Seit Beginn ihrer Karriere hat Marie Bäumer abgelehnt, Romy Schneider zu spielen. Nun tut sie’s doch und begeisterte damit bereits auf der Berlinale das Publikum. Emily Atefs stilsicheres Drama „3 Tage in Quiberon“ ist ein Porträt der Schauspielikone kurz vor ihrem Tod. Mit dabei: Birgit Minichmayr als Schneiders beste Freundin.

schau: Bis dato haben Sie es immer abgelehnt, die Romy Schneider zu spielen.
Marie Bäumer: Ja, mehrfach. Das waren immer Bio-Pics, ich fand die Drehbücher einfach nicht gut. Als Schauspielerin eine Schauspielikone zu interpretieren, damit kann man meiner Meinung nach nur gegen die Wand fahren. Sogar ich würde dann immer die eigentliche Schauspielerin sehen wollen. Ein französischer Produzent, ein Freund von mir, hatte die Idee, als Zentrum dieses Films dieses letzte Interview zu nehmen. Sie hatte ja latent diesen Konflikt mit der deutschen Presse, und das dahinterstehende Bedürfnis, sich zu zeigen, erkannt zu werden. Das ist ja auch Wahnsinn, zu denken, dass man sich selbst über die Presse erklärt. Als dann Emily Atef als Regisseurin feststand, die Buchentwicklung fertig war, kam es für mich wie ein Donnerschlag: Es geht ja um Romy Schneider. Ab da war für mich Stress. Aber ich habe mich über die Distanz dieser Person angenähert.

Man könnte ja echt glauben, da schaut Romy Schneider von der Leinwand. Wie haben Sie sich das erarbeitet?
Ich habe immer gesagt, wir müssen aufpassen, dass das keine Imitation wird und dass ich im Spielen frei bleibe, das ist das Allerwichtigste. Sonst sitzen die Leute im Kino und sagen: Ah, da sieht sie jetzt aus wie sie und da nicht. Das hat mich nie interessiert. Ich wollte das anlegen wie eine ganz feine Zeichnung, ganz akzentuiert. Die Sprache habe ich teilweise mit Birgit und mit einem ganz tollen Sprachcoach gelernt, da war dieses bourgeoise alte Österreich, dieser weiche wienerische Swing drin, den hatte sie im Französischen genauso wie im Deutschen. Das hab ich mit reingenommen, dann haben wir ein ganz kleines Bisschen an der Maske gemacht und dann hab ich mir Interviews mit ihr angeguckt, da gab’s wirklich schöne Sachen. Zum Beispiel dieses schnelle, stakkatohafte Wiederholen: „Das weiß ich nicht, das weiß ich nicht, also das weiß ich nicht!“ Oder jemand stellt eine Frage und sie geht einfach drüber weg. Diese Gedankenverlängerung. Die Art zu rauchen. Das Lippenlecken. Sie war immer sehr aufgeregt bei Interviews, das wusste ich, das kann man auch wunderbar an der Atmung studieren.

Ist Ihnen abends manchmal schlecht gewesen? Es wird ja im Film unendlich viel geraucht.
Ich habe Kräuteretten geraucht, weil ich selber keine Raucherin bin. Aber das war schon echt extrem.

Romy Schneiders Erfahrungen als Schauspielerin waren sehr intensiv – denken Sie jetzt anders übers Schauspielen?
Nein, meine Situation ist ja völlig anders. Sie ist ja schon mit 14, als Kind fast, in der Öffentlichkeit gestanden, mit einer Mutter, die selbst Schauspielerin war. Parameter wie: Wie versorge ich mich, wann ist Schluss, die Grundbedürfnisse Essen, Schlafen, Wärme, Liebe, Zuwendung, Schutz zu Hause, all das war ja nicht gegeben bei diesem Leben, das aussah wie das eines jungen Popstars. Sich daraus eine gute und solide Grundbasis zu schaffen, ist natürlich schwierig. Dass wir fragile Persönlichkeiten sind und sein müssen, ist klar. Wir sind ja unsere eigenen Instrumente, die wir bespielen. Aber diese Tiefen machen auch die Freude an der Figur aus. Sonst würde man diesen Beruf ja auch nicht machen, wie so ein Hochleistungssportler, der sich treibt, so weit und hoch zu springen. Das bedeutet enorm viel Kraft, auch physisch. Weinen zum Beispiel ist physisch wahnsinnig anstrengend, Viele denken, dass einen das seelisch so angreift, das ist nicht der Fall. Ich habe immer die Distanz dazu und das ist meine Art von Handwerk.

