probieren, weitermachen, an sich glauben. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.“

Vielen Dank für das Gespräch.

Wer ist Thomas Anders?

Der Pop- und Schlagersänger, Musikproduzent und Songwriter zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Sängern. Von 1984 bis 1987 war er Teil des Duos Modern Talking, nach diversen Soloprojekten erfolgte 1998 ein kurzfristiges Comeback mit Dieter Bohlen. Dieses war verkaufsmäßig sehr erfolgreich und dauerte bis 2003. Am 19. Oktober erscheint sein neues Album „Ewig mit dir“, das zweite mit deutschen Texten. Ins-gesamt hat Anders bis heute mehr als 125 Millionen Tonträger verkauft.

INTERVIEW: Christoph Berndl, FOTO: Sky/UFA/Silviu Guiman

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