Der Dezember ist der Monat des Sekts: Zu keiner Zeit wird mehr davon getrunken als zu Jahresende. Schade, denn die heimischen Produzenten prickelnder Köstlichkeiten haben mehr zu bieten als den „Silvester-Sprudel“.

Die Pioniertat erfolgte unterhalb des Stifts Göttweig und liegt 42 Jahre zurück. Damals entschloss sich die traditionsreiche Winzer­familie Malat in Furth, einen eigenen Sekt nach der traditionellen Methode in der Flasche zu vergären. Welchen Geist man damals „sprudelnd“ aus der Flasche entließ, war nicht abzusehen: Der Boom der Winzersekte – 1989 folgte mit Willi Bründlmayers „Brut“ ein weiteres Aushängeschild – war in den folgenden Jahrzehnten nicht aufzuhalten.

Denn Österreich hatte immer eine große Sekttradition, die mit dem Namen Robert Alwin Schlumberger, 1878 für seine Verdienste zum Edlen von Goldeck nobilitiert, verbunden ist. Sein „Vöslauer Sparkling“ sorgte bereits 1862 in London für Furore. Sichtbarster Ausdruck der Qualität war seine Bewerbung als „Schlumberger Champagner“, als man das noch schreiben konnte.

Mit dem Friedensvertrag von Saint-Germain 1919 schrumpfte nicht nur Österreich, sondern auch die Verwendung des Wortes Champagner untersagte man den Wiener Kellereien, zu denen neben Schlumberger auch Kattus (gegründet 1890 und bis heute in Familienbesitz!) gehörten. Johann Kattus wurde schon acht Jahre nach dem Einstieg ins Kellereiwesen k.u.k. Hoflieferant, sein Ruhm begründete sich auf dem florierenden Kaviarhandel; mit der Fabrik in ­Astrachan war das Unternehmen zeitweilig der weltgrößte Händler für diese Delikatesse.

Vom Austro-Champagner zum Winzersekt

Bis heute setzt man in Wien-Döbling auf die mittlerweile „méthode traditionnelle“ genannte Herstellungsweise. Bei ihr bleibt der Sekt vom ersten bis zum letzten Produktionsschritt in derselben Flasche. Die Rüttelpulte zum Absetzen der Hefe, über die Jahre, sind ihr Markenzeichen. Ehe die sogenannte ­„tirage“, die Mischung aus Weinen mit Zucker und Hefe (dem Treibsatz der Gärung), im Keller erfolgt, muss aber eine Entscheidung über die Grundweine getroffen werden.

In Österreichs großen Häusern bedeutet das fast immer den Blick ins Weinviertel. Der nördliche Abschnitt der Brünner Straße, also die Region zwischen Mistelbach, Poysdorf, Falkenstein und Herrnbaumgarten, versorgt als „Österreichs Champagne“ die Kellereien mit ­ihrem Rohmaterial.

Dass sich das Weinviertel zu einer Hochburg nicht nur für die Grundweine der großen Kellereien ent­wickelt hat, liegt an Männern wie Christian Madl. Seit 1990 ist das Weingut auch mit der „méthode traditionnelle“ in Schrattenberg aktiv. „Der Raum Poysdorf verfügt über ein hervorragend geeignetes Mikroklima, um außergewöhn­liche Sektqualität erzeugen zu können“, ist der Sektspezialist – der Praktika in der Champagne, aber auch beim deutschen Spitzenerzeuger Raumland in Rheinhessen absolviert hat – überzeugt. Madl, der heuer sein 15-jähriges Jubiläum als Versekter feiert, hat vor allem mit seinen bis zu acht Jahre gereiften Oenotheque-Sekten nach Vorbild der Champagne die Fachwelt begeistert.

Mittlerweile ziehen die versektenden Winzer und die Großkellereien an einem Strang. Als „Österreichisches Sektkomitee“ hat man die gemeinsamen Bestimmungen für den heimischen Sprudel seit 2015 immer strenger gefasst. Doch der weinrechtliche Rahmen dient letztlich einem genussreichen Ziel: dass es wieder ­öfter prickelt in den heimischen Gläsern – nicht nur ein Mal zu Jahresende!

