Auch die musikalischen Helden kommen in die Jahre. Damit die Dokumente der großen Karrieren nicht verloren gehen, hat die Wienbibliothek das Pop-Archiv gegründet. Es wird ein Best-of der Wiener Stars.

Eine große Produktion spukt Al Cook immer noch im Kopf herum. So aktiv der legendäre Bluesman aus Favoriten als Musiker ist – mit einem Teil seiner Karriere hat er nun abgeschlossen. Der sogenannte Vorlass des Musikers ging in einem Festakt zu seinem 72. Geburtstag an die Wienbibliothek über. Doch Cook ist nicht der einzige populäre Musiker, dessen Besitz die Institution aufarbeitet und für die Öffentlichkeit zugänglich macht.

Bereits 2013 startete die Initiative, der heimischen Musikszene einen Ort einzurichten, an dem Fans ebenso wie Forscher ihren Idolen und deren Karrieren nachspüren können. Denn es geht in diesem Fall weniger um die Kompositionen, sondern das Räderwerk hinter einem Leben in Tonstudios und auf den Konzertbühnen. „Es ist schwierig, an persönliche Musikarchive aus den 1960er-, 70er- oder 80er-Jahren heranzukommen“, skizziert Bibliotheksdirektorin Sylvia Mattl-Wurm den gewählten Ansatz, der auf vielen Gesprächen mit Rockstars, Jazzern und Blues-Musikern beruht.

Denn es gibt kein Ankaufsbudget, mit dem man mit kaufkräftigen Sammlern von Devotionalien konkurrieren könnte. Stattdessen arbeitet die Wienbibliothek mit den Musik-Kennern Walter Gröbchen und Thomas Mießgang gemeinsam eine Liste von potenziellen Wiener Musikgrößen ab. „Es ist eine große Ehre, einen Vorlass als Geschenk zu erhalten“, ist sich Mattl-Wurm bewusst. Bisherige Schenkungen von „Drahdiwaberl“-Chef Stefan Weber, Geduldig und Thimann, Mandy von den „Bambis“ und nunmehr Al Cook zeigen, dass die Bandbreite der „gesammelten“ Musiker groß ist.

Originale der Musik-Originale

„Anfangs war ich sehr skeptisch“, gibt auch Al Cook offen zu. Schließlich hatte der legendäre Blues-Mu­siker fast ausschließlich Unikate ­zusammengetragen („Ich bin quasi mein eigener Sammler und Biograph“). Konzertplakate, private ­Fotos, aber auch Vertragsentwürfe fanden sich in dem nun übergebenen Konvolut. „Wenn das irgendwo verschwindet, ist es weg“, dachte der als Alois Koch geborene Sänger und Gitarrist. Diese Bedenken konnte Suzie Wong, die an dem Projekt ­federführend mitarbeitet, aber ­zerstreuen. Gerade weil die Wienbibliothek „keine Scans oder Kopien akzeptiert“, seien die Nachlässe hier gut aufgehoben. Vor allem ermögliche die persönliche Übergabe auch klare Antworten, „etwa wenn es darum geht, wer da auf einem Foto zu sehen ist“.

Als interner Überbegriff für die Sammlung dient „Pop-Archiv“. Langfristig, so der Traum der Organisatoren, könnte sich daraus einmal ein Museum der populären Musik ergeben. Bis es so weit ist, werden die Materialien per Web-Katalog erschlossen. Per Anfrage im Internet können Scans oder Kopien – ab drei Euro Bearbeitungsgebühr – bestellt werden. Und machen so Musikfans glücklich.

Wienbibliothek im Rathaus

1010 Wien, Eingang Felderstraße (ab 18 Uhr Eingang Lichtenfelsgasse), Stiege 6 (Lift), 1. Stock
Mo–Do von 9–18.30 Uhr,
Fr 9–16.30 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen geschlossen
www.wienbibliothek.at

TEXT: Roland Graf, FOTO: Bubu Dujmic

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