Romy Schneider stand ja mit der deutschen Presse echt auf Kriegsfuß.
Das ist natürlich wirklich fürchterlich. Das ist ein bisschen wie so ein Familienausschluss aus der künstlerischen Familie. Deutschland hat ja diese Tendenz. Ich erinnere mich immer an Ute Lemper, eine wahnsinnig begabte junge Frau, die so zerhackstückt wurde, dass sie nach Amerika geflohen ist. Bei Romy Schneider war das auch so. Was hat man hier die Claude-Sautet-Filme zerhackt, die wir jetzt alle so lieben. Sie hat bis zuletzt darunter gelitten, sie hat keine spannenden Angebote aus Deutschland gehabt und wollte diesen Konflikt auflösen. Und das war natürlich vollkommener Wahnsinn, zu denken, dass sie das über so ein Interview hinkriegt, zumal sie dann in einem Zustand war, wo sie gar keine Grenze mehr ziehen konnte. Mir sind schon erstaunliche Dinge passiert, aber ich bin in meinen Grenzen viel klarer und viel schneller.

Wie war die Zusammenarbeit mit Birgit Minichmayr?
Das war fantastisch. Für sie vermutlich weniger. Ich war in so einer Nebelblase in dieser Zeit und habe viel geprobt, wir haben ja Plansequenzen gedreht, 15 Minuten durch, mit diesen ganzen emotionalen Höhen und Tiefen. Wenn man da einmal raus ist, ist man raus. Aber Birgit ist so eine phänomenale Schauspielerin, die so nuanciert arbeitet, und die mussten ja unheimlich viel im Hintergrund agieren, vor allem sie und Charly Hübner, Birgit hat in dieser Zeit unendlich viele Bücher durchgelesen, das war unfassbar. Sie ist einfach auf dem Bett gelegen und hat gelesen. Sie hat so eine Präsenz!

Hatten Sie Kontakt zu Jürgs, dem Reporter, und Lebeck, dem Fotografen, als er noch lebte?
Ja. Robert Lebeck ist ein unglaublicher Mensch gewesen. Und Michael Jürgs hat diesen Film von Anfang an sehr unterstützt, was natürlich hervorragend war, weil er unheimlich viel wusste und Zeitzeuge war. Er war dann erst mal entsetzt, als er das Drehbuch sah: „Das bin ich nicht.“ Da mussten wir versuchen ihn zu trösten und ihm sagen: Das ist eine dramaturgische Verdichtung (lächelt). Man braucht im Film ja Kanten und wir mussten das ja in kurzer Zeit auf die Spitze treiben. Und natürlich, er war ja mit ihr auch befreundet, das war bestimmt ein bisschen hart für ihn.

Welcher ist denn Ihr Lieblingsfilm mit Romy Schneider?
Also „Nachtblende“ … ich weiß gar nicht, ob ich sagen kann, dass ich den mag, weil da gibt es einfach Situationen, die eine Zumutung sind, aber die schon außerordentlich sind. „Das alte Gewehr“ finde ich unglaublich, da ist etwas ganz, ganz Berührendes drin und etwas, das man -selten in dieser Eindeutigkeit sieht, dieses Starke, Gesunde, Liebevolle. „César und Rosalie“, „Eine einfache Geschichte“ und „Die Dinge des -Lebens“, da kann ich mich gar nicht satt dran sehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

3 Tage in Quiberon

True Story! Als Romy Schneider im ersten Wellness-Hotel der -Bretagne 1981 dem stern-Journalisten Michael Jürgs ihr letztes Interview gab und Fotograf Robert Lebeck die legendären Fotos dazu schoss. Für das -packende wie stylische Drama gab’s zehn Nominierungen für den Deutschen Filmpreis.

Regie: Emily Atef. Mit Marie Bäumer, Birgit Minichmayr, Charly Hübner, Robert Gwisdek. Ab 13. 4. im Kino.

INTERVIEW: Julia Pühringer, FOTO: Filmladen Filmverleih

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