Er zählt zu den wichtigsten Künstlern des Landes. Einer der produktivsten ist er ohnehin. Auch mit 87 Jahren denkt Prof. Gottfried Kumpf nicht an den Ruhestand. Im Gegenteil. Eine Ausstellung im Wiener Palais Dorotheum zeigt jetzt einige
seiner besten Arbeiten sowie drei neue Skulpturen. Auch ein weiterer „Asozialer“, Kumpfs legendäres Markenzeichen, darf dabei nicht fehlen.

Ohne Zweifel, der Mann hat Humor. Das merkt man vom ersten Augenblick an und man spürt es auch in seinen Arbeiten. Herzlich begrüßt uns Prof. Gottfried Kumpf mit seiner Frau Guni im Palais Dorotheum. In einem Teil des zweiten Stocks, unmittelbar vor dem Kaffeehaus, zeigt eine feine Ausstellung ausgewählte Ölbilder, Gouachen und Zeichnungen rund um Kumpfs Skulpturen-Ensemble.

Ein weiterer Professor, nämlich Kristian Bissuti, macht für uns die Fotos zur Story. Er und die Kumpfs kennen einander gut – und das nicht erst seit gestern. „Er war schon vor fünfzig Jahren bei mir. Damals hat der Paul Popp, das war ein Journalist im ORF, gemeint: ,Bi-Ssu-Ti, der einzige chinesische Fotograf des Kurier‘“, erzählt Gottfried Kumpf mit einem breiten Grinsen und übertriebener Aussprache des Nachnamens. „Das habe ich mir noch gemerkt. Es bleiben einem ja die unglaublichsten Sachen hängen.“

Würstel und Kren mit Kumpf

Nachdem wir die Fotos geschossen haben, geht es zum Interview ins Café. Wir ordern Würstel mit Kren. Gottfried Kumpf nimmt dazu ein kleines Bier, ich bleibe bei Coke Zero. „Wollen S’ nicht auch lieber ein Seiterl Bier oder ein Glaserl Champagner?“, fragt Kumpf. Danke, Herr Professor, ich bin ja noch im Dienst. Geboren am 29. November 1930 im salzburgischen Annaberg im Lammertal, als Sohn eines Landarztes, sollte der junge Gottfried eigentlich eine Medizinerkarriere einschlagen. Doch sein Herz schlug schon von frühesten Kindheitstagen an fürs Malen. Zu Weihnachten und zum Geburtstag gab es daher immer nur einen Wunsch: Zeichenutensilien.

Das Medizinstudium hat Gottfried Kumpf noch begonnen, beendet hat er es jedoch nicht.

„Bis zur ­Pathologie bin ich gekommen. Mein Vater wollte, dass ich seine Praxis übernehme“, erinnert er sich zurück und zollt seinem Vater Respekt. „Im Nachhinein betrachtet, er ist mit 70 gestorben, hat er eine Mordshaltung gehabt. Damals galt ja Maler als Hungerleiderberuf. Dennoch hat er meine Entscheidung geschluckt. Den Erfolg konnte er nicht mehr miterleben. Aber was ist schon Erfolg? Heute gibt es angeblich 12.000 akademische Maler. Die arbeiten halt oft als Kunsterzieher oder so. Oder du hoffst auf die Unterstützung der Politik. Bestenfalls setzen sie dich dann im Kultur­amt ins Vorzimmer. Das war ich nie. Ich bin handwerklich so geschickt, dass ich mir immer selber was mit Jobs verdient habe. Vom Malen konnte ich zu Beginn 20 Jahre lang überhaupt nicht leben. Vom Kanal­graben bis zur Arbeit in einer Mine habe ich alles gemacht. Was ich nicht kann, ist Servieren oder Autostoppen. Das bringe ich nicht zusammen. Betteln halt. Ich wollte immer Jobs, wo man anonym untertauchen konnte, wie eben als Mineur beim Tunnelbau. Da sind alle eine graue Maus.“

Von Amerika nach Breitenbrunn

Mitte der 1950er-Jahre beschließt  Gottfried Kumpf, fortan als Maler zu leben. Dabei versucht er auch, in Amerika Fuß zu fassen, mit Erfolg. „Mit 38 bin ich auf ­eigene Faust nach New York und hatte dort in der Madison Avenue eine Galerie, die mich mit meinen Bildern genommen und vertreten hat. Damals ist man noch nicht einmal mit dem Jet geflogen, glaube ich. Jedenfalls habe ich 1968 alle ­Bilder verkauft. Dann hatte ich das Geld, um mir eine Ruine zu kaufen. So ist das mit dem Bauernhof gegangen. Immer auf eigene Faust.“

Die Rede ist dabei von einem burgenländischen Streckhof in Breitenbrunn, den der Künstler Schritt für Schritt revitalisiert hat. Für die nächsten 40 Jahre sollte er hier sein Zuhause finden.

