In enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden und seinen steirischen Kollegen schmiedet Burgenlands Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth an nachhaltigen Wirtschaftsmodellen und kämpft für mehr Fairness im Umgang mit heimischen Betrieben.

schau: Sie haben in den letzten Jahren viel Kraft in die Ankurbelung der Wirtschaft quer durch die Gemeinden investiert. Wie sind dort ihre Überlegungen angekommen?
Peter Nemeth: Wir haben uns dazu entschlossen, gemeinsam mit den Orten die Ankurbelung der Wirtschaft in kleinräumigen Modellen anzudenken, und alle 161 Gemeinden besucht, ihnen vor Augen geführt, dass es nicht nur um die Geschäfte und Betriebe der Unternehmer geht, sondern auch darum, in den Gemeinden selbst nachhaltig Lehrstellen und Arbeitsplätze zu schaffen. Wir haben ihnen natürlich auch vor Augen geführt, dass jedes neue Megaeinkaufszentrum am Ortsrand ein weiteres Abwandern der Betriebe mit sich bringt. Die Menschen würden sich schon wünschen, im eigenen Ort wieder Arbeit zu finden.

Zeichnen sich da schon Beispiele ab, wo Ihre Projekte zu greifen beginnen?
Denken Sie etwa an den Raum Neusiedl, dort ist es gelungen, funktionierende Wirtschaftsräume in den Orten zu entwickeln, die Ortskerne zum Teil sogar mit neuen Unternehmen zu beleben und obendrein attraktiven, hochbegehrten Wohnraum zu schaffen. Jennersdorf und Güssing hingegen, wo seit Jahrzehnten eine zeitgemäße Verkehrsverbindung fehlt, schwächeln dahin. Um dem entgegenzuwirken, arbeiten wir grenzüberschreitend mit unseren steirischen Kollegen erfolgreich zusammen und sind dabei, durch die Vernetzung der Regionen Gleisdorf und Fürstenfeld mit Hartberg, Güssing und Jennersdorf neue Impulse zu geben.

Heißt das, dass die alten Ortskerne unweigerlich zu Geisterstätten werden, wenn es nicht zu solchen Glücksfällen kommt wie etwa in Neusiedl?
Aber nein, man darf halt nicht versuchen, einen Fleischhauer dort anzusiedeln, wo ihn im Moment keiner braucht. Es lassen sich auch keine Portallokale vermieten, die mit Wohn- und anderen Nutzflächen des Hauses eine Einheit bilden. Das würde nicht funktionieren, wenn die Mieter im Obergeschoß durch die Verkaufsräume marschieren müssen. Wir sind aber dabei, gemeinsam mit der Wohnbaubranche zu beginnen, den Altbestand an Objekten in den Ortskernen zu hochwertigem Wohnraum mit großzügig ausgebauten Dächern und loftartig zusammengelegten Räumen umzugestalten. Das ist zwar aufwendig, schafft aber zeitgemäße, lokal-urbane, attraktive Wohnflächen und belebt obendrein das Handwerk.

Im Großen und Ganzen steht das Burgenland gut da und die Ausblicke sind positiv – wie sehen das die Unternehmer selbst?
Die Menschen fühlen sich bei uns wohl und die gesetzten Fördermaßnahmen greifen – fragt man aber bei den Unternehmen selbst nach, zeigt sich oft großes Unbehagen. Zum einen müssen wir zu Kenntnis nehmen, dass der Geldregen aus Brüssel ins Finale geht und die Fördertöpfe bis Ende 2021 leer sein werden – zum anderen haben wir mit Ungarn als EU-Nachbarn einen großen Wirtschaftsmarkt dazugewonnen, den wir nicht bespielen können. Andererseits wird es den ungarischen Kollegen leicht gemacht, bei uns ihren Geschäften nachzugehen, ohne sich dem heimischen Wettbewerb stellen zu müssen. Dazu kommt, dass samt Aufschwung unsere Exportleistungen ins Ausland im Gegensatz zu den anderen Bundesländern rückläufig sind, was sicher auch damit zu tun hat, dass wir unsere Export­offensiven im Ausland haben fallen lassen.

Jetzt gibt es doch einen großen Start-up-Boom. Ganz Österreich spricht davon. Zieht es die jungen, kreativen Hightech-Unternehmer auch ins Burgenland?
Von zehn Start-ups gehen neun in die Hose – und das heißt noch lange nicht, dass aus dem einen überlebenden ein nachhaltiges Unternehmen wird. Wir versprechen uns da mehr vom Modell unserer steirischen Partner. Die setzen schon seit Längerem erfolgreich auf das von ihnen entwickelte Restartup-Modell und machen jungen Kreativen mit Mut und Energie die Übernahme bestehender Betriebe schmackhaft, deren Eigentümer vorhaben, sich aus dem aktiven Arbeitsleben zurückzuziehen. Da gibt es schon bestehende Kundenstöcke und trotzdem genug Freiraum, die Unternehmen zukunftsorientiert umzukrempeln.

Danke für das Gespräch!  

INTERVIEW: Rudi Mathias, FOTO: Rene Wallentin

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