85 Jahre und kein bisschen leise. Richard „Mörtel“ Lugner lässt mit seiner Energie so manch 45-Jährigen alt aussehen. Wir haben den Kult-Jubilar, der am 11. Oktober Geburtstag feiert, besucht. Das Ergebnis: eine schillernde Lebensbilanz.

Baumeister, Shoppingcenter-Betreiber, Marketing-Genie, Fernsehstar oder Society-Original: Richard Siegfried Lugner in eine Schublade zu stecken, fällt schwer. Um ehrlich zu sein, ist es eigentlich unmöglich. Im Laufe seines Lebens ist er in zu viele unterschiedliche Rollen geschlüpft – und seinem Drang nach Öffentlichkeit ist es geschuldet, dass die Kameras meist dabei waren.

Ein Leben vor der Kamera

Mitunter wird sein Treiben belächelt, einige fühlen sich unangenehm berührt, mancher fühlt sich durch die mediale Omnipräsenz im rot-weiß-roten Boulevard gar belästigt. Wie dem auch sei. Fest steht, dass es in Österreich und auch über die Grenzen unseres Landes hinaus kaum jemanden gibt, der den vom Krone-Journalisten Michael Jeannée einst „Mörtel“ getauften nicht kennt. Wo Lugner auftritt, herrscht zumeist Selfie-Alarm.

„Ich werde ja relativ zu viel angesprochen“, erzählt Richard Lugner. „Ich war jetzt auf Mallorca beim Bierkönig. Dort sind ungefähr 100 Selfies in einer Stunde gemacht ­worden. Noch mehr tut sich am Neustifter Kirtag oder beim Hahnenkamm-Rennen. Die sind das Schlimmste von den Selfies her. Rund 400 Aufnahmen werden bei den beiden Veranstaltungen mit mir gemacht – und das ist viel.“ Dass er einst zu einer Person öffentlichen Interesses werden würde, hätte er sich wohl selbst nicht träumen lassen. Denn seine Kindheit und Jugend erlebte er im Wien der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Geboren am 11. Oktober 1932, lebte er gemeinsam mit seinem Vater, einem Rechtsanwalt, seiner Mutter Leopoldine und seinem Bruder Roland im zweiten Bezirk.

Die Verhältnisse waren einfachst. Zimmer-Kuchl-Kabinett, anfangs noch mit Klo am Gang. Prägt ihn diese Bescheidenheit bis heute? „Schon noch. Ich gebe natürlich mehr Geld aus als manch anderer. Grundsätzlich bin ich aber bescheiden. Mein Problem ist, dass ich so eine Wampen hab. Weil ich im Krieg ganz einfach immer alles aufessen musste. Ich habe von meinem Vater eine Watschen gekriegt, wenn ich etwas nicht gegessen habe. Da war er sehr hart zu mir, weil es einfach nichts gegeben hat“, erinnert sich Richard Lugner.

1943 musste sein Vater an die Front und kehrte nicht wieder heim. Das Kriegsende erlebte er mit Bruder und Mutter im Waldviertel. Die Mama war es schließlich auch, die Richards Berufsleben maßgeblich prägen sollte. „Ich habe fünf Jahre Mittelschule gemacht. Einmal bin ich zu meiner Mutter heimgekommen und habe gesagt: ,Du, Latein, Englisch, Französisch, das ist alles nicht meins. Ich habe da ein Plakat gesehen, auf dem stand ,Bundesgewerbeschule für Maschinenbau, Elektrotechnik, Hoch- und Tiefbau‘. Das wäre doch was. Am nächsten Tag komme ich nach Hause und sie redet mit mir nichts. Einfach gar nix. Um fünf am Abend frage ich sie dann: ,Na, hast du dich erkundigt?‘ Sie: ,Na freilich habe ich mich erkundigt. Ich habe dich sogar eingeschrieben.‘ Ich frage: ,In was?‘ Sie: ,In Hochbau.‘ Und ich war unglücklich. Ich wollte Maschinenbau oder Elektrotechnik machen, aber meine Mutter hat den richtigen Beruf für mich ausgesucht.

Nach seiner Matura arbeitete Richard bei der Baufirma Herbert Lorenz und wechselte dann zu Mobil Oil. 1961 machte er sich mit einem Schulfreund erstmals selbstständig. Ein kurzes „Abenteuer“. „Er konnte ­leider nicht mit Geld umgehen. Das war nicht meins.“

Bereits 1962 startete er sein eigenes Unternehmen und bewies dabei den richtigen Riecher. „Meine erste Frau Christine ist zu allen Mineralölfirmen hingegangen, weil im Tankstellenbau kannte ich mich aus, konnte alle Mineralölverordnungen auswendig. Sie war damals eine 23-jährige, fesche Frau, die viele Leute an Land gezogen hat. Ich habe es dann technisch umgesetzt. Das habe ich gekonnt.“ Außerdem spezialisierte man sich auf Nischenaufträge. Statt auf Neubauten setzte Lugner auf ­Revitalisierungen.

Groß geworden in der Nische

„Ich habe nur lauter kleine Arbeiten übernommen, die damals eigentlich nur mit Pfuschern zu machen waren. Ich habe nur von diesen Aufträgen gelebt. Damit bin ich groß geworden“, sagt Richard Lugner. „Außerdem hatte ich Spezialisten, die nicht schnell, aber hervorragende Arbeiter waren. Die haben teilweise in Socken gearbeitet und alles schön abgedeckt. Das war damals nicht üblich.“ Für die Motivation beteiligt Lugner leitende Mitarbeiter am Erfolg. „Alle Bauleiter waren am Gewinn beteiligt. Ich hatte eine eigene Kraft, die hatte nichts anderes zu tun, als den ­Gewinn von jeder Baustelle auszurechnen. Jeder Bauleiter hat sieben ­Prozent vom Gewinn als Prämie ­bekommen.“

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Wer ist Richard Lugner?

Geboren wurde Richard Siegfried Lugner am 11. Oktober 1932 in Wien. Seine Baufirma führte er in Schillingzeiten zum mehrstelligen Millionenumsatz. Bis heute ist er als Shoppingcenter-Betreiber und Society-Phänomen aktiv. Lugner war fünf Mal verheiratet und ist Vater von vier Kindern.

INTERVIEW: Christoph Berndl, FOTO: Kristian Bissuti

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