Allianz Stadion, Generali Arena und ein neues Nationalstadion – das Herz der Wiener Fußballfans schlägt bei solchen Nachrichten natürlich gleich höher. Die ganze Bundeshauptstadt liegt nicht nur wegen der EURO 2016 im Fußballfieber …

Das Hanappi- und das Horr-Stadion haben ausgedient – es lebe das Allianz Stadion und die Generali Arena! Während das neue Stadion von Rekordmeister Rapid Wien in Kürze fertig ist und mit dem Spiel gegen den englischen Spitzenklub Chelsea FC eingeweiht wird, müssen sich die Fans der Austria Wien und auch die Nationalmannschaft noch ein bisschen gedulden und mit dem Ernst-Happel-Stadion vorlieb nehmen.

Zuschaueransturm erwartet

Knapp 40 Jahre war das West- oder später dann auch das Gerhard-Hanappi-Stadion die Heimat des Rekordmeisters. Doch wie bei vielen Dingen muss man auch von einem Stadion einmal Abschied nehmen. Trotzdem werden viele Spiele immer in den Köpfen der Spieler und auch der Fans bleiben – wie etwa die Matches gegen Aston Villa oder Celtic.

Am wichtigsten ist natürlich der 16. Juli – an diesem Tag soll die Eröffnung des neuen Allianz Stadions stattfinden und erstmals Champions-League-Luft in der neuen Arena liegen. Immerhin wird das neue Stadion ja gegen niemand Geringeren als Champions-League-Sieger Chelsea eröffnet. „Ein Super-Gegner, der auf absolutem Top-Niveau spielt, auch wenn es in dieser Saison nicht so gut gelaufen ist. Sie werden im Sommer einiges investieren und mit tollen Spielern bei uns einlaufen“, kann es Rapids Sportchef Andreas Müller kaum erwarten.

Aber nicht nur für die Spieler und Funktionäre des SK Rapid Wien ist die „neue“ Heimat etwas ganz Besonderes. Auch die Fans bekommen etwas geboten. Denn ab jetzt sollen 24.200 Besucher Platz finden – darunter sind 2.500 Business Seats, 41 VIP-Logen und zwei Eventlogen. Durch die geschlossenen Ecken wird der oft bitter kalte Westwind nicht mehr so zur Geltung kommen wie bisher. Der Block West, die legendäre Fantribüne des Rekordmeisters, wird zukünftig im Süden des Allianz Stadions beheimatet sein. Bis zum Einzug ist allerdings noch einiges zu machen.

„Wir werden den Termin einhalten, aber es steht noch viel Arbeit bevor“, weist Bauleiter Roman Hornischer auf die immer länger werdenden Nächte und kürzeren Tage bis zum Ende der Stress-Periode hin.

Bezahlt wird mit „Rapid-Mari€“

In Zukunft wird man bei den Grün-Weißen auch kein Bargeld mehr im Stadion brauchen. Im Gastro-Bereich gehen die Hütteldorfer künftig neue Wege und orientieren sich am Beispiel deutscher Vereine. Mit der Bezahlkarte „Rapid-Mari€“ will man die Wartezeiten reduzieren. Das restliche aufgeladene Guthaben kann aber – anders als bei so manchem Vorbild – auch wieder ausbezahlt werden. Knapp einen Monat muss die Rapid-Familie also noch auf die Eröffnung warten.

Rapid zieht also im Sommer bereits ins neue Stadion ein. Der Erzrivale aus Favoriten muss da noch ein bisschen länger warten. Aber im Juli 2018 soll es auch für die Veilchen so weit sein, wenn die Generali Arena ihre Tore öffnet. 17.500 Fans sollen dann bei den Heimspielen in der Bundesliga Platz finden – bei internationalen Begegnungen immerhin noch 15.000.

