Österreichs ehemaliges First Couple veröffentlicht seine Erinnerungen in Buchform. Anhand zahlreicher Fotos lassen sie die schönsten Momente der letzten Jahrzehnte Revue passieren. schau hat mit Heinz und Margit Fischer im Bildband geblättert.

„Henry Kissinger hat sein Exemplar schon. Ich schicke das Buch meinen Freunden in der ganzen Welt, von Asien über die USA bis nach Afrika“, erzählt mir stolz lächelnd Altbundespräsident Heinz Fischer (77) und streckt mir auch gleich seinen neuen Bildband entgegen. Den hat er gemeinsam mit seiner Ehefrau Margit (73) und dem niederösterreichischen Foto­ästheten Lois Lammerhuber zusammengestellt. Eine kluge Wahl, denn Lammerhubers Spezialität sind laut Eigendefinition „schöne und kluge Bücher“.

Das Werk der Fischers heißt „Erinnerungen – in Bildern und Geschichten“ und der Name ist Programm. Zwischen den Deckeln finden sich auf mehr als 300 Seiten exakt 197 Fotos, die eine erstaunliche Politkarriere und eine außergewöhnliche Ehe Revue passieren lassen. „Das ist pure Freude. Da haben wir viel Arbeit investiert und es ist gut geglückt. Die Qualität des Buches und das Papier sind sehr gut. Die Mitarbeiter waren mit Feuer­eifer bei der Sache. Auf das kann man wirklich stolz sein und sich freuen“, sagt Heinz Fischer.

Fast 50 Jahre Hand in Hand

Nach zwölf Jahren im höchsten Amt des Staates ist Heinz Fischer am 8. Juli 2016 als Bundespräsident abgetreten. Davor war er als Minister, jahrelang als Nationalratsabgeordneter und als Präsident desselben tätig. 50 aufregende Jahre liegen hinter ihm. Dabei stets an seiner Seite stand seine Ehefrau Margit, mit der Fischer beinahe ebenso lange verheiratet ist. Im Buch zeigen sich die Fischers auch von ihrer privaten Seite. Da gibt es Bilder vom gemeinsamen Schneeschuhwandern und Reisen rund um den Erdball.

Jedes Bild hat Geschichte

Die Arbeit am Buch mit Lois Lammerhuber hat vor allem Margit Fischer sehr genossen. „Die Zusammenarbeit war sehr gut. Ich habe von ihm viel gelernt. Vor allem, wie man ein Foto sehen kann und welche Stärken ein Motiv hat. Wir haben uns lange über die Bilder unterhalten. In der Diskussion ist eigentlich die Auswahl der Fotos festgelegt worden. Es stand ja von Anfang an fest, dass jedes Foto einen Untertext haben soll. Wir mussten also schauen, ob es zum jedem Motiv eine Geschichte gibt, die wert ist, erzählt zu werden.“

„Man darf kein Ungustl sein“

Obwohl als „First Couple“ abgetreten, bleibt Heinz und Margit Fischer keine Zeit für Ruhestand. Derzeit touren sie mit Promotionterminen für das Buch durchs Land. Wo immer die beiden auftreten, ist der Andrang riesig.

Vor allem Heinz Fischer ist in den letzten Jahren zu einem regelrechten „Selfie-Präsidenten“ geworden – und er genießt es. „Natürlich freut man sich, wenn Menschen nett sind. Das beruht meistens auf Gegenseitigkeit. Wenn man versucht, zu den Menschen nett zu sein, dann sind die Menschen auch zu einem nett. Wenn man ein Ungustl und unhöflich ist, dann sind Menschen auch grantig und das kann man ihnen nicht übel nehmen“, sinniert Heinz
Fischer.

Auch bei jungen Menschen hat er, nicht zuletzt aufgrund der Parodie „Die Fischers“ in der ORF-Comedy „Willkommen Österreich“, Kultstatus – und das in Zeiten, in denen Politiker eher gescholten denn geliebt werden. Fragen da manchmal Kollegen an, wie er das macht? „Nein, da hat mich eigentlich noch nie jemand gefragt. Wahrscheinlich hat es mehrere Ursachen. Es hängt wohl auch damit zusammen, dass ich schon sehr lange tätig und mit jungen Leuten gerne zusammen bin. Ich gehe auch gerne in Schulen oder unterrichte an der Universität. Das ist eine Frage der Chemie. Das kann man nicht patentieren. Das kann man auch nicht so einfach eins zu eins weitergeben. Aber es ist schön.“

Einen Tipp hat Heinz Fischer allerdings doch parat: „Jedenfalls muss man locker sein und darf sich selbst nicht allzu wichtig nehmen. Bruno Kreisky, von dem ich viel gelernt habe, hat immer gesagt: ,Wenn man Politiker ist, müssen die Leute merken, dass man sie gern hat.‘ Ich glaube, das war eine sehr kluge Beobachtung.“

Bleibt abschließend noch eine Frage. Angeblich stapeln sich in der Josefstädter Wohnung der Fischers hunderte Fotoalben bis zur Decke – Material für viele weitere Bildbände. Stimmt das? Margit Fischer lächelnd: „Nein, das wäre sehr übertrieben. Aber es gibt viele.“

TEXT: Christoph Berndl, FOTO: Bubu Dujmic

Das könnte Sie auch interessieren

John Travolta: Lebenshilfe vom Hollywood-Star Der Superstar war beim Filmfestival in Cannes zu Gast, um 40 Jahre „Grease“ zu feiern und seinen jüngsten Film zu promoten: „Gotti“, in dem er einen M...
Werner Auer: Ich liebe Abwechslung Künstlerisches Organisationstalent: Als Obmann des Theaterfests Niederösterreich bringt Werner Auer mit viel Fingerspitzengefühl 20 Sommerbühnen unter...
Peter Simonischek: Das sind Menschen, keine Bestien! In seinem neuen Film „Dolmetscher“ geht der „Toni Erdmann“-Superstar mit der tschechischen Theater- und Kinolegende Jirí Menzel auf Spurensuche. Ein G...
12 Gesichter, 12 Geschichten Der Kalender „12 Gesichter, 12 Geschichten“ unterstützt die Österreichische Krebshilfe Burgenland. Jeder Kalendermonat ist einer Frau gewidmet, die an...
Share This