TV, Moderation und jetzt auch Mode: Das kreative Multitalent Silvia Schneider (35) präsentiert ihre erste eigene Kollektion. Zu ihren Prêt-à-porter-Stücken inspiriert wurde sie von ihrer legendären Namensvetterin Romy Schneider.

1958, Filmstudio Boulogne-Billancourt, in der Nähe von Paris. Bei den Dreharbeiten zu „Christine“, einer Adaption von Arthur Schnitzlers „Liebelei“, trifft die Wiener Schauspielerin Romy Schneider († 29. Mai 1982) auf jenen Mann, den sie fortan als den wichtigsten in ihrem Leben bezeichnen sollte. Monsieur Alain Delon (81) und sein „Puppele“, wie er Romy nannte, waren das Glamourpaar des 20. Jahrhunderts. Die Beziehung hielt zwar nur bis 1963, doch auch nach der Trennung konnten sie nicht vonei­nander lassen und blieben zärtlich verbunden.

Unterwegs auf Romys Spuren

Die oberösterreichische TV-Moderatorin und Modedesignerin Silvia Schneider teilt mit der berühmten Romy nicht nur den Nachnamen. Unter dem Labelnamen „Mademoiselle Schneider“ präsentierte sie im Mai ihre erste eigene Kollektion, in der sie die legendären Tage dieser stürmischen Liaison noch einmal Revue passieren lässt.

„Man braucht eine gute Geschichte. Ich bin Journalistin und versuche mich immer in meine Kollegen von der Presse hineinzuversetzen. Was würde die interessieren? Warum ­sollen sie genau über mein Label ­berichten?“, erzählt Silvia Schneider über die Inspiration für ihre Prêt-à-porter-Linie. Auch beim Fotoshooting in Paris wandelt sie auf Romys Spuren und lässt sich von Alain
Delons Sohn Anthony (52) in den Arm nehmen.

Das „Comeback“ mit Delon

„Romy Schneider begleitet mich schon länger. Ich bin am 27. Mai 1982 geboren und sie hat zwei Tage später, am 29. Mai, für immer die Weltbühne verlassen. Wir begehen also heuer ihren 35. Todestag. Ich finde, das ist der ideale Zeitpunkt, um ihr eine Hommage zu widmen. Sie hat wahnsinnig viel für die Filmgeschichte, die Kunst, für die Frau an sich getan. Sie hat es ja geschafft, sich vom Sissi-Image zu befreien, in dem sie nach Frankreich gegangen ist und dort an der Seite von Alain Delon ein bisserl zur Femme fatale wurde. Dieses Revival von Delon und Schneider ist bestimmt eines mit Augenzwinkern.“

Welche Seite Romy Schneiders entspricht Silvia Schneiders Naturell eher? Sissi oder Femme fatale? „Weder noch. Ich bin keine von ­beiden, überhaupt nicht. Aber ich finde es einfach interessant, weil ich glaube, Romys Leben zeichnet so ein bisschen die Geschichte des Erwachsenwerdens jeder Frau nach. Für viele war das vielleicht irgendwie unangebracht, dass sie dann plötzlich in dieser wilden Ehe gelebt hat, damals in dieser Zeit. Dass sie plötzlich halbnackt vor der Kamera gestanden ist, dieses zuckersüße Wiener Mädel. Die Romy war eine sehr leidenschaftliche Frau und oft sehr traurig und melancholisch – bestimmt sehr schwierig. Aber sie war auch eine ganz große Künstlerin und hat da ganz viel zurückgelassen.“

So inspiriert, entwirft Silvia Schneider Modelle für jeden Anlass. Was sie alle gemeinsam haben, ist die besondere feminine Note. „Ich habe da einen Mix entwickelt. Es gibt einige Kleider, wie das Modell ,Christine‘ oder ,Claire‘, die kann man durchaus tagsüber tragen. Das sind so luftig wehende Kleider“, erzählt Silvia Schneider. „Es gibt aber ein Kostüm namens ,Sans-Souci‘, das ist natürlich eher für besondere Anlässe. Wenn ich aber nur das Jäckchen davon nehme und das mit einer Jeans kombiniere, dann kann ich das sehr wohl auch im Büro tragen. Dann gibt es ein paar Kleider, die sind einfach ausgelegt auf Coktailveranstaltungen, einen Abendevent oder auch eine Party. Für jeden Anlass ist etwas in der Kollektion. Aber auf jeden Fall ist es Mode für Frauen, die mit Blicken umgehen können.“ Die Philosophie ist dabei simpel: „Wenn es um Frauenmode geht, dann soll sie Frauen definitiv schöner machen. Das ist für mich ganz wichtig. Ich verstehe zum Beispiel Mode nicht, die Frauen jetzt nicht auf das Maximum an Schönheit hebt, das sie zu bieten haben, sondern im Gegenteil, das sogar noch kaschiert. Das ist ein Stil, den ich nicht verfolgen würde. Ich finde, Mode soll immer schöner machen.“

Auch ihr Andreas ist begeistert

Im Produktionsprozess schlüpft ­Silvia übrigens in verschiedene ­Rollen. „Ich decke alles ab. Von der Bügelhilfe über die Dame, die die Etiketten anheftet, bis hin zur PR-Strategin und Sekretärin bin ich ­alles in einer Person.“

