Noch „staubige“ Vorboten des neuen Weinjahrgangs oder intensive Rieslinge und Veltliner in Reserve-Qualität – nach dem Sommer haben beide ihren Erstauftritt. Sehr zur Freude der Weinfreunde! In Kooperation mit ÖSTERREICH WEIN lädt schau zur genussvollen vinotour durch Niederösterreich.

Bis zu den ERSTEN Fassproben des 2018er-Jahrgangs wird es noch eine Weile dauern. Diese werden als Gradmesser jedes Jahr mit Ungeduld von den Fachleuten erwartet. 2018 dürfte dies mehr denn je gelten. Denn die heißen Temperaturen haben die Lese heuer viel früher einsetzen lassen als in normalen Jahren. Was also bei den Weinfesten bis zur traditionellen Taufe zu Martini (11. November) verkostet werden kann – die noch „staubigen“ Vorboten –, dürfte aromatisch fortgeschrittener sein als sonst. Und Gelegenheit, sich mit dem neuen Jahrgang vertraut zu machen, gibt es genug.

Bereits zum 23. Mal geht heuer etwa der „Weinherbst Niederösterreich“, mittlerweile die größte weintouris­tische Initiative Europas, über die Bühne. Tausende Gäste aus dem In- und Ausland werden erwartet, wenn sich in den über 100 niederösterreichischen Weinherbst-Gemeinden entlang der 830 Kilometer langen Weinstraße alles um den Wein dreht. Denn es sind ja nicht nur die Jungweine – Vorboten auf den aktuellen Jahrgang, die nach der Lese im Tank und im Fassl ruhen –, die Kenner anziehen. Teilweise werden auch die Reserven, die gelagerten Qualitäten von Riesling und Grünem Veltliner aus den vier DAC-Gebieten Niederösterreichs erstmals präsentiert.

Nur nicht zu früh

Seit Beginn der gebietstypischen Auszeichnung als DAC (= Districtus Austriae Controllatus) definierten die regionalen Weinkomitees ihre ­eigenen Regeln, um gebietstypische Weinstile zu verankern sowie Qualitätsbewusstsein und Herkunftscharakter zu stärken. Diese wurden vom Gesetzgeber in der Folge als Verordnung festgeschrieben, seit das Weinviertel mit dem Grünen Veltliner (Jahrgang 2002) die erste DAC-Bezeichnung erhielt.

Die Wahl war naheliegend, denn das Gebiet stellt Österreichs größte Rebfläche, der Grüne Veltliner hat mit einem Anteil von rund 6.700 Hektar deutlich mehr als die Hälfte der ­Anbaufläche. Mehr noch: Der gebietstypische Weinviertler Veltliner stellt knapp 50 Prozent des bundesweiten Anbaus der beliebtesten Weißweinsorte Österreichs.

Das Traisental (Jahrgang 2006), das Kremstal (Jahrgang 2007) und das Kamptal (Jahrgang 2008) folgten mit entsprechenden Vorlagen. „Anträge zur Erlangung der staatlichen Prüfnummer für Wein mit der Verkehrsbezeichnung ,Kremstal DAC Reserve‘ dürfen erst ab 1. Juli des auf die Ernte folgenden Jahres gestellt werden“, heißt es etwa für die ­kräftige Version der Rieslinge und Veltliner rund um die Stadt Krems. Womit nach den heißen Sommer­tagen erst im Herbst diese Weine vorliegen, die der ganze Stolz der Winzer sind.

So widmet sich etwa auch im Kamptal die Veranstaltungsreihe „Kost­bares Kamptal“ den Reserven, die hier von kulinarischen Höhenflügen begleitet werden. Gereifte Käse serviert etwa das Weingut Bründlmayer alljährlich zu den reifen Weinen. Aber auch die Starköchin Cristina Bowerman oder der Steirer Harald Irka („Saziani-Stubn“) werden aufkochen.

