Der junge Sänger und Songwriter ist gerade mal 25 Jahre alt und hat bereits Österreich und Deutschland mit seiner Musik erobert. Moment – Songwriter? Vielleicht doch eher Drehbuchautor … warum, verrät er uns im schau-Interview.

Le Play klingt doch richtig französisch, sein aktuelles Album hat er in der Toskana aufgenommen – gibt’s da gar irgendeine Verbindung? Ich habe den Sänger im „Das Heinz“ am Wiener Rudolfsplatz getroffen und mal ein bisschen dazu ausgefragt und was er so in seinem ersten Vierteljahrhundert getrieben hat, seine Meinung zum Song Contest und womit er seine Fans noch überraschen möchte.

Von der Toilette zum Revolverheld

Ein Wolkenbruch begleitet uns, als wir einander vor dem Lokal „Das Heinz“ treffen. Bei Kaffee und hausgemachtem Eistee starte ich neugierig mit Julian, der mit bürgerlichem Namen Julian Heidrich heißt, das Interview. Er ist nämlich gerade erst aus Deutschland zurückgekehrt, wo er mit „Revolverheld“ gemeinsam auf MTV unplugged Tour war.

Natürlich will ich wissen, wie er sich Revolverheld „aufgerissen“ hat: „Wir haben 2014 die erste Tour in Deutschland gespielt und sind in Düsseldorf in einem kleinen Theater aufgetreten. Danach sind wir fort­gegangen, um anzustoßen auf unser Konzert bzw. die erste Tour in Deutschland. Bevor wir nach Hause zischen wollten, bin ich noch schnell auf die Toilette, wo ich Johannes Strate, den Frontsänger von Revolverheld, begegnete und ich dachte mir, ‚Ach, die red’ ich jetzt an …‘ Und ein Bandkollege kannte seinen Bassisten, so halb-halb … so sind wir dann in der Bar hängengeblieben, haben uns kennengelernt und was getrunken.“

„Wir haben sie dann eingeladen, zu unserem Konzert drei Tage später in Hamburg – und sie sind wirklich gekommen! Mit Manager und Freundinnen … und machten dann wohl die Hälfte der Besucher aus (lacht). Es hat ihnen so gut gefallen, dass sie gefragt haben, ob wir auch als Vorband spielen würden. Tja … und so waren wir auch jetzt die ganze MTV unplugged Tour mit – das war tatsächlich einfach nur Glück.“

Deutschland ist also de facto schon erobert, wie schaut’s aus mit dem übrigen Umland? Julian le Play klingt doch französisch … wie wär’s denn mal mit Frankreich? „Mich zieht’s immer wieder hin, ich spreche ein bisschen Französisch – das war’s.“ Ganz zufrieden bin ich aber immer noch nicht, denn „Le Play“ wird ja nicht nur zum Spaß sein Künstlername sein … oder? Der junge Sänger lacht: „Die Antwort ist eigentlich gar nicht so spannend: Ich hab’ mit 20 oder so Politikwissenschaften studiert, ein halbes Semester, während ich an meinen Demos gearbeitet habe. Da lernt man so im ersten Halbjahr die wichtigen Leute, die alles geprägt haben .. Karl Marx und so … und eben Frederic LePlay.

Der hat im 19. Jahrhundert gelebt und in erster Linie hat mir einfach der Name gefallen, weil ich grad’ auf der Suche war nach irgend so einem Deckmantel, nach etwas Mystischem, was mich umwerfen könnte. Und ich komm’ jetzt grad drauf, das hab’ ich noch nie wem gesagt: Ich war ja in einer Casting-Show „Helden von morgen“ und da wird gewühlt und gewühlt, und nach der Zeit hab’ ich mir gedacht: ‚Das muss nicht sein, wenn ich Musik machen will, dass das Private so in den Vordergrund rückt.‘ Deswegen hab’ ich mir einen Künstlernamen gesucht.“

Song Contest-Fragezeichen

Na gut – nix mit Frankreich. Aber der junge Künstler ist doch so gut mit der Sprache  – nur mit der deutschen Sprache? Wie wär’s mal mit einem Experiment? „Französisch auf keinen Fall. Wenn, vielleicht dann Englisch. Es kommt Jahr für Jahr das Thema Song Contest, dass irgendwer fragt, hättest du nicht Lust oder so? Da komm’ ich wieder zu dem Gedanken, ‚Jetzt grad nicht‘, aber es ist nicht ganz unrealistisch. Jedenfalls sind mir Texte halt so wichtig, und die kann ich auf Englisch nicht schrei­ben.

