Marina Hoermanseder gilt als der aktuelle Star in der Branche. Sie ist der erfolgreichste heimische Mode-Export. Leder und Stützkorsett sind ihre Leidenschaft, Lady Gaga und Rihanna waren Trägerinnen ihrer Stücke. Die Wienerin gab schau ein Interview.

Hast du die Berliner Fashion Week gut hinter dich gebracht? Wie ist es gelaufen? Hat alles geklappt?
Marina Hoermanseder: Unsere Show hat dieses Mal besonders viel Spaß gemacht – die Kollektion gefällt mir richtig gut, die Models waren bester Laune und es war vor allem spannend, eine neue Location zu bespielen. Das Feedback ist toll – den Schritt zu gehen, Schwarz zu zeigen, war absolut der richtige.

Marina 2017: Was hat man bei dir auf dem Laufsteg gesehen? Dein Trend? Was steckt hinter den neuen Ideen?
Momentan sieht es nicht danach aus als ob ich mich von Lack & Leder verabschieden würde. Und das hat man diese Saison auch eindeutig gesehen. Ich habe zum ersten Mal Schwarz gezeigt, in Lederteilen und Pret-à-porter. Momentan herrscht ein Zeitgeist konzeptioneller Konzeptlosigkeit. Und bei meiner Kollektion fügt sich alles wunderbar zu einem Konzept zusammen.

Wo holst du dir deine Inspiration? Fällt dir immer was Neues ein?
Das ist die erste Frage die ich mir stelle, wenn ich den Laufsteg wieder verlassen habe – was soll ich nächstes Mal machen? Aber irgendwie kommen mir immer wieder neue Ideen. Ich zwinge mich nicht zu Inspiration, sie kommt doch immer wieder von alleine.

Lady Gaga, Rihanna, Schauspielerinnen, Models, Influencer, Blogger tragen deine Mode. Soll sich auch die „normale Frau“ deine Mode leisten können. Wie schaffst du den Spagat?
Meine Mode ist genau dafür da, dass sie von jeder Frau getragen wird – Rihanna und andere Prominente geben nur die Styling-Inspirationen. Außerdem tragen diese meist sehr auffällige und oft eigens angefertigte Show-Teile. Das prägt natürlich das Image des Labels mit – aber unsere Bestseller sind die Teampullis mit dem MH-Logo und unsere Taschen.

 Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Ich versuche immer, die erste im Büro zu sein. Das ist wichtig. Ich habe viele interne Meetings – und die andere Zeit bin ich meist am Telefon, am Organisieren, Partner und Kunden auf dem Laufenden halten – Ich investiere viel Zeit in die Ökonomie der Aufmerksamkeit. Ich rufe persönlich an und wenn es dann im Atelier ruhiger wird, nehme ich einen Stift in die Hand und fange zum Zeichnen an …

Wie lange dauert es von einer Idee bis zum fertigen Stück?
Das ist abhängig vom Aufwand der Stücke. Ein großes Leder-Kunstwerk kann von der Idee bis zum fertigen Exemplar schon mal drei Monate dauern. Mit orthopädischem Hartschaum, den ich auf einer Puppe modelliere, wird die Grundform geschaffen. Dann wird das Leder gewalkt und auf die Form gezogen, danach getrocknet, hinterher lackiert und zuallerletzt veredelt. Schon während dieses Prozesses werden parallel Tausende Blumen geformt, 200 Meter Lederband geschliffen und lackiert, Löcher in die Lederform geschlagen und, und, und….

Bei einem Pret-á-porter Teil sind es, dank meines tollen Teams, dann aber auch manchmal nur ein paar Stunden.

Wolford, Hello Kitty, Austrian Airlines – was kommt als Nächstes?
Du hast die Österreichische Post vergessen. Ich designe mit Riesenfreude die neuen Uniformen der Österreichischen Post – eine große und spannende Aufgabe! Ich habe einen Tag mitgearbeitet und viel dazugelernt. Vor allem habe ich großen Respekt vor dem Beruf des Briefzustellers bekommen. Du musst schon um sieben Uhr früh durch den dunklen kalten Winter hetzen damit die Post pünktlich ausgeliefert wird. Dazu musst du auch noch alle Straßen und Hausnummern im Schlaf können. Ich freue mich darauf, für diesen Dienst eine maximal funktionelle Uniform zu gestalten, die einerseits stylish, aber gleichzeitig auch sicher sein soll. Und vertrauenserweckend – schließlich haben diese Menschen Schlüssel zu allen Häusern in Österreich.

Facebook, Instagram etc.: Wie wichtig ist das ganze Social-Media-Ding? Machst du das alles selber?
Social Media ist für uns ganz besonders wichtig und ich liebe es, das auch selber zu machen. So weiß ich, was aktuell passiert, und erfahre ein direktes Feedback.

Wie gehst du mit Kritik und Erwartungen in der Presse um?
Kritik ist dazu da, sich selbst weiterzuentwickeln. Als Designer stehe ich aber hinter meiner Kollektion, die ich auf dem Laufsteg zeige. Danach stelle ich mich auf meine Kunden ein, verarbeite das Feedback und überlege, wie ich die einzelnen Teile auch kommerziell gestalten kann.

Vermisst du Wien? 
Am Samstagnachmittag vermisse ich Wien besonders. Das Gefühl, sich etwas Nettes anzuziehen und „in die Stadt zu gehen“, habe ich in Berlin nicht. Das geht mir ab. Aber ich bin, und man hört es mir an, das Wiener Mädchen geblieben.

Was liebst du an Berlin? Und wann gehst du nach Paris?
Ich liebe an Berlin einerseits den riesigen Pool an kreativen Menschen, aber auch die Tatsache, dass Supermärkte bis Mitternacht geöffnet sind. Paris steht nicht ganz oben auf meiner Liste. Wir fangen gerade verstärkt mit der PR-Arbeit in den USA an. Mein Traum ist, einmal eine Zeit lang in Kalifornien zu leben.

Freundschaftsbuch/Word Rap

  • Mein Lieblingsoutfit – ausgestellte Röcke (machen die schönsten Beine)
  • Lieblingsfarbe – Rosa (immer schon gewesen)
  • Eine Sünde wert – Mannerschnitten
  • Mode-Must-have 2017 – eine Kasper Flowers von MH
  • In fünf Jahren… – werde ich nichts bereuen
  • Motto – Hope for the best. Expect the worst.

INTERVIEW: Michael Krause, FOTO: Jenni Koller

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