Seit Ende Mai letzten Jahres steht Peter Edelmann an der Spitze der Seefestspiele Mörbisch – und er hat viel vor.

Mit einer sensationellen Produktion der „Gräfin Mariza“ will er das weltgrößte Operettenfestival zu neuen Erfolgen führen. Dabei wird nicht nur der Himmel voller Geigen hängen.

Seefestspiele Mörbisch wieder auf Hitkurs

„Gräfin Mariza“ lädt zum Ausflug an den Neusiedler See.
Seit Ende Mai letzten Jahres steht Peter Edelmann an der Spitze der Seefestspiele Mörbisch – und er hat viel vor. Mit einer sensationellen Produktion der „Gräfin Mariza“ will er das weltgrößte Operettenfestival zu neuen Erfolgen führen. Dabei wird nicht nur der Himmel voller Geigen hängen.
FOTO: Jerzy Bin

Peter Edelmann, künstlerischer Direktor Seefestspiele Mörbisch. FOTO: Michael Rausch-Schott

Wer mit Peter Edelmann (56), dem Neuen in Mörbisch, spricht, merkt eines sofort: Dieser Mann brennt vor Leidenschaft für die Sache.

„Heuer präsentieren wir
die größte Geige der Welt“

Überraschend hat der ausgebildete Opernsänger und Professor an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien Ende Mai 2017 die Leitung der Seefestspiele übernommen, nachdem Vertrag mit Gerald Pichowetz einvernehmlich gelöst worden ist.

Peter Edelmann will vieles anders als seine Vorgänger machen. Das wird schon dadurch deutlich, dass er bewusst auf den Titel Intendant verzichtet. Warum eigentlich? „Intendant klingt für mich ein bisserl old-fashioned und mehr nach Staatstheater. Künstlerischer Direktor finde ich einfach knackiger und prägnanter“, sagt Edelmann.

„Ich fühle mich primär für die Produktion auf der Bühne verantwortlich, kümmere mich aber nichtsdestotrotz auch um die PR, um die Außenwirkung, um Werbung, den Kontakt mit den Sponsoren, um die Probleme am Parkplatz genauso wie um die Weinbauern, dass die glücklich sind und ihren Wein verkaufen können – das ganze Drumherum halt. Es ist viel Arbeit, aber eine wunderschöne Arbeit.“

„Gräfin Mariza“
– ein Klassiker wird aufgepeppt

Bei der Wahl des heurigen Stücks setzt Edelmann auf eine sichere Bank. Die „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kálmán zählt bei den Seefestspielen Mörbisch als Hitgarant. Der Grund dafür liegt für den künstlerischen Direktor auf der Hand: „Mörbisch ist das größte Operettenfestival der Welt in Österreich und wir spielen unsere Stücke.

Wir spielen die Stücke, die bei uns uraufgeführt und komponiert worden sind. Man muss ganz einfach die Hits spielen. Das ist meine Linie. Bereits in meinem Hearing habe ich das so präsentiert. ,Gräfin Mariza‘, ,Die Csárdásfürstin‘, ,Die Fledermaus‘, ,Die lustige Witwe‘, ,Der Zigeunerbaron‘, ,Im weißen Rößl‘, ,Im Land des Lächelns‘, vielleicht einmal ein Musical – das sind die Stücke, die, glaube ich, nach Mörbisch gehören.“

Gräfin Mariza

Seefestspiele Mörbisch

12. Juli bis 25. August 2018
jeweils von Donnerstag bis Sonntag

Beginn im Juli: 20.30 Uhr Beginn im August: 20 Uhr

Karten unter Tel. 02682/662 10

E-Mail: tickets@seefestspiele.at

www.seefestspiele-moerbisch.at

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Bühnenbild mit Wow-Effekt

Neben dem Stück an sich leben die Seefestspiele Mörbisch auch vom einzigartigen Bühnenbild. Damit erhält die Produktionen einen emotionalen Rahmen. Peter Edelmann will die Besucher heuer in Erstaunen versetzen. Edelmann dazu: „Das Bühnenbild ist das Erste, was den Leuten ins Auge sticht. Bei dem sie sagen: ,Pfoah, das schaut aber toll aus‘.

Wir sind im letzten Sommer alle noch in meinem alten Büro in der Uni zusammengesessen. Ich habe mir für meine erste Saison natürlich etwas vorgestellt, was auffällt. Einen gewissen Wow-Effekt, etwas, das vielleicht ein bisschen innovativ ist, ohne jetzt großartig modern zu sein. Mir ist etwas Verpacktes vorgeschwebt, das dann, wenn die Leute drin sitzen und das Stück beginnt, aufgeht, gezeigt wird.

