Mit Ferdinand Raimunds Zaubermärchen „Der Verschwender“ will das Team des Theater Sommers Parndorf heuer möglichst viel Publikum auf den Kirchplatz locken. Seit mittlerweile fünf Jahren sind die Festspiele auch wirtschaftlich solide unterwegs, denn hinter den Kulissen geht es alles andere als verschwenderisch zu. schau gibt Ihnen einen kleinen Einblick hinter die Kulissen.

Geld alleine macht nicht glücklich. Dieser Satz hat einen wahren Kern. Das wusste auch Ferdinand Raimund. Er stellte ihn ins Zentrum seines letzten Stücks. Herausgekommen ist ein Zaubermärchen in drei Aufzügen. Alles dreht sich dabei um den jungen Julius von Flottwell, der sein Geld gerne mit beiden Händen zum Fenster hinauswirft. Seine ­Mitmenschen sind ihm dabei völlig egal. Im Laufe des Stücks wird er ­allerdings alles verlieren, worauf er sein ausgeprägtes Ego gegründet hat: Vermögen, Haus, Familie und Selbstachtung – alles ist weg. Verarmt, gebrochen und gealtert kehrt Flottwell nach vielen Jahren an den Ort seiner schönsten Tage zurück. Dort trifft er auf seinen ehemaligen Diener Valentin, der ihm die Augen für jene Dinge öffnet, auf die es im Leben wirklich ankommt.

Dieser Raimund könnte von Nestroy sein

Nach Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ im Vorjahr erschließt Intendant Christian Spatzek dem Publikum mit dem Raimund-Klassiker neue künstlerische Welten. Der ausgewiesene Nestroy-Spezialist freut sich auf die anstehende He­rausforderung: „Da ich schon sehr viel mit Nestroy gemacht habe, habe ich mir gedacht, ich könnte doch einmal einen Raimund versuchen. Nestroy war sogar als Schauspieler für Raimund im Einsatz“, weiß Christian Spatzek. Für die Inszenierung kann Spatzek auf eine ganz ­besondere Fassung zurückgreifen: „Ich habe von der Raimund-Gesellschaft eine Version vom Verschwender bekommen, die sich sehr auf
die Geschichte konzentriert. Sie ist nicht so schwulstig und übertrieben, wie man es sich von einer Zauberposse vorstellt.“ Hier schließt sich auch der Kreis zu Spatzeks Paradedisziplin. „Ich, als Nestroyaner, habe mir beim Lesen fast gedacht, dass ich Nestroy lese.“

Traum-Duo: Christoph Dostal (r.) gibt den Verschwender, Kurt Hexmann seinen Kammerdiener Wolf. © Peter Reichert

Verschwenderische Geschichte

Besondere Bedeutung hat die Auswahl des heurigen Stücks auch für Johann Maszl, Obmann des Theater Sommers. Denn die Parndorfer Festspiele blicken auf eine bewegte Geschichte zurück. Der Umgang mit den finanziellen Mitteln wurde im Laufe der Jahre bisweilen dem ­Titel der heurigen Produktion durchaus gerecht. Johann Maszl erinnert sich: „Wir haben gemeinsam begonnen. Das war im Jahr 1996. Damals haben wir die Kultursommer-Eröffnungen gemacht, mit Anton Berlakovich, Johann ,Mucky‘ Korlath, Gerhard Milletich und ,Smokey‘ Milorad Samardzija. Die erste Aufführung war der ,Jedermann‘, damals noch mit einer reinen Laientruppe. Das ist sehr gut angekommen, obwohl keine Profis auf der Bühne standen. Mit dieser Produktion haben wir sogar Gastspiele gemacht. In Lienz, Osttirol, und überall. Im Jahr darauf gab es ,Romeo und Julia‘, allerdings bereits mit professionellen Schauspielern“, erinnert sich Johann Maszl. „Damals war Anton Berlakovich, Schuldirektor in Parndorf, fürs Theater zuständig. Nach einigen Jahren musste laut einem Gemeinderatsbeschluss Anton Berlakovich den Theaterbetrieb als Verein führen und es gab nur mehr eine Subvention durch die Gemeinde. Am Ende dieser unglücklichen Umstrukturierung standen der Konkurs und ein totales Chaos. Wir wollten es natürlich nicht sterben lassen. Also haben es Otto Lippert und ich als Geschäftsführer übernommen. Innerhalb von fünf Jahren haben wir den Theatersommer Parndorf wieder auf Erfolgskurs gebracht. Danach wurde es uns durch politische Einflussnahme unmöglich, den Theaterbetrieb weiterzuführen. Die neu eingesetzte Geschäftsführerin versenkte innerhalb von zwei Jahren erneut unser Sommertheater. Am Ende stand ein Berg an Schulden und die Gemeinde wollte nicht mehr weitermachen. Also haben wir uns dazu entschlossen, ­einen neuen Verein zu gründen (Anm.: Theater Sommer Parndorf)und privat weiterzutun. Das war vor sieben Jahren. Unser Verein wird seit seiner Gründung von unseren Gemeindevertretern tatkräftig unterstützt. An dieser Stelle ein recht herzliches Dankeschön an unseren Bürgermeister Ing. Wolfgang Kovacs sowie an den gesamten Gemeinderat und nicht zuletzt an unsere Gemeindearbeiter.“