Der Beginn des Neubaus fand allerdings schon im Jahr 2008 statt. Mit dem Neubau der Ost-Tribüne, der Erweiterung des Flutlichts, dem Einbau der Rasenheizung, der Erneuerung des VIP-Bereichs, der Errichtung der Verbund-Akademie sowie zuletzt mit der Neugestaltung der Stadion-Ecke Süd/West wurden mehr als 28 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert. Mit dem viersäuligen Projekt S.T.A.R. wird aber nicht nur das Stadion erweitert, sondern auch die Neugestaltung der Trainingsplätze bei der Generali Arena, die Akademie ausgebaut und ein neues, regionales Nachwuchszentrum aus dem Boden gestampft.

Austria-AG-Vorstand Markus Kraet­schmer redet von einem Meilenstein in der Geschichte der Austria: „Wir haben uns an vielen internationalen Vorbildern orientiert, die verständlich gezeigt haben, dass die Basis für eine erfolgreiche Zukunft zum einen die Ausbildung junger Spieler und zum anderen ganz klar die Infrastruktur ist. Diesen klaren Weg, den wir als absolut notwendigen Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft ­sehen, haben wir 2008 begonnen, nunmehr beginnt die folgende Phase und wir werden die nächsten Schritte machen.“

45 Jahre Horr-Platz sind genug

Das Gesamtvolumen für das S.T.A.R.-Projekt der Austria beläuft sich auf knapp 48 Millionen Euro. Abgerundet soll alles mit der Errichtung eines regionalen Nachwuchs-Zentrums in Wien-Favoriten werden – dem Viola Park! Hierfür müssen die derzeitigen Trainingsplätze und der heutige VIP-Parkplatz sowie der Parkplatz II Platz machen. 45 Jahre voller Dramen und Triumphe, Tore und unvergesslicher Momente sind vorbei – jetzt will man in der Generali Arena in neue Dimensionen vordringen.

Die Stadien von Austria und Rapid sollen aber nicht die letzten modernen Fußballtempel in Wien bleiben. Denn auch das altehrwürdige Ernst-Happel-Stadion ist in die Jahre gekommen und soll einem neuen Nationalstadion weichen. 1931 wurde das „Praterstadion“ erbaut und erst für die Heim-EURO 2008 renoviert. Doch nach den letzten Erfolgen des Nationalteams wurden immer wieder Rufe nach einem neuen Stadion laut. Derzeit hat der Standort Wien Ernst-Happel-Stadion keine Chance, ein Finale der Europa League auszutragen, von einem Champions-League-Finale gar nicht zu sprechen.

Und auch für die in mehreren Ländern ausgetragene EURO 2020 hatte Wien als Austragungsort keine Chance, wurde nicht einmal als Bewerber angenommen. Der Wunsch nach einer neuen Arena ist da – nur wird der Wunsch auch umgesetzt? Die Kosten für solch einen Neubau belaufen sich auf knapp 325 Millionen Euro – nicht gerade wenig Geld. Außerdem steht das Ernst-Happel-Stadion unter Denkmalschutz. Eine Generalsanierung wäre wohl die bessere Wahl.

TEXT: Marco Cornelius, FOTO: FK Austria Wien/Andreas Perkmann Berger

Das könnte Sie auch interessieren

Anna Gasser: Keine springt so cool wie sie Die Saison 2016/17 wird der Snowboarderin Anna Gasser immer in Erinnerung bleiben. Die Kärntnerin zeigte nicht nur unglaubliche Moves auf ihrem Brett,...
Auf Kurs in Richtung Tokio Als Vorschoterin von Thomas Zajac rettete sie 2016 unsere olympische Ehre bei den Sommerspielen in Rio und holte mit ihm die Bronze-Medaille. Jetzt üb...
Jakob Pöltl: Austrian Hammer mit großen Zielen Der Wiener Jakob Pöltl lebt in Amerika seinen größten Traum! Der 2,13 Meter große Center geht in der besten Basketball-Liga der Welt, der NBA, mit den...
Anna Veith: Ich kämpfe mich zurück Ihr drückt ganz Österreich die Daumen: Nach einer neuerlichen -Operation Anfang März, diesmal am linken Knie, arbeitet Skistar Anna Veith (28) konzent...
Share This