Der Veltliner-Planet, hautnah

Ein wahres Füllhorn an Veranstaltungen rund um den Grünen Veltliner mit dem speziellen „Pfefferl“ bietet natürlich auch die wichtigste Heimat dieser Paraderebsorte. Das Weinviertel hat als älteste DAC-­Region auch eine ganz eigene Feierkultur rund um den „GrüVe“ ent­wickelt. Pillersdorf, Falkenstein, Poysdorf, Zellerndorf, Großkrut, Asparn, Haugsdorf – praktisch jede Weinbaugemeinde lädt zum Verkosten ein. Vor allem die Kellergassen-Feste sind eine Weinviertler Spezia­lität. Hier lässt sich ebenso wie auf den Hiata-Rundgängen, die einen Einblick in die Welt der Weingarten-Hüter geben, nachvollziehen, wie die namensgebende ­Rebenkultur früher das Weinviertel geprägt hat.

Dazwischen laden große Vertikal­verkostungen – Weinproben über mehrere Jahrzehnte – ein, das Weinviertel abseits des frischen Veltliners zu entdecken. „Weinrieder extrem“ etwa verspricht Fritz Rieder bei ­seinem dreitägigen Kostspektakel (1. bis 3. September) in Kleinhadersdorf. Roland Minkowitsch wiederum wird in Mannersdorf an der March gleich neun Spitzenköche aufbieten, um seine „de vite“-­Verkostung zu begleiten. Ob nun ­Haubenkost oder Schmalzbrot in ­einer urigen Kellergasse – der Weinherbst erweist sich in jedem Fall als Genussausflug. Die besten Termine dafür haben wir für Sie auf Seite 75
zusammengefasst.

Weinkauf ab Hof

22 Weingüter kann Martin Prückler seinen Gästen vorstellen. Seine „Schlossküche“ umfasst auch die Gebietsvinothek des DAC-Gebiets Traisental. In Schloss Walpersdorf steht zudem eine Gästewohnung zur Verfügung, um das perfekte Wein-Event zu organisieren.
Gebietsvinothek Traisental, Schlossstraße 2, 3131 Inzersdorf/Getzersdorf, Tel. 0660/227 70 34, www.schlosskueche.at

Niederösterreichs größte Gebietsvinothek bietet 300 Weine von 50 Winzern aus dem Weinviertel. Alle Weine werden täglich zu Ab-Hof-Preisen angeboten – wer nicht nach Retz kommen kann, wird im Web-shop bei Veltliner und Co fündig.
Weinquartier Retz, Hauptplatz 4–5, 2070 Retz, Telefon 02942/204 88, www.weinquartier.at

An die Vinothek in Straß im Straßertale angeschlossen, bietet der „Weinkontraste“-Shop das Beste aus den Kamptaler DAC-Betrieben. Ab 100 Euro Bestellsumme entfällt das Porto.
Wein,kontraste. Langenloiserstr. 199, 3491 Straß im Straßertale, Telefon 02735/39 00, www.weinkontraste.at

Unübersehbar und samt Café in Langenlois gelegen, bietet die Gebietsvinothek die Tropfen aus der DAC-Region Kamptal. Wanderer und Radfahrer finden hier ebenfalls alle Infos zur Erkundung des Traubenlandes.
Ursin Haus, Kamptalstraße 3, 3550 Langenlois, Telefon 02734/20 00-0, www.ursinhaus.at

Urlaub beim Winzer

Im Weinviertler Paradebetrieb Hagn wartet nicht nur die spektakuläre Weingalerie – auch nächtigen kann man hier. Benannt sind die Zimmer natürlich nach Rebsorten, von Veltliner bis Zweigelt finden Weinfreunde „ihren“ Lieblingsraum (ab 55 Euro/Person).
Wein-Domizil, 2024 Mailberg 154, Telefon 02943/22 56, www.weindomizil.at

Wer bei Daniela Herzinger im Traisental eine der schmucken Gästewohnungen bucht, kann auch gleich eine Riedenwanderung mitbestellen. Weinverkostungen gibt es auch für weniger Aktive.
Weingut Herzinger, Oberer Markt 16, 3134 Nußdorf ob der Traisen, Telefon 02783/86 48, www.herzinger.at

TEXT: Roland Graf, FOTO: Roland Herbst

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