Vor 70 Jahren haben einige findige Bauherren die Erste Burgenländische Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft gegründet – und damit den Grundstein für eine pannonische Erfolgsstory gelegt. Heute wohnen rund 30.000 Menschen unter dem Dach der EBSG.

Im schau-Interview spricht Geschäftsführer Peter Schlappal über die Anfänge, die fortschreitende Digitalisierung im Kundenservice und seine Vision vom Wohnmodell der Zukunft.

schau: Die EBSG feiert heuer 70-jähriges Jubiläum. Wie hat die Geschichte begonnen?
Peter Schlappal: In unserem Fall war das schon eine tolle Sache, denn wir waren die Ersten im Burgenland. Vor 70 Jahren ist die Genossenschaft von ein paar engagierten Leuten gegründet worden. Das war mehr oder weniger eine Selbsthilfegruppe, die nach einer Möglichkeit suchte, leistbare Wohnungen zu schaffen. Am Anfang ging es dabei um die klassischen Siedlungshäuser im Burgenland. Ein Einfamilienhaus konnte man damals nur mit einer Genossenschaft realisieren. Anders konnte man keine Wohnbaufördermittel erhalten. So hat unser Unternehmen begonnen. Wir haben dann insgesamt 7–800 Häuselbauer gehabt, die über unsere Genossenschaft zu ihrem Einfamilienhaus gekommen sind. Heute verwalten wir rund 10.000 Wohnobjekte und rund 30.000 Menschen wohnen bei uns.

Welche Meilensteine gab es im Laufe der Jahrzehnte?
Die burgenländische Landesregierung hat sehr rasch das Potenzial in diesem Thema erkannt und auch bei den Förderungsbestimmungen eine Menge Änderungen durchgeführt. Dazu wurde das Landesgesetz entsprechend adaptiert. Daher gibt es heute viel Fördervarianten – vom Siedlungshaus über Reihenhäuser, sozialen Wohnbau bis hin zu Spezialförderungen für betreutes Wohnen oder Startwohnungen für junge Menschen. In den letzten 30 Jahren hat sich das sehr dynamisch entwickelt. Nebenbei haben wir in den letzten Jahrzehnten sehr viele Projekte errichtet. Ganz egal, ob Gemeindeamt, Schule, Kindergarten oder Feuerwehrhaus, all das kann mit dem Team EBSG realisiert werden. Für die  Gemeinden hat das finanzierungstechnisch viele Vorteile gebracht.

Was sind die Kernkompetenzen der EBSG?
Alle Genossenschaften im Burgenland arbeiten sehr engagiert und tüchtig. Wir sind halt die Ältesten. Unser Ziel ist bis heute klar: Wir versuchen immer bestmöglich unseren gesetzlichen Auftrag umzusetzen, der da lautet: „Leistbaren Wohnraum für die Menschen zu schaffen“. Dabei versuchen wir auch innovative Wege zu gehen. Da sind wir anderen vielleicht manchmal voraus. Wichtig ist uns auch, dass wir unsere Kunden vom ersten Tag an begleiten, von der Wohnungssuche über die Berücksichtigung von Sonderwünschen bis hin zur Schlüsselübergabe und zur laufenden Verwaltung. Im Bereich Kundenservice schulen wir unsere Mitarbeiter auch sehr intensiv. Wir sind bemüht, immer für unsere  Bewohner da zu sein, denn letztendlich leben wir von ihnen.

Bieten Sie im Kundenkontakt auch digitale Services an?
Ja, dieses Thema wird immer wichtiger. In das Thema EDV investieren wir sehr viel Geld. So wollen wir unseren Bewohnern das Zusammenleben mit uns erleichtern. Wir sind die einzige Genossenschaft in Ostösterreich, Wien eingeschlossen, die einen Ost-Onlinezugang für alle Bewohner anbietet. Diese können komfortabel über unsere Website einsteigen und alle Verträge, Vorschreibungen oder Hausordnungen einsehen und runterladen. Darauf sind wir sehr stolz. Das System erleichtert vieles, nicht nur für die Bewohner, sondern auch für unsere administrative Arbeit. Wird sind gerade dabei, ein sehr flexibles Hausverwaltungsprogramm zu installieren. Man darf nicht vergessen, dass wir monatlich alleine 3.000 Telefonanrufe bekommen, die wir bearbeiten müssen. Hier arbeiten wir an einer Lösung, um das für unsere Kunden und uns effizienter zu gestalten.

Auf der Website findet man eine „Nachmieterbörse“. Was ist das genau und wie wird sie angenommen?
Wenn jemand aus einem Objekt auszieht, aber einiges investiert hat, etwa für eine tolle Küche, hat er die Möglichkeit, einen Nachmieter zu finden, der bereit ist die Investitionen abzulösen. Wir sparen uns somit die Suche. Das ist eine Win-win-Situation für beide Seiten. Die Nutzung ist entsprechend intensiv.

Welche Bauprojekte befinden sich derzeit in Umsetzung?
Wir sind gerade dabei, einige kommunale Projekte fertigzustellen. So haben wir etwa in Nikitsch eine sehr schöne Schule und einen Kindergarten geplant. Diese werden wir demnächst übergeben. Außerdem arbeiten wir an ein paar innovativen Projekten. In Oberpullendorf planen wir knapp 30 Reihenhäuser mit moderner Ausstattung, die wir zu extrem leistbaren Preisen anbieten wollen. In Eisenstadt entsteht derzeit die „Bike City“, eine Anlage, in der das Thema Fahrrad großgeschrieben wird.    

Was sind die größten Herausforderungen in der Zukunft?
Neben Neubauten gilt es, vor allem die bestehenden Objekte auf einem zeitgemäßen Stand zu halten. Es gibt zum Teil Wohnungen, die 30 bis 40 Jahre alt sind. Da hat sich in der Zwischenzeit natürlich viel getan und die Menschen erwarten sich eine entsprechende Ausstattung. Dies Schritt für Schritt umzusetzen, wird für alle Genossenschaften eine spannende Aufgabe. Außerdem leben wir in einer schnelllebigen Zeit, auch was das Thema Wohnen betrifft. Heute bleiben viele nicht mehr ein Leben lang in einem Objekt. Wenn sich Job oder Beziehungsstatus ändert, hat man plötzlich einen ganz anderen Bedarf. Auch der Wohnraum muss daher viel flexibler werden.

Wie könnte das aussehen?

Wir werden wahrscheinlich dazu kommen, Wohnungen zu einem pauschalen Monatspreis anzubieten. Da wird dann alles inkludiert sein, von Strom über die Heizung bis hin zu den Betriebskosten. Damit der Mieter exakt weiß, was ihn die Wohnung von Jänner bis Dezember kostet. All inclusive lautet hier die Devise. Natürlich muss man dazu noch gesetzlich einiges anpassen, aber ich bin sicher, dass es in diese Richtung gehen wird.

Vielen Dank für das Gespräch.

Info

Erste Burgenländische Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft EBSG

Amtsgebäude 1
7033 Pöttsching
Hotline: 02631/22 05-0
office@ebsg.at
www.ebsg.at

FOTO: Stefan Fürtbauer

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