Das „prickelnde“ Leben: Genuss–Adressen

Sekt kaufen

Gegen Voranmeldung kann man die Sekte des „Reifungsspezialisten“ Christian Madl, an der tschechischen Grenze, auch ab Hof kaufen. Und dabei einen Blick in die Keller des Winzers werfen. Sektkellerei Christian Madl, Kellergasse Dritteln/Neubau, 2172 Schrattenberg, Tel. 02555/241 68

In Wien Sekt ab Hof kaufen? Beim ehemaligen Hoflieferanten Kattus ist das Montag bis Freitag von 8–16 Uhr (Samstag 8–12.30 Uhr) möglich. Spezialitäten wie „Brokat“ oder die „Grand Cuvée“ warten im 19. Bezirk. Sektkellerei Kattus, Billrothstraße 51, 1190 Wien, Tel. 01/368 43 50

Mit 30 Jahren Erfahrung in der Versektung gehört Kellermeister Georg Hugl zu den Spezialisten der Flaschengärmethode in Österreich. Unser Geheimtipp: Von Tochter Christina in der Flasche vergorene „Pet nats“. Weinviertler Sektmanufaktur, Stützenhofen 60, A-2165 Drasenhofen, Tel. 02554/880 01

Essen

Wien
Stilecht und wienerisch: Petits Fours oder gleich eine Sisi-Torte zu den reinsortigen Sekten – Veltliner oder Chardonnay – von Schlumberger offeriert Hofzuckerbäcker Gerstner im ersten Stock, gleich gegenüber der Oper. Hofzuckerbäcker Gerstner, Kärntner Straße 51, 1010 Wien, Tel. 01/316 65-2800

Niederösterreich
Frizzante aus dem Weinviertel, dazu ein Alt-Wiener Backfleisch oder doch eine klassische Honigtorte (Medovník)? Im Retzer Weinschlössl lässt es Ex-Eishockey-Crack Peter Pucher zur Grenzlandküche „prickeln“. Mährische Botschaft, Wallstraße 13, 2070 Retz, Tel. 02942/311 00

Burgenland
Der Gelbe-Muskateller-Sekt leitet oft ein Menü des Paradebetriebs im Weinort ein. Versektet wird der -Birkenhof-Apéro Nr. 1 quasi vom Nachbarn, der Kellerei Szigeti. Alternativ für Sprudel-Freunde: der „Perlino“ vom Gut Altenberg, ebenfalls in Gols. Restaurant Birkenhof, Birkenplatz 1, 7122 Gols, Tel. 02173/23 46

Im Reifekeller

„Piccolo-Paket“ nennt sich die Kellerführung mit drei Proben (zu 10 Euro) beim Golser Spezialisten Peter -Szigeti; in der Variante „Magnum“ sind es sechs Kostproben (14 Euro). Gegen Voranmeldung kann man Montag bis Samstag in die Sprudelwelt eintauchen. Sektkellerei Szigeti, Sportplatzgasse 2a, 7122 Gols, Tel. 02173/36 62

Eine Wiener Institution sind die Heiligenstädter Kellergewölbe von Schlumberger, Führungen (inklusive fünf Sektspezialitäten) kosten 19 Euro. Mittwoch bis Samstag gibt es um 16 Uhr geführte Touren, ansonsten erkundet man die Sektwelt mit Audioguides. Schlumberger Kellerwelten, Heiligenstädter Straße 39, 1190 Wien, Tel. 01/368 22 59-631

Wohnen

Im Freigut Thallern hat man die Wahl: Nimmt man einen Brut des Kloster-Weinguts (Brut oder Rosé) aus der Vinothek mit aufs Zimmer oder doch Karl Alpharts Brut Reserve? Klar aber ist: Ab 149 Euro für das Doppelzimmer lässt sich „beim Sekt“ nächtigen. Weingarten-Hotel Thallern, Thallern 1, 2352 Gumpoldskirchen, Tel. 02236/534 77

Heuer erstmalig degorgiert, wartet der „Brut Nature“ 2014 vom Grünen Veltliner bei Else Zuschmann und Peter Schöffmann auf die Gäste. Aber auch die schmucken Genießerzimmer (ab 45 Euro/Nacht) samt kostenlosem Bike-Verleih. Wein Lodge, Winzerstraße 52, 2223 Martinsdorf, Tel. 02574/84 28

Neun Suiten (ab 180 Euro für zwei) bietet Sekt-Pionier Michael Malat an. Beim Zwei-Tages-Package „Kultur verwöhnt“ ist auch das Sektfrühstück – mit hauseigenem Brut oder Rosé-Sekt – auf der Terrasse inkludiert. Malat Weingut und Hotel, Hafnerstraße 12, 3511 Palt, Tel. 02732/82934

Um die fünf verschiedenen Sekte und Frizzante („Schloss Glaswein“) kümmern sich die Herren am Mailberg. Das „Weindomizil“ aber ist das Reich von Carina Hagn. Pro Person gibt es den prickelnden Aufenthalt ab 55 Euro. Wein-Domizil Hagn, 2024 Mailberg 154, Tel. 02943/22 56

TEXT: Roland Graf, FOTO: iStockphoto

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