Halt nicht so wie ich will.“ Na gut, aber wie wär’s wirklich mit dem Song Contest, der Sieg ist ja schon wieder zwei Jahre her … „Ich überlege eh immer wieder, gäbe es keine Jury … Das hab’ ich schon so satt, mit den Punktetaferln, Telefonvoting und du musst irgendeinen auffälligen Crash machen, damit jemand anruft. Wenn es einfach eine TV-Show wäre, wo jedes Land ein Lied hinschickt, dann würde ich das sofort machen. Aber das funktioniert nicht, das ist mir schon klar. Die Leute brauchen das Voting, wer gewinnt, wer verliert, Abstieg und Fall … das verstehe ich schon. Aber genau deswegen hab’ ich eben keine Lust darauf.“

Er singt kleine Filme

Ich geb’s zu, ich hab’s auf Facebook gelesen: „Julian LePlay singt kleine Filme.“ Klingt so schön, als wär’s von ihm. Falsch gedacht. „Ja (lacht), das hat sich irgendein Pressetextschreiber einfallen lassen …“ Ok, schade. „Naja, aber wenn du meine Musik in Filmen ausdrückst, dann ist bei mir am Anfang der Filmtitel da. Das war wirklich vor allem bei meinem letzten Album meine Herangehensweise. Zuerst den Titel, Schlagzeile oder Gefühl, das ich damit ausdrücken will und dann entwerfe ich rundherum die Szenen, die da passieren oder Bilder, die sich abspielen könnten. Das hab’ ich früher andersrum gemacht, da ist der Text geflossen und dann hab’ ich geschaut, was könnte jetzt der Titel sein.“

Drei Alben hat er schon, dabei hat er doch erst ein Vierteljahrhundert gefeiert – kann man da schon ein bisschen seinen Erfolg Revue passieren lassen? „Klingt, als wär’s meine Goldene Hochzeit (lacht), aber ja, tatsächlich war’s mit 25, dass ich das erste Mal Zeit hatte zurückzuschauen. Mit 20 habe ich als „Julian LePlay“ begonnen und wir sind so durchgerauscht und jeder hat gesagt, ‚Wow, wie geil!‘ … und ich dachte mir immer, ‚Ja, ist ok, ich krieg’ das irgendwo gar nicht mit.‘ Im letzten Jahr war dann wirklich Zeit, wo ich ein bisschen zurückschauen konnte.“

Da war doch noch was mit Radio? „Richtig, ich habe als Ferialpraktikant bei Ö3 begonnen. Das war für mich so auf ,was kann man mit Musik machen, wenn man nicht singt‘. Ich wusste zwar, ich will singen, aber trotzdem wollte ich schauen, was kann man noch machen, und dann kam mir halt Radio in den Sinn. Man könnte es quasi ein zweites Standbein nennen. Es war extrem cool und spannend!“ Ein Standbein? „Da gibt’s viele Standbeine … ich hab’ auch ein eigenes Plattenlabel letztes Jahr eröffnet, oder ich weiß nicht … vielleicht eröffne ich auch irgendwann ein kleines Restaurant …“ (schmunzelt)

Wie geht’s weiter?

Na gut, Karten auf den Tisch, wie schaut’s aus mit den weiteren 25 Jahren? Dass als nächstes, am 9. September Wien, in der Arena open air gerockt wird, wissen wir ja schon alle aus Facebook – und dann? „Dann gibt es noch ein paar Termine mit Revolverheld in Deutschland. Im Frühjahr möchte ich dann mein Herzensprojekt starten, das heißt Theatertour.

Das kann man sich so vorstellen, dass ich eine Kurzgeschichte geschrieben habe, eine Fabel eigentlich, die sich um die vier Jahreszeiten dreht. Diese Fabel wird von Erich Schleyer gelesen auf einem riesigen überdimensionalen Bilderrahmen, also quasi ein sprechendes Porträt, das über uns hängt. Nach ein paar Minuten – wenn eine Jahreszeit fertig ist – spielt meine Musik, umarrangiert mit Streichern und Bläsern.

Es wird auch ein Bühnenbild geben … also es hat wirklich ein bisschen was von Theater.“ Na, da haben wir es ja wieder: das Drehbuch. „Ja genau! Wir haben das vor zwei Jahren schon mal gemacht und das war so geil, dass jeder gesagt hat, das müssen wir wieder machen. Leider wurde es immer wieder verschoben … und jetzt möchte ich es unbedingt nächstes Frühjahr in Österreich realisieren … vor allem wollen wir alte Theater abgrasen. Aber jetzt kommt mal open air!“ Da hat er ja noch einiges vor … wir freuen uns schon jetzt.

TEXT: Nina Nekoui, FOTO: Reiner Riedler

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