Pia Hierzegger ist die Frau für den trockenen Schmäh. Das konnte man im letzten Kinojahr unter anderem in „Hotel Rock’n’Roll“ und „Was hat uns bloß so ruiniert“ bewundern. In „Wilde Maus“ spielt sie die Ehefrau von Josef Hader.

Uns hat sie erzählt, was ihr Plan B wäre, warum sie im Prater Angst hat und wieso man sich die besten Rollen gleich selber schreiben muss.

schau: In „Wilde Maus“ geht’s um einen Musikkritiker, der seinen Job verliert, weil sein Spezialgebiet nicht mehr honoriert wird. Hättest du einen beruflichen „Plan B“?
Pia Hierzegger: Ich habe relativ viele Standbeine, mein wichtigstes ist im Moment das Theater im Bahnhof. Natürlich habe ich mir das schon öfter überlegt, aber ich bin zu keiner spritzigen Lösung gekommen. Ich hab nur den Bachelor fertigstudiert und ich glaub, eine über 40-jährige Germanistin wird jetzt grad nicht gesucht (lacht). Ich hab nie einen Karriere­plan gehabt, es hat sich immer gut ergeben. Und ich hab auch schon andere Jobs gehabt, aber die sind halt nicht so erfüllend. Büroarbeiten im Theater, ein bisschen Gastgewerbe, ich hab im Büro meines Vaters geputzt.

Wie ist Josef Hader als Regisseur? Es ist seine erste Regiearbeit, hat er erst in die Regisseurrolle hineinfinden müssen?
Ich habe drei Filme hintereinander gedreht, erst mit der Marie Kreutzer, dann mit dem Michi Ostrowski und dem Helmut Köpping und schließlich mit dem Josef. Alle drei begreifen das Team als Motor. Sie wissen, wenn das Team nicht glaubt, es ist auch ihr Film, dann bringt’s nix. Und das war super. Der Josef ist sehr fleißig, wir haben am Abend oft unsere Szenen für den nächsten Tag geprobt, auch wenn wir schon saumüde waren. Das ist eine Konsequenz, die ich bewundere, die ich manchmal nicht habe. Theater ist kurzlebiger als Kabarett und Film. Man ist gewohnt, eine Sache rauszulassen und dann was Neues zu machen.

Du hast gerade in drei völlig unterschiedlichen Filmen mitgespielt, aber deine Rollen eint ein gewisser Typus – dieser eher trockene Humor, mit einer sehr angenehmen, strengeren Art. Oder hörst du das eher ungern?
Das Drehbuch hab ich von Beginn an miterlebt, aber die Johanna war am Anfang auch keine warmherzige Blondine (grinst). Es ist natürlich schon so, dass ich ein gewisses Repertoire hab, aber die Johanna ist eh schon ein bisschen weicher als andere Figuren. Aber ich finde nicht, dass man als Frau immer weich sein muss und verständnisvoll. Ich find es auch ­lustig, einmal etwas anderes zu spielen, emotionaler zu sein und nicht immer vernünftig. Ich bin oft so ­vernünftig, gerade bei „Hotel Rock’n’Roll“ …

Da ist dein Job ja eher, die Buben zu bändigen …
Ja, genau. Und manchmal will man halt auch ein bisschen lustig sein.

Manchmal wär man halt gern einer von den Buben …
Ja, das muss man dann halt selber schreiben.

In „Wilde Maus“ geht’s um eine Frau, die alles im Griff hat, die sehr erwachsen agiert. Hast du jemals diesen Moment gehabt, wo du dir gedacht hast, so, ich bin jetzt erwachsen? Als Kind hat man immer geglaubt, die Erwachsenen sind im Besitze einer höheren Weisheit …
Ich habe mir immer gedacht, dass Kinderkriegen dazu beiträgt, ich selber hab ja keins. Aber wenn ich mir meine gleichaltrigen Freundinnen so anschaue … Eine Freundin von mir, die ist gleich alt wie ich, ist schon Oma. Und das hilft noch immer nichts (lacht)!

Ich hab auch als Kind gedacht, irgendwann hört das alles auf, das Zweifeln, das Sich-frisch-Verlieben, das Noch-irgendwas-Wollen. Sondern dann ist alles fix. Dann ist man eine Familie, am besten mit Einfamilienhaus oder Wohnung, und alles hat Regeln. Und das ist bei mir nicht eingetreten, im Gegenteil.

Wo schreibst du gern? Sitzt du daheim oder fährst du wohin?
Unterschiedlich. Wenn ich Stücke schreibe, schreib ich eher entweder daheim, wirklich mit Aufstehen, und statt zur Probe geh ich dann zum Schreibtisch oder besser gesagt zum Esstisch.

Ich bin im Sommer oft in Kärnten, da wo mein Vater her ist, da kann man sehr gut schreiben. Da sind immer Freunde und meine Schwester, und alle kochen dann gemeinsam, da hast du immer Leute um dich, aber du kannst dich trotzdem zurückziehen. Oder ich fahre drei, vier Wochen irgendwo hin, das ist besser, weil man nicht nebenbei noch Termine ausmachen kann und dann wirklich seine Ruhe hat.

Die wichtigste Frage von allen: Wird dir schlecht, wenn du im Prater mit der Wilden Maus fährst?
Ich bin mit der Wilden Maus gefahren und mir wird nicht schlecht, ich fürchte mich! Ich hab mir gedacht, das ist eher was für Kinder, aber das war nicht der Fall. Das war echt nicht schön. Mir wird bei so was nicht schlecht, ich bekomm einfach panische Angst. Es ist hoch und schnell und ich bin ganz leise und klammere mich fest und hoff, dass es bald vorbei ist.

INTERVIEW: Julia Pühringer, FOTO: Wega Film

Das könnte Sie auch interessieren

Richard Lugner: Spaß ist wichtiger als alles Geld 85 Jahre und kein bisschen leise. Richard „Mörtel“ Lugner lässt mit seiner Energie so manch 45-Jährigen alt aussehen. Wir haben den Kult-Jubilar, der ...
Anna Veith: Ich kämpfe mich zurück Ihr drückt ganz Österreich die Daumen: Nach einer neuerlichen -Operation Anfang März, diesmal am linken Knie, arbeitet Skistar Anna Veith (28) konzent...
Sich auf den Lorbeeren auszuruhen, wäre jetzt falsch In enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden und seinen steirischen Kollegen schmiedet Burgenlands Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth an nachhaltige...
José Feliciano: Gekommen, um zu bleiben José Feliciano denkt nicht ans Aufhören. Nächstes Jahr feiert er das 50-Jahr-Jubiläum seines ersten Cover-Hits „Light my fire“. Derzeit arbeitet er, a...
Share This