Ohne sie ginge es nicht: Ein engagiertes Team von Ehrenamtlichen sorgt, gemeinsam mit dem
Ensemble auf der Bühne, für den reibungslosen Ablauf des Theater Sommers Parndorf. © Peter Reichert

Ohne Ehrenamtliche wäre der Spielbetrieb nicht möglich

Mittlerweile steht der Theater Sommer Parndorf auf wirtschaftlich soliden Beinen und soll demnächst in die Kulturbetriebe Burgenland integriert werden. „Das würde es für uns schon leichter machen. Wir hätten zwar die künstlerische Verantwortung, würden aber aus dem Risiko genommen“, sagt Johann Maszl. Als Obmann verfolgt er eine klare Prämisse. In guten Zeiten für schlechtere Tage etwas weglegen. „So schafft man sich ein finanzielles Polster, um schwächere Saisonen auszugleichen.“ Allerdings steht eines fest: Nur mit den Ticketerlösen alleine ließen sich die Vorstellungen nicht finanzieren. „Wir sind knapp 30 Personen, die in der Produktion mitarbeiten. Ohne diese Ehrenamtlichen wäre der Spielbetrieb nicht möglich. Wenn man die alle bezahlen müsste, kannst du das Thema abschreiben. Wir haben ja nur 6.000 Zuseher pro Jahr. Das heißt, wir müssen sehr gut planen und haushalten.“

Ein Top-Ensemble serviert sommerlichen Theatergenuss

Die Basis für eine erfolgreiche Spielzeit 2019 steht jedenfalls: Gemeinsam mit dem engagierten Team des Theaters Sommers Parndorf will Christian Spatzek dem Publikum wieder unvergessliche Stunden auf dem Platz vor der Pfarrkirche bereiten. Auch diesmal ist es Spatzek gelungen, klingende Namen für Parndorf zu verpflichten. Mit dabei sind heuer Erika Mottl (Azur-Fee Cheristane), Bernd Spitzer (der Bettler), Christoph Dostal (Julius von Flottwell), Kurt Hexmann (Kammer­diener Wolf), Karl Maria Kinsky (Bediensteter Johann), Georg Kusztrich (Valentin Holzwurm), Angela Schneider (Rosa), Gerhard Karzel (Chevalier Dumont), Ralph Saml (Baumeister Sockel), Ulli Fessl (altes Weib) und Lara Neversal (Amalie). Christian Spatzek führt Regie und wird diesmal nicht selbst auf der Bühne stehen. „Ich bereite ja parallel meine erste Produktion als Intendant der Festspiele Stockerau vor. Alles zusammen wäre dann in Sachen Zeitbudget doch etwas zu verschwenderisch.“

„Der Verschwender“ von Ferdinand Raimund

  • Aufführungen: 1. bis 28. Juli,
  • Wo: Theater Sommer Parndorf
  • Neue Beginnzeiten: Do, Fr und Sa jeweils um 19.30 Uhr, Sonntag ­jeweils um 18.30 Uhr
  • Aufführungsgarantie: ­Gespielt wird am ­Kirchplatz, bei Schlecht­wetter in der Volksschule.
  • Karten bei Ö-Ticket: www.oeticket.at oder telefonisch unter 01/960 96
  • Weitere Infos unter www.theatersommer.info

Foto: Esemble Verschwender © Peter Reichert