Liebe möglicherweise heißt der neue Film mit Edita Malovčić. Darin spielt sie eine aufregende Schauspielerin, auf die zwei Männer in der Midlife-Crisis ihre Träume projizieren.

schau: Passiert dir das manchmal, dass Leute ein Bild von dir an dich herantragen, das nichts mit dir zu tun hat – die sexy Schauspielerin oder so?
Edita Malovčić: Natürlich. Aber auch wenn dir jemand sagt, dass er dich attraktiv findet, hast du dich ja selbst in der Früh im Spiegel gesehen (lacht). Dann gibt’s Dinge, die hört man so oft, die bekommen erst dann wieder Bedeutung, wenn sie einem jemand sagt, der einem imponiert.

Wie imponiert man dir?
Mit Zielstrebigkeit, einer Vision im Leben. Einer Unabhängigkeit vom Kollektiv. Gleichzeitig macht mich das auch wahnsinnig aggressiv, weil ich will ja, dass diese Leute dann meine Gesellschaft brauchen (lacht). Ich wäre auch gern so frei von der Gunst der anderen. Aber ich bin auch ein sehr kommunikativer Mensch. Andererseits habe ich auch diese asoziale Seite, wo man nur mit sich selbst sein möchte, das ist ein sehr minimalistischer Zustand. Es ist schon ein Lebensziel, dass ich mir selbst genüge. Allerdings nicht einsam auf einem Berg, das wäre für mich eine Strafe.

Was sind denn die größten Missverständnisse über das Erwachsenenleben, die du so hattest?
Na natürlich, dass ich’s besser mach als meine Eltern. Da bin ich kläglich gescheitert (lacht). Aber natürlich bremsen einen gewisse Umstände ein. Und ich hab ein Autoritätsproblem. Da war mir klar, ich muss etwas machen, wo ich selbstbestimmt arbeiten kann. Deshalb war Schauspielerei auch nicht die erste Wahl (lacht).

Das war die Musik …
Genau. Da hab ich gewusst, ich mach mein Ding.

Wie läuft’s da gerade in Sachen nächstes Album?
Ich hab fünf oder sechs Jahre Pause gemacht, mich von meinem Partner und Produzenten getrennt. Also wurden alle Strukturen gekappt. Ich hab zwei Mal eine Beziehung mit ­einem Musiker geführt. Das mach ich nie wieder, das sag ich dir (lacht).

Aber Musik macht wieder Spaß?
Definitiv! Ich hab parallel immer ­geschrieben. Dann hat mich ein deutscher Song enorm inspiriert und ich dachte, ja, so könnte das gehen. Und inzwischen hab ich genug Material für ein nächstes Album, das auch schon fast fertig produziert ist. Früher lief das alles viel langfristiger, jetzt genieße ich das Unmittelbare. Du schreibst einen Song und gehst gleich ins Studio. Ich habe auch Lust auf ein anderes Tempo, wenn man nicht alles so verhirnwichst, dann hat das eine unbedachte Rauheit, eine Spontanität.

Du bist im Kaffeehaus deiner Mutter aufgewachsen. Ist das eine gute Basis fürs Schauspielen?
Total! Es gibt viele Leute, die haben Probleme mit gewissen Arten von Menschen. Ich nicht. Ich setz mich gern mit älteren Leuten zusammen, ich wurde sehr lange von sehr vielen Omas großgezogen, ich habe da eine irrsinnige Toleranz und die interessieren mich auch. Ich hab schon damals sehr gern mit Leuten diskutiert, auch Streitgespräche geführt, mit FPÖ-Wählern im Kaffeehaus, da sind schon skurrile Dinge passiert. Und ich habe immer auch gern beobachtet. Ich bin eine Voyeurin. Es fällt mir schwer, wegzusehen.

Bist du auch Selbstdarstellerin?
Das natürlich auch. Aber es ist schon besser geworden (lacht).

Man wird weniger dramatisch je älter man wird …
Im Grunde spielt man auch im Leben immer eine Rolle. Gerade wenn man jemanden kennenlernt, präsentiert man sich von seiner besten Seite. Aber nein, ich wasche und bügle nicht jeden Sonntag die Wäsche, sondern ich verkaufe mich nur gerade als gute Hausfrau.

Im Ernst, du hast dich mal als gute Hausfrau verkauft?
Ja, als ich ganz jung war und dumm.

Wie lang hat die vorgetäuschte Hausfrau gehalten?
Na doch fast 13 Jahre … Dabei bin ich manchmal einfach total gern eine faule Socke. Wenn ich frei hab, knotze ich den ganzen Tag auf der Couch. Da bitte ich dann meinen Sohn, die Pasta zu kochen. Der geht einkaufen, freiwillig, damit was im Haus ist. Das ist schon ein Luxus. Gerade das Drehen erfordert eine hohe Konzentration. Und man muss immer alle seine Zwetschgen beieinander haben. Man leitet ja eigentlich eine Firma, ich mach im Prinzip alles selbst und betreue auch noch mein Kind. Wenn ich dann das Katzenklo auch noch machen muss, krieg ich echt die Krise.

Hinterlässt der Besuch einer Privatschule Spuren im Leben?
Also mir hat das gutgetan. Ich war ja eine Revoluzzerin. Ich habe mich selbst mit der Direktion angelegt, weil ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe. Da ging es um einen Klassenbucheintrag: „Malovčic´ stört den Unterricht“. Ich war das nicht, ich schwör’s dir. Ab Beginn der Pubertät gab’s dann auch Betragens­noten. Aber ich hab keine echte Scheiße gebaut. Ich hab halt Spaghettiträger getragen, obwohl ich in der katholischen Privatschule keine tragen hätte sollen. Ich war ewig lang in einer Mädchenklasse, mir war einfach langweilig. In der siebten Klasse bin ich dann zum Glück durchgeflogen und in die gemischte Klasse gekommen. Und da hat mein Leben eigentlich begonnen (lacht). Es war einfach wilder.

Wie schaffst du es dann, dich im Beruf unterzuordnen?
Ich kann mich gut mit Leuten arrangieren oder sie aus der Reserve locken. Ich brauche einfach eine gelöste Stimmung am Set, damit ich zu Höchstleistungen fähig bin. Man darf mich auch nicht anschreien, wenn ich in einer Szene gerade heulen muss. Klar steht jeder am Set unter Stress, damit muss man lernen umzugehen. Früher habe ich das persönlich genommen, aber da härtet man ab. Josef Bierbichler hat mir einmal gesagt, für den Job brauche man eine gewisse Wurschtigkeit. Da hat er völlig Recht. Erstens in Bezug auf die Arbeitsumstände und zweitens auch auf die Rolle. Das muss dir scheißegal sein. Auch ob du gut ausschaust oder nicht. Das ist für uns Frauen sowieso noch einmal eine Herausforderung. Es ist halt wahnsinnig intim. Wenn du einen Bad-Hair-Day hast, setzt du dir normalerweise ein Kapperl auf. Aber ich kann das vor der Kamera nicht. Da muss man sich ausliefern.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

INTERVIEW: JULIA PÜHRINGER, FOTO: WEGA-FILM

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