Vor 185 Jahren wurde in Kärnten die Stroh Spirituosen-Manufaktur gegründet. Der Inländer Rum ist nicht nur für die Mehlspeisküche, sondern auch für Cocktails eine unverzichtbare Zutat.

Wie bei jeder echten Legende ist die Essenz der Sache geheim. So verhält es sich auch mit der genauen Rezeptur für den STROH Inländer Rum. Das Ausgangsprodukt ist in jedem Fall echter Rum. Die weiteren Verfeinerungen und damit zusammenhängenden Produktionsschritte kennen nur wenige Eingeweihte.

Die Geschichte des Inländer Rums reicht zurück in die Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Zu dieser Zeit erhielt die Besatzung der k. u. k. Flotte nicht nur aus ­moralischen, sondern auch aus medizinischen Gründen eine tägliche Ration Rum verabreicht. Erst vor ca. 40 Jahren wurde mit dieser Seefahrertradition z. B. in der britischen Marine gebrochen und die tägliche Rum-Ration – wohlgemerkt unter Protest – abgeschafft. Da Zucker in Österreich aus Ermangelung an Zuckerrohr produzierenden Kolonien knapp und teuer war, wurde Rum aus Zuckerrüben gewonnen und – mit Aromen und Farbstoffen versehen – als Inländer Rum auf den Markt gebracht.

Inländer Rum unter EU-Schutz

Das damalige Surrogat erhielt diesen Namen, um es klar vom importierten Karibik-Rum abzugrenzen. Erste derartige Rezepturen entwickelte ein Apotheker aus Krems an der Donau im 19.Jahrhundert. – Das hochprozentige Business hatte damals stets Querverbindungen zum Medizin­bereich. Verkostungseindrücke von den Anfängen beschreiben diese ersten Produkte mit schmeichelnden Adjektiven wie mild, schokoladig und tropisch-süßlich-würzig.

Mittlerweile ist per EU-Verordnung gesetzlich festgelegt, dass Inländer Rum zu 100 % in Österreich aus Zuckerrohrmelasse hergestellt werden muss, was ihn zu einer geschützten österreichischen Spezialität nach EU-Recht macht.

Sebastian Stroh, ein ausgebildeter Glaser mit steirischen Wurzeln, startete 1832 einen kleinen Betrieb in St. Paul im Kärntner Lavanttal. Seine Witwe Maria Stroh errichtete 1857 eigene Produktionsräume in der Karfreitstraße 18 in Klagenfurt. 1969 übernahm Hanno Maurer-Stroh in fünfter Generation das Familienunternehmen und positionierte in den 1970er-Jahren STROH als eine der erfolgreichsten österreichischen Marken auf dem internationalen Spirituosenmarkt. Seit 2008 ist das Unternehmen im Besitz des Österreichers Harold Burstein.

80-60-40.

Das sind die entscheidenden Zahlen in der STROH-Welt. Je nach Produkt wird nicht nur der jeweilige Alkoholgehalt verändert, auch Faktoren wie Farbe und Aromenbeigabe sind unterschiedlich gehalten. 40 Volumprozent Alkohol sind ja das Gängige für gehaltvolle Spirituosen aller Art. In einer Zeit, in der man kaum noch aus dem Vollen schöpft, alles reduziert und auf „light“ umstellt, sind STROH 60 und STROH 80 die gelebten Ausnahmen.

Besonders um den Inländer Rum mit einem Alkoholgehalt von 80 % wird weltweit ein unglaublicher Kult ­getrieben. Nicht nur wegen seines Geschmacks und der in ihm liegenden Urkraft, sondern auch wegen eines kleinen durchgestrichenen Flugzeugsymbols am Flaschenetikett. – Mit den heute geltenden Sicherheitsregeln im Flugverkehr ist der Transport von STROH 80 nicht vereinbar; nur der „mittlere Bruder“ STROH 60 darf noch mit in die Passagierkabine.

Export-Musterknabe

STROH Inländer Rum findet man in den Küchen und Bars in mehr als vierzig Ländern. Der Exportanteil lag 2016 bei 75 Prozent, wobei der größte Teil nach Deutschland, Skandinavien, Südafrika, in die Benelux-Staaten sowie in den Travel Retail geliefert wird.

Flachmann-Design

Seine Bekanntheit verdankt STROH Inländer Rum nicht nur seinem unverwechselbaren Aroma, sondern auch der geschichtsträchtigen Form ­seiner Flasche. Der typisch gebogene Flachmann stammt aus der amerikanischen Prohibitionszeit, in der es wichtig war, die Genussware leicht am Körper verstecken und unbemerkt transportieren zu können.

Heute ist die STROH-Flasche eine Designikone in der Spirituosenwelt. Das konstante Flaschendesign samt den orangefarbenen Etiketten hat ­sicherlich auch zur hohen Markenbekanntheit im In- und Ausland beigetragen. Vielen gilt eine Flasche STROH als ein „The Spirit of Austria“-Symbol.

Das Buch zur Legende: The Spirit of Austria

Die kultige Geschichte des STROH Inländer Rums.
Mit vielen Rezepten für Desserts und Cocktails. Ab 14. September 2017 im Buchhandel.

Edition A la Carte, 16,90 Euro
ISBN 978–3–902–469–71–7

TEXT: Christian Grünwald, FOTO: Michael Reidinger

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