Nicht nur Nestroy-Fans wissen es längst: Im Juli trifft man sich alljährlich in Parndorf, um authentisches Pawlatschentheater zu erleben. Heuer geht es mit Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ zurück ins Venedig des 18. Jahrhunderts.

Gemeinsam mit Intendant Christian Spatzek hat ein engagiertes Team rund um Obmann Johann Maszl in den letzten Jahren den Theater Sommer Parndorf auf komplett neue Beine gestellt. „Wir haben eine sehr gute Nische gefunden“, erzählt Johann Maszl. „Da unser Platz mit 300 Sitzen doch recht begrenzt ist – bei Schlechtwetter spielen wir ja in der Volksschule, und da passen einfach nicht mehr rein –, sind die Aufführungen bei uns eine sehr intime Sache.

Da sind die Schauspieler ganz nahe am Publikum. Wir haben keine Verstärker, gar nichts. Wir spielen in der ganz ursprünglichen Form. So wie das Theaterstück früher in der Pawlatschen gespielt wurde, so wird es bei uns noch heute aufgeführt. Das hat sich immerhin schon Hunderte Jahre bewährt. Wir bieten ein authentisches Theatererlebnis, und das zeichnet uns auch aus.“

Faszination Commedia dell’arte

Heuer soll „Der Diener zweier ­Herren“ von Carlo Goldoni einen Hauch von Dolce Vita auf den Kirchplatz bringen. Der venezianische Komödiendichter gilt als ein Vorläufer Johann Nestroys und entführt das Publikum in Parndorf auf eine Reise zurück in die Theatergeschichte.

„Ich gehe zurück zu den Wurzeln sozusagen“, sagt Intendant Christian Spatzek. „Irgendwann werde ich auch den Hanswurst spielen, der wiederum aus dem Harlekin entstanden ist. Mich interessiert einfach diese ursprüngliche Form des Theaters. Mit dem Goldoni und der Commedia dell’arte war ich schon immer, seit der Schauspielschule, verbunden. Wir haben oft solche Stücke gespielt mit meinem Pantomime-Lehrer Rolf Scharre. Er war der Pantalone, ich war der Harlekin. Schon lange wollte ich hier in Parndorf einen Goldoni machen. Einmal habe ich fast schon einen gemacht, das war ,Die Wirtin‘ von Peter Turrini, auch angelehnt an ein Goldoni-Stück, die ,Mirandolina‘. Jetzt machen wir eben ,Der Diener zweier Herren‘, weil das will ich vor meinem Tod noch einmal spielen.“

Komplett neue Bearbeitung

Das Publikum darf sich auf eine ganz besondere Inszenierung freuen, denn das Stück wird erstmals in einer komplett neuen Bearbeitung zu sehen sein. Christian Spatzek erklärt: „Peter Uwira, unser musikalischer Leiter, hat aus diesem Stück jetzt noch ein Singspiel gemacht. Es sind einige Szenen musikalisch umgearbeitet worden, und er hat es auch aus dem Italienischen neu übersetzt. Das heißt, es gibt zwar so eine ,Reclam-Fassung‘, die ist aber so eigenartig auf zwei Akte zusammengekürzt. Wir haben uns wirklich die Mühe gemacht, das Original neu zu übersetzen, und ich glaube, das wird ganz gut.“

Obmann Johann Maszl, selbst ein begeisterter Tamburizza-Musikant, streut dem Intendanten vorab Rosen. „Christian ist der Garant dafür, dass die Qualität passt. Wenn wir etwa einen Nestroy gespielt haben, dann hat er geschaut, dass die Musik, die ja ursprünglich immer dabei ist, von manchen aber weggelassen wird, originalgetreu ­gebracht wird. Etwa dass das Quodlibet, dieser typische mehrstimmige Gesang, authentisch gebracht wird und nicht gekürzt, einstimmig oder so.“ Man darf also bereits gespannt sein, welche Überraschungen die heurige Produktion bereithält.

