Der Griff zu Duschgel, Shampoo oder Seife – selbstverständliche, alltägliche Handlung. Erst im letzten Jahrhundert wurden Badezimmer, Dusche, Wassertoilette und Waschmaschine in unseren Haushalten Standard. Die Welt der Kosmetik- und Waschmittelkonzerne erfindet seither immer wieder neue -Produkte und omnipräsente Werbung vermittelt uns das entsprechende Bedürfnis danach.

ich gestehe, ich habe ein Faible für ein schönes Stück Seife – was ich einem Aufenthalt in der Provence verdanke und der dort geschlossenen Bekanntschaft mit der berühmten „Savon de Marseille“, einer Seife aus hochwertigem Olivenöl. Seither ziert immer ein schönes Stück Naturseife mein Badezimmer. Auch Olivenölseifen aus Griechenland sind beliebte Reisemitbringsel, genauso wie edle Seifen englischer Provenienz.

Doch was absolut nicht übersehen werden darf – es gibt auch ganz tolle Wiener Seife! In einer kleinen, feinen Manufaktur im 3. Bezirk in Wien, gleich hinter dem Rochusmarkt, produziert Sonja Baldauf ihre reinigenden, Schaum spendenden Kostbarkeiten. Wie es dazu kam, dass die Zunft der Seifensieder in Wien weiterlebt, ist allemal erzählenswert.

Ein TV-Bericht ändert alles

Die damals in der Schweiz lebende Vorarlbergerin sah einen ORF-Beitrag über den letzten Seifensieder Wiens. Spontan wurde Kontakt aufgenommen und ein Vertrieb in die Schweiz angedacht. Doch das Ableben des Stadlauer Seifensieders Friedrich Weiss, der sein Leben dem unermüdlichen Erfinden von Seifenkreationen gewidmet hatte, vereitelte diese Pläne. Aber Sonja Baldauf gab nicht auf. Sie hängte ihren Job als Verpackungsdesignerin eines Schweizer Kosmetikkonzerns an den Nagel und zog nach Wien. Aus der Verlassenschaft von Herrn Weiss erstand sie zahlreiche Apparaturen und konnte auch einen ehemaligen Mitarbeiter rekrutieren, der mit dem Geheimnis der kaltgerührten Seife vertraut war.

Herstellung nach alten Rezepturen und Verfahren

„Denn eigentlich wird unsere Seife nicht gesiedet“, stellt Sonja Baldauf richtig, „bestes Kokosfett wird mit Natronlauge vermengt. Dabei setzt ein chemischer Prozess ein, bei dem das Öl in Glycerin und Tenside gespalten wird. Die weitere Zugabe von Duftmischungen und Pflanzenextrakten macht dann das Spezielle aus jeder Seife, verleiht ihr Duft und Charakter.“ Hatte man in der kleinen Werkstätte im Souterrain der Hintzerstraße 6 anfangs noch nach den Rezepturen von Meister Weiss gearbeitet, so entstehen mittlerweile auch schon eigene Kreationen. Auch der Lebensgefährte von Frau Baldauf, ehemals Schweizer Banker, widmet sich nun mit Leidenschaft der Herstellung von Seife.

Altes Handwerk, neue Tradition

„Es ist mir ein Anliegen, die Tradition der Seifenproduktion weiterzuführen und ich möchte dies ganz bewusst mit Wien in Verbindung bringen. Warum immer nur Seife aus Marseille oder England? Wir ­erzeugen hier in Wien ein ganz einzigartiges Produkt aus den besten Zutaten, auf das wir sehr stolz sind.“ Der Trend gibt Sonja Baldauf Recht, immer öfter wird zum biologisch abbaubaren Naturprodukt gegriffen. Circa 70 verschiedene Seifen entstehen bereits in der Wiener Seifenmanufaktur, von der Toilettenseife über Rasierseife, Spezialseife für die Fellpflege der vierbeinigen Lieblinge bis hin zur Schmierseife, dem Allroundreinigungsmittel für den gesamten Haushalt.

„Mein Lebensgefährte und ich mussten uns viel Wissen aneignen, um auch den strengen österreichischen Gewerbeauflagen zu entsprechen – wir können nicht mehr mit Geheimrezepturen arbeiten, alle Inhaltsstoffe sind bekannt“, betont Sonja Baldauf, die sich neben der Produktion von Wiener Seifen auch für die historische Bedeutung der Seifenproduktion interessiert. Ihr Wissen darüber gibt sie gerne im Rahmen von Informationstagen – wie der von der WKO veranstalteten „kinder business week“ – weiter.

Wiener Seife

1030 Wien, Hintzerstraße 6
www.wienerseife.at

TEXT: Hedi Mathias, FOTO: Robert Fritz

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