Wo einst die Römer lagerten, steht heute eines der besten Wirtshäuser der Stadt. Die Geschichte eines der schönsten und prominentesten Plätze Wiens gibt es jetzt auch in Buchform nachzulesen.

Es ist zweifellos ein magischer Ort. Am heutigen Pfarrplatz in Wien siedelten vor gut 2.000 Jahren die Römer. Auf den Fundamenten von damals entstand im Laufe der Jahre alles Wichtige, das der Mensch so braucht: eine Kirche, ein Wirtshaus und ein Weingut. Vor einigen Jahren standen die beiden letzteren Objekte zur Disposition.

Traditionsweingut in neuer Blüte

Hans Schmid, einst Werbeagenturbesitzer, heute unter anderen Vienna-Capital-Boss und größter Winzer in Wien, führte das Weingut Mayer am Pfarrplatz samt Heurigem zu neuer Blüte. Auch der Pfarrwirt, eines der ältesten Wirtshäuser der Stadt, strahlt nun als gastronomisches Kleinod in ungeahntem Glanz. „Um die Besonderheit dieses Orts zu bewahren, haben wir bei der Restaurierung des Pfarrwirts weniger auf den gesetzten Budgetrahmen, sondern mehr auf unsere Emotionen geachtet. So wurde jedes Fenster, jeder Mauervorsprung, jedes alte Bodenbrett mit besonderer Detailliebe behandelt. Darum ist das Haus auch voll mit Kunst, die mir persönlich viel bedeutet.“

Traumdoppel: Kunst & Genuss

Hervorstechend dabei ist Daniel Spoerris weltberühmte „Eat Art“-Inszenierung, die den Eingangsschankbereich im Pfarrwirt ziert. Der Werdegang der traditionsreichen Betriebe ist gespickt mit schicksalhaften Geschichten, die zugleich auch Teil der Wiener Geschichte sind. Man betrieb seit dem Jahr 1683 auf dem Nussberg Weinbau; just das Jahr der zweiten Türkenbelagerung. Ohne es so zu nennen, wurde wohl schon damals auf den besten Rieden des Nussbergs Gemischter Satz ausgepflanzt und gekeltert.

Hier komponierte ein Genie

Im Jahr 1817 wohnte Ludwig van Beethoven in einer Wohnung im heutigen Weingut, wo er an der „Eroica“ und der „9. Symphonie“ arbeitete. Faszinierenderweise präsentiert sich der Ort seit dieser Zeit (und wahrscheinlich noch um einiges länger) in einem beinahe unveränderten Zustand.

Die Lage am Stadtrand macht auch die ganz besondere Stimmung beim Pfarrwirt aus. Die Stadt ist noch zu spüren. Aber sie drängt sich nicht auf. Hier ist es friedlich, eine Art „Leo“ vom Alltag, ein Zufluchtsort für die Dauer einer kleinen Mahlzeit oder ein Glas Gemischten Satz.

Der Pfarrplatz zum Nachlesen

Im neu erschienenen Buch „Pfarr.Platz.Wirt.Wein“ erzählen Autoren wie Christian Seiler, Marga Swoboda und Florian Holzer von all diesen Begebenheiten, werden dabei nicht zuletzt von den vielen abgebildeten Gästebucheintragungen wunderbar plakativ unterstützt.

Wo sonst findet man Leopold Figl, Peter Handke, Blödel-Star Otto, die Alt-Rocker ZZ Top, Arnold Schwarzenegger und Leonard Bernstein innerhalb weniger Seiten mit persönlichen Statements. Was Terminator Schwarzenegger ins Gästebuch schrieb, ist nicht schwer zu erraten: „We’ll be back!“

Pfarr.Platz.Wirt.Wein

Erschienen Ende 2016 in der Edition A la Carte.
224 Seiten, 24 Euro.
ISBN 978-3-902-469-68-7
www.alacarte.at

TEXT: Christian Grünwald, FOTO: Philip Horak

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