Zurzeit kreist Michael Niavaranis (49) beruflicher Alltag rund um Shakespeare und Trotteln. Mit schau spricht er über seine neue DVD, sein aktuelles Buch und erklärt uns, warum Tragödie und Komödie letztlich ein und dasselbe sind.

Rund 10.000 Schritte am Tag sollen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken. Davon ist jedenfalls die Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO, überzeugt. Sie empfiehlt uns, täglich zumindest eine Stunde lang zu gehen. Schritt für Schritt lässt sich so laut Experten die Gefahr des frühen Todes aufgrund eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls um bis zu 20 % senken. Die Erzeuger diverser Fitnesstracker und Smartwatches freut das, lassen sich doch immer mehr Menschen von Gadgets am Handgelenk an das Bewegungspensum erinnern.

Auch Michael Niavarani (49) hat sich die Empfehlung im wahrsten Wortsinne bereits zu Herzen genommen. Via Facebook lässt er seine Fans regelmäßig an seinen spontanen Runden durch Wien, Paris oder London teilhaben. Dabei wird freilich die eine oder andere Wuchtel serviert. Heute macht er eine Ausnahme. Zum Interview im zweiten Stock des Metrokinos kommt er mit dem Lift – unmittelbar aus der Rauchpause. Ich: „Na, was ist mit den 10.000 Schritten?“ Niavarani kontert: „Heute habe ich nur 4.000 geschafft. Ich bin hintennach.“

Es sei ihm verziehen. Gemeinsam mit seinen Kollegen Bernhard Murg und Otto Jaus rührt Niavarani in der Johannesgasse 4 bereits den ­ganzen Nachmittag lang die Werbetrommel für sein neuestes Werk. „Romeo & Julia – Ohne Tod kein Happy End“ ist bereits die zweite DVD-Box seiner mittlerweile kultverdächtigen Shakespeare-Bearbeitungen. Ende 2015 präsentierte er mit „Die unglaubliche Tragödie von Richard III.“ die erste Aufzeichnung aus dem von ihm und Georg Hoanzl gegründeten Globe Wien Theater. Mit dem Theaterraum in Neu Marx brachte Niavarani nicht nur die Werke des englischen Dramatikers, Lyrikers und Schauspielers, sondern auch dessen einzigartiges Bühnenkonzept nach Wien. Sich historischen Stoffen zu widmen, war freilich nicht ohne Risiko. Niavaranis Manager Wolfgang Scevik erinnert sich an die erste Aufführung. „Nia stand in den ersten Minuten des  Stücks überhaupt nicht auf der Bühne. Da hat man richtig gemerkt, wie einige im Publikum unruhig wurden. Als sie den Michael dann hinter der Bühne laut ,Hurensohn‘ schimpfen hörten, hat man richtig gemerkt, wie eine Erleichterung durchs Publikum ging.“ Der Rest ist österreichische Theatergeschichte.

Theater für jedermann und -frau

Mit jeweils knapp 100.000 Besuchern ist Niavarani das Kunststück gelungen, auch theaterfernes Publikum für dieses Genre zu begeistern. Mit viel Liebe hat man jetzt die heurige Produktion auf DVD gebannt. Am 9. Dezember war sie auch auf ServusTV zu sehen. Wollte der Sender bei der Aufzeichnung eigentlich viel mitreden? „Nein, wir hatten einen Vertrag mit ServusTV, dass wir ihnen ein fertiges Band abliefern. Für den Sender gab es nur zwei Bedingungen. Sie haben mich gebeten, es soll bitte unter vier Stunden sein und ich muss in einer Rolle mitspielen“, sagt Michael Niavarani. Selbst all jenen, die die Vorstellung live gesehen haben, empfiehlt Niavarani den Griff zur DVD. „Es waren insgesamt neun Kameras im Einsatz. Wir haben versucht, Einstellungen zu machen, dass der Zuschauer einen Bonus hat.

Er nimmt nicht die Perspektive des Theaterbesuchers ein, sondern die eines Filmzuschauers. So als würde er sich einen Film ansehen.“ Dabei entdeckt man viele Details, die den Theaterbesucher aber auch den Darstellern im Livebetrieb verborgen bleiben. Bernhard Murg, er führte gemeinsam mit Niavarani Bühnenregie und spielte unter anderem Pater Lorenzo: „Das Stück ist ja durch einen langen Spielprozess gegangen. In diesem Prozess hat sich alles weiterentwickelt. Da entdeckst du zum Beispiel beim Schneiden des Materials Dinge, die dir vorher nie aufgefallen sind. Entweder, weil du dich gerade umgezogen hast oder selber auf der Bühne gestanden bist.“ Otto Jaus, im Stück gibt er den Romeo Montague jr., bestätigt das: „Mir ist aufgefallen, ich habe gar nicht gespielt, wenn ich nicht geredet habe.“

Niavarani legt nach: „Ich habe nicht einmal gespielt, wenn ich geredet habe.“ Der Schmäh rennt auch abseits der Bühne. Beinahe wäre die DVD auch ein Zeitdokument des Globe Wien Theaters geworden, denn im September wäre das Theater um ein Haar abgebrannt – Brandstiftung, wie Niavarani erzählt. „Im Theater selbst hat es nicht gebrannt, wir sind aber am meisten betroffen. Der ganze Rauch hat das GLOBE in eine Selchkammer verwandelt.“ Heute weiß man, ein Pärchen wollte hier Geister beschwören und zündete Fackeln an. Ich: „Wahrscheinlich zwei Trotteln.“ Niavarani: „Auf jeden Fall. Da es unabsichtlich war, unglücklicherweise zwei Trotteln.“ Womit wir beim nächsten Thema wären.

Nias persönlichstes Buch

Im Frühsommer ist Niavaranis neuestes Buch mit dem vielversprechenden Titel „Ein Trottel kommt selten allein“ erschienen. Auch damit beweist der Vollblutkomiker seinen Mut zum Risiko. Denn im Gegensatz zu seinen ersten zwei Büchern stehen diesmal nicht Gags, sondern geballte „Wissensvermittlung“ auf dem Programm. Auf knapp 450 Seiten legt Niavarani dabei sein Innerstes offen. „Es ist alles Fiktion. Aber in dieser Fiktion kommen sehr viele historische, recherchierte Fakten vor. Viele Sachen, die im Laufe der Zeit irgendwie hängengeblieben sind und die ich dann wieder herausgesucht habe. Es kommt zwar nichts Autobiografisches vor, aber es ist trotzdem das autobiografischte Buch. Weil ich bin so. Das sind wirklich meine persönlichen Interessen. Da steht nichts drinnen, was mich nicht interessiert“, sagt Michael Niavarani.

„Ich hoffe, dass das Buch die Leute nicht langweilt. Es wird sicher welche geben, die es langweilig finden. Aber ich habe nur Sachen hineingeschrieben, die mich selbst berühren, interessieren, faszinieren, die ich gerne mitteilen möchte. Ich bin jedoch niemandem böse, der sagt ,Du, ich habe es nach 30 Seiten weggelegt, das ist mir zu mühsam.‘“

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Wer ist Michael Niavarani?

Michael Niavarani, geboren 1968 in Wien, begann 1986 eine Schauspielausbildung bei Michael Mohapp und Dany Sigel. Nach vielen Auftritten im Graumann Theater wechselte er 1989 ins Kabarett Simpl, wo er 1993 die künstlerische Leitung übernahm. 2013 gründete er gemeinsam mit Georg Hoanzl das GLOBE WIEN. Außerdem ist er Autor von mittlerweile drei Büchern.

TEXT: Christoph Berndl, FOTO: Jan Frankl

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