Muss man live gesehen haben: Das Bühnenbild beherbergt auch eine Überraschung. © Seefestspiele Mörbisch / Manfred Waba

Den Überraschungseffekt wollte ich haben. Wie machen wir das? Was erfinden wir? Im Stück ist ja der Zigeunerprimas mit seiner Geige immer auf der Bühne. Der Regisseur meinte, er sieht den so als roten Faden im Stück, was seine Rolle natürlich aufwertet. Wenn die Mariza auftritt, dann kommt das Lied ,Höre ich Zigeunergeigen‘. Also immer wieder kommt die Geige vor. Dann habe ich gesagt: ,Na, dann machen wir eine Geige.‘ Alle meinten nur: ,Super, toll. Eine Idee, aber wie setzen wir die um?‘ Wie liegt die, wo steht sie, was macht sie?

FOTO: Michael Rausch-Schott

FOTO: Michael Rausch-Schott

Mit Bühnenbildner Manfred Waba hat sich diese Idee in vielen Gesprächen weiterentwickelt. Wäre es möglich, aus dieser Geige dann das Bühnenbild herauskommen zu lassen? Er meinte nur: ,Möglich schon, aber da müssen wir schauen.‘ Die Idee ist dann langsam gegoren, und der Manfred Waba ist eigentlich einer, der gleich das Bühnenbild hinbaut. Für ihn war es eine Herausforderung.

Aber eine gute Herausforderung. Ich finde, einer, der herausgefordert wird, kommt dann noch einmal zu einer guten Leistung, wird angetrieben, sich was Neues zu überlegen, etwas Innovatives, etwas, das er vorher vielleicht noch nie gemacht hat.“

Ohne jetzt zu viel zu verraten, dürfen sich die Festspielgäste auf eine gigantische Geige freuen – wahrscheinlich die größte der Welt. 45 Meter lang, der Hals ist 15 Meter hoch. Mit Sicherheit ein Bühnenbild, das für jede Menge Gesprächsstoff sorgen wird. „Ich glaube, die Mundpropaganda ist da sehr wichtig“, sagt Peter Edelmann.

„Das ist auch ein bisserl das Konzept mit der Geige. Dass die Leute nachher sagen: ,Da müsst ihr hinfahren, das müsst ihr euch anschauen. So etwas habt ihr noch nicht gesehen, in Mörbisch schon gar nicht.“ Auch moderne Technik, wie etwa WLAN, wird ab sofort in Mörbisch Einzug halten und für eine Bereicherung des Festspielerlebnisses sorgen. Edelmann: „So können sich unsere ausländischen Gäste die Untertitelung in verschiedenen Sprachen auf ihr Smartphone holen.“

Neues Publikum begeistern

Fest steht für Peter Edelmann jedenfalls, dass das Gesamtpaket rund um den Festspielbesuch passen muss. Hier kann Mörbisch seine Trümpfe voll ausspielen, wie er erklärt: „Die Lage und die Seebühne an sich sind einzigartig auf der ganzen Welt. In Mörbisch kann man die Operette sehen wie sonst nirgends. Außerdem lässt sich die Umgebung perfekt in den Mörbisch-Besuch einbinden. Man kann wirklich Urlaub an einem Tag machen, und der Trend geht ja dorthin.

In Mörbisch ist das fantastisch. Man kann schon gegen Mittag rausfahren, mit dem Boot eine Runde am See machen, schwimmen, spazieren, zum Heurigen gehen oder eine Radtour machen. Es gibt viele Möglichkeiten, dort einen schönen Tag zu erleben.

Es ist wirklich ein Platz, nicht vergleichbar mit Bregenz zum Beispiel oder Salzburg. Wenn man dort die Festivals kennt, das ist hektisch, das ist Großstadt. Bei uns ist es ruhig, familiär, schön. Die Natur hat man ganz unmittelbar. Es ist wirklich eine Entschleunigung, ideal, um runterzukommen.“

Mit dem Blick Richtung Zukunft will Peter Edelmann auch ein neues Publikum für die Seefestspiele Mörbisch begeistern. Auch einen Plan hat er dafür schon entwickelt. „Ich möchte natürlich auch das jüngere Publikum ansprechen. Die, die kommen und das sehen, die kommen wieder. Das Schwierige ist, die Schwellenangst zu nehmen.

Das, worauf die Großeltern abgefahren sind, das muss mir erstmal nicht gefallen. Aber es wird ihnen gefallen. Ich bin ganz sicher. Die Stücke sind gut, und die Musik ist gut. Es ist knackig, es ist frisch, humorvoll, man kann lachen, einfach schön.“ Aber auch in der Schule will Edelmann bereits den Zauber von ­Mörbisch in den Kindern entfachen. Daher wird es heuer erstmals ein spezielles Schulangebot geben. „Wir werden in der letzten Schulwoche eine Kinderproduktion anbieten. Eine ,Gräfin Mariza‘, komprimiert auf eine Stunde für Kinder hergerichtet. Zum Mitsingen und Mittanzen, die Noten bekommen die Kinder in Kooperation mit dem Landesschulrat schon in die Schule geliefert. In einer Woche war das ausverkauft. 2.000 Kinder werden dabei sein – und hoffentlich künftige Mörbisch-Fans werden.“

TEXT: Christoph Berndl

Seebühne Mörbisch

Seebühne Mörbisch

Seebad 1, 7072 Mörbisch am See, Österreich

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