Die Ausbeute bei den Olympischen Sommerspielen in Rio war für die österreichischen Sportler wieder einmal eine herbe Enttäuschung. Für ein Debütanten-Segler-Paar waren die Spiele allerdings überwältigend …

Lang, lang ist es her, dass österreichische Sportler über eine Medaille bei den Olympischen Sommerspielen jubeln durften. Genauer gesagt war es am 15. August 2008 in Peking. Damals holte Wildwasser-Slalom-Kanutin Violetta Oblinger-Peters die Bronzemedaille. Seit diesem Tag lechzte man im ÖOC schon nach Edelmetall. Fast am Tag genau acht Jahre später durften die Österreicher wieder aufs Olympia-Treppchen steigen und endlich eine Medaille bejubeln. Das sympathische Segel-Mix-Duo Thomas Zajac/Tanja Frank gewann beim Olympia-Debüt mit einem dritten Platz im Medal Race der Top Ten die Bronze-Medaille bei der Premiere des Nacra 17. Allerdings war für die Österreicher fast mehr drinnen – denn die Entscheidung um die Medaillen war hauchdünn. Zajac/Frank lagen nach 13 Wettfahrten nur einen einzigen Zähler hinter den neuen Olympiasiegern aus Argentinien, Santiago Lange/Cecilia Carranza Saroli.

Österreich vorne dabei

Silber holten die Australier Jason Waterhouse/Lisa Darmanin (AUS). Aufgrund der drei Tagessiege der Australier Waterhouse/Darmanin hatten Zajac/Frank das Nachsehen. „Sicherlich ist es auf Grund der knappen Ergebnisse schade. Aber wir freuen uns auch über die Bronze-Medaille unglaublich viel. Man arbeitet vier Jahre auf das Ziel hin, und dann hat man eine Medaille gewonnen. Ich kann es noch gar nicht glauben“, strahlte eine überwältigte Tanja Frank bei der Siegerehrung. Aber nicht nur die Segler waren vom Gewinn der einzigen österreichischen Medaille bei den Spielen in Rio überwältigt. „Ich glaube, ich brauche jetzt ein paar Caipirinha, um das zu realisieren“, konnte es Erfolgstrainer Angelo Glisoni nach der letzten Wettfahrt gar nicht glauben, „wir haben sehr hart gearbeitet, um dieses Ergebnis zu erreichen, das ist ein Traum. Wir sind einfach nur überglücklich.“

Aber auch der Sportdirektor des Österreichischen Segelverbandes Georg Fundak ist überglücklich: „Es hat auf allen ein irrsinniger Druck gelastet. Thomas und Tanja sind das erste Mal bei den Spielen, wir haben gesagt, sie können die Top Sechs machen und dann holen sie die Bronze-Medaille. Wie sie das gemacht haben, war wirklich Extraklasse. Hut ab vor dieser großartigen Leistung. Sie haben das gebracht, was sie können. Sie haben die Nerven sehr gut gehalten und waren besser, als ich gehofft habe.“

Medaille & Fahnenträger

Als Draufgabe durfte das Segelgespann vom Union Yachtclub Neusiedler See und dem Burgenländischen Yachtclub bei der Schlusszeremonie die rot-weiß-rote Fahne tragen. „Das Tragen der Fahne war natürlich das nächste Highlight für uns. Rio bleibt für uns unvergessen, wir haben hier in den vergangenen vier Jahren sehr viel Zeit verbracht und nehmen unglaublich viel mit. In erster Konsequenz natürlich den sportlichen Erfolg, aber auch sehr viel wertvolle Momente. Wie das gesamte Team freue ich mich jetzt sehr auf zu Hause.“

Von einer Ehrung zur ­nächsten …

Nach der Ankunft in der Heimat wartete auf die beiden erfolgreichen Segler aber nicht wieder das harte Training am Neusiedler See – sondern ein Ehrungs-Marathon. Zajac/Frank kamen aus dem Feiern gar nicht mehr raus, jeder wollte den Bronzemedaillengewinnern zu ihrer Leistung bei den Olympischen Spielen in Rio gratulieren. „Das Feiern ist für mich schon fast ein bisschen anstrengender als das Training. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran und es ist schön zu sehen, wie viele Leute sich mit uns freuen“, meint Tanja Frank. Für Thomas Zajac sind Partys normal – er ist ja in Insiderkreisen als „Partytiger“ bekannt: „Ja, mir macht das Feiern eigentlich nichts aus. Natürlich ist mir der Sport lieber, aber die Party nach dem Erfolg gehört auch dazu.“ Nach der Verleihung des Ehrenzeichens des Landes Burgenland geht es jetzt aber wieder aufs geliebte Wasser.

Sportförderung neu gestaltet

Mit einer einzigen Medaille war die Ausbeute für Österreichs Olympioniken natürlich gar nicht zufriedenstellend. Von vielen wurden die Sportler gar als Touristen beschimpft. Für Thomas Zajac und Tanja Frank komplett unverständlich – immerhin haben sich die Sportler mit erbrachten Limits für Rio qualifiziert und nicht in einem Preisausschreiben eine Reise nach Brasilien gewonnen. „Ich kann solche Meldungen überhaupt nicht verstehen. Die Leute wissen gar nicht, wie viel harte Arbeit hinter so einem erbrachten Limit für die Olympischen Spiele steckt. Solche Leute wollen nur Quoten erreichen oder haben einfach gar keine Ahnung, wovon sie reden“, ärgert sich Zajac über derartige Aussagen.

Eines ist aber nach den Spielen fix – Sportminister Hans Peter Doskozil will eine neue Sportförderung auf die Beine stellen. Die Spitzensportförderung soll entpolitisiert werden und künftig in der Hand einer von Experten geführten Gesellschaft liegen. Im Breitensport muss an der Basis künftig mehr Geld ankommen, forderte Doskozil im Interview. Es geht ja nicht um wenig Geld – an die 130 Millionen Euro werden 2016 aus den beiden großen Töpfen in den heimischen Sport gepumpt. Doskozil will eine radikale Neuausrichtung: „Die Grundausrichtung soll bleiben. Das Geld für den Spitzensport gehört in eine professionelle Hand und nicht in eine politische Hand, sondern in die von Sportexperten.“ Vielleicht bekommen ja unsere Bronzemedaillengewinner von Rio zukünftig ein größeres Stück vom Kuchen …

TEXT: Marco Cornelius, FOTO: Spiess Foto Tirol

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