In ihren Schlössern wandeln Kinder auf den Spuren Draculas, während man für ihre Eltern den Pop der 70er Jahre, etwa von Jethro Tull oder Deep Purple, im Eisenstädter Schlosspark aufleben lässt.

Seit gut zehn Jahren ist Mag. Karl Wessely maßgeblich daran beteiligt, die kulturellen Visionen von Esterházy zu steuern und die Marke Joseph Haydn für immer breitere Schichten interessant zu machen.

schau: Herr Direktor Wessely, vor wenigen Wochen begeisterten im Schlosspark des Hauses Esterházy Ian Anderson, der Frontman der britischen Band Jethro Tull, sowie Deep Purple im Rahmen vom „Lovely Days“-Festival das Publikum. Was hat der Pop der frühen 70er mit Joseph Haydn zu tun?
Karl Wessely: Als vor gut 250 Jahren die Fürsten Esterházy Joseph Haydn zu ihrem Hofkapellmeister machten und seine Musik förderten, wurde er wie Mozart und Beethoven zu einem der großen „Popstars“ seiner Zeit. Haydn zuzuhören machte den Menschen Freude. Bei Jethro Tull und Deep Purple war das in den 70er Jahren nicht viel anders. Wenn wir heute die Marke Joseph Haydn erfolgreich in die Zukunft führen wollen, darf das nicht mit erhobenem Zeigefinger passieren. Wir müssen dabei Werkzeuge bedienen, die von heutigen Generationen intuitiv verstanden werden und da bin ich Deep Purple und Jethro Tull zutiefst dankbar, dass sie Zeit fanden, zu uns nach Eisenstadt zu kommen.

Warum ist es für Sie so wichtig geworden, die Marke Haydn zu forcieren? Sie ist an internationalem Bekanntheitsgrad ohnehin schwer zu überbieten und einer der wesentlichen Treiber für den Tourismus im Burgenland.
Das Haus Esterházy hat die Region über Jahrhunderte maßgeblich mitgestaltet. Esterházy und Haydn sind internationale Marken. Wir verkaufen unseren Wein mit einem Export­anteil von mehr als 50 Prozent ins Ausland und wissen, dass die Besucher zum Großteil wegen Haydn nach Eisenstadt kommen. Selbst bei Wien-Besuchern steht ein Ausflug ins Burgenland ganz oben. Die „Treiber“ dafür sind Haydn und das Schloss. 193.000 Menschen sind es inzwischen, die uns jährlich besuchen. Das kommt nicht von ungefähr. Dabei haben wir erst 2010 begonnen das Schloss als Marke zu positionieren. Vor acht Jahren noch zählte man weniger als die Hälfte an Besuchern. Wir dürfen uns aber nicht ausruhen, wir müssen Neues ausprobieren, mehr für Kinder, Familien und die Jugend machen, sonst stirbt uns eines Tages das Publikum aus.

Man liest, der Tourismus steuert angeblich auf ein neues Biedermeier zu und die Menschen fahren aus unterschiedlichsten Gründen immer weniger gern weit weg – stimmt das so?
Also unsere Gäste kommen zum Großteil aus dem Ausland, wir können da im Moment noch keinen neuen Trend erkennen. Aber wir freuen uns natürlich genau so auf Gäste aus der näheren Umgebung. So wie wir unser „Schlossquartier“ gestaltet haben, mit dem Restaurant Henrici, der Selection Vinothek – Burgenlands größter Vinothek – und der Markthalle in den alten Stallungen, wo wir regionale Spezialitäten burgenländischer Landwirtschaftsbetriebe anbieten, ist der Schlossplatz am besten Weg, zum touristischen Mittelpunkt des Burgenlands zu werden – und längst lohnenswertes Ausflugsziel für Besucher auch aus dem Großraum Wien.

Sie sprechen von neuen Impulsen für den Tourismus – wie sieht das im Konkreten aus?
Das Schloss Esterházy verkauft sich als Location immer besser, vor allem auch für Tagungen und Kongresse. Aber in Eisenstadt mangelt es an Beherbergungsbetrieben in der 4-Stern-Kategorie. Die aber brauchen wir, wenn wir Eisenstadt zur Kongressstadt machen wollen. Vielleicht gelingt es uns da schon in absehbarer Zeit, die Lage zu verbessern. Wir haben aber auch den „Goldenen Herbst“ in Eisenstadt noch nicht so richtig wachgeküsst. Hier arbeiten wir an einem Event, der das Dreieck aus Kulinarik, Wein und Kultur auf einem spannenden Niveau neu definieren wird und über mehrere Wochen laufen soll. Mit gehobenen Events und Kulturveranstaltungen, aber auch genug Freiraum für alle, die einfach nur zum Flanieren kommen wollen. Geplanter Start ist im Herbst 2017.

Und in St. Margarethen sind Sie dabei, die Oper im Steinbruch neu zu positionieren. Ist das nicht ein wenig viel auf einmal?
Sie haben die Burg Forchtenstein und Schloss Lackenbach vergessen. Auch da sind wir schon erfolgreich, und in St. Margarethen dürfen wir nicht ungeduldig sein. Es braucht seine Zeit, Neues zu etablieren. Auch wenn sich Erfolge nicht im Handumdrehen einstellen, bleibt das Esterházy seinem Leitsatz treu, die rund 46,5 Millionen Jahresumsatz, die es mit seinen 285 Mitarbeitern erwirtschaftet, in die Kultur des Landes zu reinvestieren. Und wenn es uns gelingt, diesen Weg in Zukunft gemeinsam mit dem Land zu gehen, und unsere Kulturangebote klug abzustimmen, wird das Burgenland auch am Kultursektor als dynamischste Region Österreichs schwer zu überbieten sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

INTERVIEW: Rudi Mathias, FOTO: www.picturedesk.com

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