Bei der Besetzung bringt Christian Spatzek, er selbst spielt den Truffaldino, ein Best-of auf die Bühne: „Besonders freue ich mich auf die Darstellerinnen. Das ist einmal ­Barbara Kaudelka als wunderbare Tochter des Pantalone, gespielt von Georg Kusztrich. Der darf als Einheimischer natürlich heuer auch nicht fehlen und ist ideal besetzt in dieser Figur. Die zweite wichtige weibliche Figur, die Beatrice, spielt, als Mann verkleidet, Anna Sophie Krenn. Sie hat jetzt auch mit dem Cornelius Obonya im Akademie­theater gespielt, eine wirklich aufstrebende, großartige Schauspielerin. Bei uns hat sie schon einmal im ,Lumpazi‘ mitgespielt, als junge Studentin. Es freut mich sehr, dass sie heuer mit dabei ist. Und zum ersten Mal, bei mir zumindest, der Karl-Maria Kinsky, der ja früher auch schon in Parndorf gespielt hat. Ein großartiger Typ, der für den Brighella ideal besetzt ist. Und dann sind da noch der Bernd Spitzer als Dottore, die Sophie Stocker als Smeraldina und Kurt Hexmann als der Liebhaber Aretusi. Die Rollen könnten nicht besser besetzt sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Reichenau oder die Salzburger Festspiele eine bessere Besetzung zusammenkriegen. Es wird klass, ich freue mich schon sehr.“

Humorvoll, aber mit Niveau

Der Humor wird freilich auch heuer nicht zu kurz kommen. Denn was auf einer Pawlatschen keinesfalls fehlen darf, sind die Wuchteln. Wird es die geben? „Auf jeden Fall, es ist ja eine Komödie“, sagt Christian Spatzek. „Aber keine, ich könnte jetzt ein neues Wort kreieren, Koblödie. Keine Blödelei sozusagen. Es wird nicht nur kabarettistisch geblödelt, es ist auch ein Tiefgang da. Das wollte auch der Goldoni. Sozusagen ein bisschen sozialkritisch zeigen, diesen Berufsstand des Dieners, der Dienerin und von den Trägern, die dann auch ein bisserl aufbegehren. Auch die Tochter als weibliche Person, dass sie sagt, sie hat auch ein Recht, darüber zu entscheiden, wen sie liebt. Also, das ist schon sehr schön beschrieben, und ich glaube, das passt super nach Parndorf.“

Regionale Schmankerln und neue Beginnzeiten

Neben dem Theatererlebnis darf auch der lukullische Genuss nicht zu kurz kommen. „Es ist so, dass der Kirchplatz eine gewisse Atmosphäre hat, und dahinter haben wir den Platz mit den Bäumen, was sehr schön für die Gastronomie ist. Die Leute sollen sich da natürlich auch wohlfühlen. Da schauen wir auf regionale Produkte. Das reicht von den Weinen bis zu den selbst gemachten Broten und Mehlspeisen“, sagt Obmann Johann Maszl.

Neu sind heuer übrigens auch die Beginnzeiten. Da immer mehr Fans etwa aus Wien und Niederösterreich anreisen, beginnen die Vorstellungen bereits um 19.30 Uhr, am Sonntag jeweils um 18.30 Uhr.

Bleibt zum Schluss die Frage an Intendant Christian Spatzek, ob er sich denn manchmal als „Der Diener zweier Herren“ fühlt? „Allen muss man dienen. Ich darf überhaupt niemanden auslassen“, sagt Spatzek lachend. „Weil, wenn ich anfange, sozusagen keinen Kompromiss zu schließen, dann wird’s kompliziert. Aber ich versuche schon, meiner Linie treu zu bleiben, und dann sage ich zumindest hinter den Kulissen, was ich denke.“

Der Diener zweier Herren

Von Carlo Goldoni, 5.–29. Juli 2018.
Achtung, neue Beginnzeiten: Do, Fr und Sa jeweils um 19.30 Uhr, So -jeweils um 18.30 Uhr,
Aufführungsgarantie: gespielt wird am Kirchplatz, bei Schlechtwetter in der Volksschule

Karten bei Ö-Ticket: www.oeticket.at bzw. Tel. 01/960 96
www.theatersommer.info

Mehr zum burgenländischen Kultursommer

Hier finden Sie ausführliche Informationen rund um die burgenländischen Festivals:

TEXT: Christoph Berndl. FOTO: Peter Reichert

Theatersommer Parndorf

Gespielt wird am Kirchplatz, bei Schlechtwetter in der Volksschule

Theatersommer Parndorf

Hauptstraße 109, 7111 Parndorf, Österreich

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