Markenzeichen Außenseiter

In den 1970er-Jahren sollte Kumpf seine wahrscheinlich wichtigste ­Figur erschaffen. „Der Asoziale“ wird 1974 auch sein erstes in Bronze gegossenes Werk. Wie ist die Figur eigentlich entstanden und wer gab ihr den Namen? „Das war reiner ­Zufall. Ich hatte da einfach einen leeren Platz auf einem Bild. Auf einmal sitzt der halt dort. Eigentlich kann man’s gar nicht erklären. Der hat geheißen ,Wanderer am Rande der Welt‘ oder ,Das Idol aus der ­Taverne‘. Aber es hat alles nichts ­genützt. Die Leute nennen ihn den Asozialen. Jemanden, der neben der Gesellschaft steht. Der Begriff ist nie mehr weggegangen. Er besticht durch eine gewisse innere Renitenz. Der Alfred Komarek hat einmal ­geschrieben: ,… da sitzt er unter einem Baum und als der Bürgermeister vorbeiging, grüßte er ihn nicht.‘ (Lacht) Man macht nichts im Leben ungestraft. Noch dazu ernährt er mich. Ich kriege ja schon dieselbe Schuhnummer. Mittlerweile ist er so bekannt wie die Venus von ­Willendorf. Der gehört zu meiner Signatur. Eigentlich ist er mein Logo und ist natürlich gesetzlich geschützt. Es sind sogar schon Harley-Davidson-Clubs an mich herangetreten und wollten ihn für T-Shirts oder so verwenden. Sie wissen eh, die Burschen mit den Bärten, den Lederjacken und den Totenköpfen. Bisher haben wir es aber nicht erlaubt. Sogar aus dem Gefängnis in Stein kommen Anfragen. Die wollen sich die Figur tätowieren lassen.“

Geburtshelfer eines Naturjuwels

Mit seinem Ölbild „Löffler über der Langen Lacke“ wurde Gottfried Kumpf 1982 gar zu einem der Geburtshelfer des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel. Prinz Philip, seinerzeit Präsident des WWF, verlieh ihm dafür den „Award Conservation Merit“. Kumpf erinnert sich: „Damals sind eine Werbeagentur und die Kronen Zeitung zu mir ­gekommen und wollten, dass ich ­ihnen Poster mache. Also habe ich diesen Löffler gemalt. Den haben sie dann als Druck verkauft und fünf Millionen Schilling eingenommen. Mir hätten S’ auch einen Ziegel oder so geben können, weil ich habe ­damals gerade gebaut. Bekommen habe ich natürlich nix, außer die ­Ehrennadel. Als ich erfahren habe, was die verdient hatten, musste ich schon einmal schlucken.“ Und wie war das mit der Königlichen Hoheit?

„Prinz Philip war ja Olympiasieger im Kutschenfahren. Da haben sie ihm natürlich bei der Langen Lacke eine vierspännige Kutsche hingestellt. Dort, wo die ganzen Graugänse einfallen. Daneben haben aber schon die ganzen Bauern ­umgeackert und Weingärten angelegt. Für das Thema Nationalpark war das natürlich schwierig. Also haben sie ihnen teilweise mit dem Geld aus der ­Posterverwertung die Weingärten abgekauft. So hat das begonnen mit dem Nationalpark Neusiedler See.“

Aus Liebe zur Kreatur

Vor allem Kumpfs Tiermotive sind längst Kult. Für Autor Thomas Brezina illustrierte er etwa das Kinderbuch „Dicke Freunde“. Es erzählt die Geschichte einer Nilpferd-Familie, die glücklich dahinlebt, bis neue Nachbarn einziehen. Kumpf: „Die Nilpferde mit den karierten ­Hosen sind die Ausländer. Anfangs gibt es da viel Misstrauen, da die Nilpferde über die Neuen viel Schlechtes gehört haben. Die Kinder können das gar nicht verstehen, suchen einen Ausweg und am Ende wird alles gut.“ Klingt wie im richtigen Leben.

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Kumpf-Schau im Palais

Das Dorotheum zeigt derzeit in einer Ausstellung ausgewählte Ölbilder, Gouachen und auch Zeichnungen von Gottfried Kumpf. Im Zentrum der Schau steht das neue Skulpturen-Ensemble des Künstlers. Bis 30. Dezember 2017, Galerie Dorotheum, Dorotheergasse 17, 2. Stock, 1010 Wien.

INTERVIEW: Christoph Berndl, FOTO: Kristian Bissuti

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