Privat ist Silvia Schneider seit 2013 mit Alpenrocker Andreas Gabalier liiert. Spricht sie ihre Entwürfe eigentlich mit ihm ab? „Na sicher zeigt man die Sachen her, an denen man gerade arbeitet. Dann gefällt es ihm oder eben nicht. In dem Fall hat es ihm gefallen und das ist schön. Ich glaube, der Andi ist da sehr frei, was Stile angeht. Ihm gefallen unterschiedliche Looks. Jeans und T-Shirt findet er genauso gut wie ein Vintage-Kleid. Er ist der Meinung, dass das einfach zum Typ Frau passen muss. Und er weiß, dass ich Spaß an nostalgischer Mode habe und deswegen gefällt ihm das.“

Ohne Leidenschaft geht’s nicht

TV oder Mode, welches der beiden Standbeine wird sich letztlich durchsetzen? „Ja, das ist eine gute Frage und dabei ist das noch nicht einmal alles, was ich mache. Ganz ehrlich, ich wäre froh, wenn ich nur zwei Standbeine hätte. Es sind aber ganz, ganz viele. Es bleibt einfach eine ­Leidenschaft, ob so oder so. Die ­Leidenschaft wird nicht weggehen.“

Apropos Leidenschaft. Auch auf den TV-Schirmen ist Silvia Schneider seit Kurzem wieder mit einem neuen Format auf Sendung – und auch da gibt es ein Wortspiel mit ihrem Nachnamen. Auf Puls 4 moderiert sie gemeinsam mit Kollegin Verena Schneider „Heute bei den Schneiders“, ein neuartiges Talkformat. „Wir sitzen in gemütlicher Küchenatmosphäre und sprechen mit jeweils vier Gästen über die unterschiedlichsten Themen. Da geht es etwa um die Frage, ob es in Ordnung ist, dass eine Mutter ihr siebenjähriges Kind noch stillt? Oder wir sprechen über einen Mann, der „als Ziege“ in den Schweizer Bergen lebt. Es ist auf alle Fälle für die Leute, die nach der Arbeit nach Hause kommen und den Fernseher aufdrehen, bestes Entertainment. Natürlich wollen wir, dass über die Themen, über die wir in der Sendung reden, dann auch zu Hause weiterdiskutiert wird“, sagt Silvia Schneider.

Wann immer Zeit für Freizeit bleibt, lädt Silvia Schneider ihre Akkus gerne unter freiem Himmel auf. „Ich bin sehr gerne in der Natur und gehe sehr gerne raus wandern. Da habe ich meine ganz speziellen Kraftorte. Die Schlögener Schlinge an der Donau in Oberösterreich ist einer davon. Der strahlt für mich eine unfassbare Kraft aus. Da tanke ich wieder Energie auf, dieses Naturwunder ist eine Urgewalt. So entspanne ich und lasse mich inspirieren. Ich liebe es, wie die Donau da durch die Au und die Wälder mäandert und eine Kehrtwende macht, das hat irgendwie was. Das ist so mächtig.“

Bin auf einer großen Reise

Silvia sprüht bereits vor neuen Ideen. Wohin ihre Reise führen wird? „Ich habe aufgehört, mir vorzustellen, was in fünf oder zehn Jahren ist. Das bringt gar nichts. Weil das Schicksal wendet es dann eh ganz anders. Ich finde, man muss immer im Hier und Jetzt sein und die Projekte mit Leidenschaft vorantreiben. Man sollte alles ausprobieren und machen. Auch wenn es manchmal kein Geld dafür gibt, so bringt es einen am Schluss doch an Erfahrung weiter. Das Wissen, das man auf dieser Reise sammelt, ist echt unbezahlbar. Ich habe da keine bestimmten Pläne, vielleicht mache ich in zehn Jahren ja etwas ganz anderes. Vielleicht bin ich da Kellnerin in Griechenland. Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Ich möchte es aber auch gar nicht wissen.“

TEXT: Christoph Berndl, FOTO: Heli Mayr

Das könnte Sie auch interessieren

Intendanten auf Safari FOTOS: Tanja Hofer schau und die St. Martins Therme & Lodge schickten die Intendanten auf Safari Einfach näher dran am Lesegenuss – das ist di...
Thomas Brezina hebt endgültig ab … und doch wieder nicht Erfolgreicher Kinderbuchautor, TV-Star und nun Gestalter der neuen, spannenden Erlebniswelt am Flughafen Wien: Thomas Brezina ist ein niemals ruhender...
Die „Grande Dame der Wiener Moderne“ 2018 ist das Jahr der Wiener Moderne. Ganz Wien feiert Gustav Klimt, Otto Wagner und Co. Doch auch eine Frau hat der Epoche ihren Stempel aufgedrückt:...
Falco war es, der die Drogen brauchte Sie war zwar nicht die letzte Freundin von Hans Hölzel, allerdings mit ihm verlobt. Das kanadische Model Caroline Perron (43) war von Jänner 1996 bis ...
Share This