José Feliciano denkt nicht ans Aufhören. Nächstes Jahr feiert er das 50-Jahr-Jubiläum seines ersten Cover-Hits „Light my fire“. Derzeit arbeitet er, am Ende des Triestingtals, an zwölf neuen Projekten. Wir haben den Latino-Weltstar besucht.

Es ist ein weiter weg aus dem puerto-ricanischen Gebirgsstädtchen Lares (knapp 27.000 Einwohner) ins niederösterreichische Leobersdorf. Für José Feliciano (71) liegen zwischen seinem Geburtsort und der Weingemeinde im Bezirk Baden weit mehr als 8.012,95 Kilometer. Die beiden Ortschaften sind zwei wichtigte Koordinaten einer Weltkarriere. Hier, am Ausgang des Triestingtals, hat sich der seit seiner Geburt blinde Latino-Musiker vor einigen Jahren niedergelassen.

Arbeit am Tag des Herren

Im Inneren des Hofs erwartet uns ein üppiger Garten. Palmen treffen auf exotische Masken und Skulpturen. Mysthische Atmosphäre, leise klingt ein Windspiel in der zarten Brise. Rechts hinten lädt eine Hängematte zum Verweilen ein.

Ob der drückenden Hitze an diesem Sonntagnachmittag überlege ich kurz, mich hinzulegen, als José Feliciano plötzlich auftaucht. Er begrüßt mich herzlich. Eingehängt hat er sich am Arm seiner Frau Susan, die ihn zum Tisch begleitet. In ihren Jugendjahren war sie die Leiterin seines Fanclubs. Am 4. August feiern die beiden ihren 46. Hochzeitstag, haben gemeinsam zwei Söhne und eine Tochter.

Gleich zu Beginn des Interviews lässt José aufhorchen: „Normalerweise arbeite ich am Sonntag nicht, außer ich spiele ein Konzert. Üblicherweise ist der Sonntag für mich ein Tag, um mich auszuruhen. Ich gehe in die Kirche und gebe Gott ein bisschen meiner Zeit. Auch heute morgen war ich in der Kirche. Die gefällt mir gut, weil sie schon sehr alt ist. Meine Gedanken wandern dann zurück in der Zeit und ich denke: Ah, so haben die also die Sonntage zelebriert.“

Zwei Familien unter einem Dach

Den revitalisierten Gutshof bewohnt der Ausnahmegitarrist gemeinsam mit seinem Langzeitmanager Helmut Schärf. Richtig, er ist einer der drei Brüder aus der gleichnamigen Kaffeedynastie. Die Familien von José und Helmut leben hier unter einem Dach.

„Das Haus gehört meinem Manager Helmut Schärf. Er hat mir dieses Dorf vorgestellt, weil er es mag“, erzählt José. „Helmut fährt nur ganz selten nach Wien rein. Ich allerdings liebe es. Mittlerweile genieße ich dieses kleine Dorf. Es ist dem Platz ganz ähnlich, wo ich in Connecticut lebe. Sehr einfach, sehr ruhig, weg vom Trubel. Es ist nett und es ist am Land. Ich gehe auch gern zum Heurigen. Es gefällt mir, wenn die Leute zusammenkommen. Die Weine, die sie hier im Angebot haben, sind wirklich köstlich. Ich versuche so viel Zeit wie möglich hier zu verbringen, denn ich liebe Österreich und die Menschen hier. Ich genieße das ganz einfach.“

Füreinander geschaffen

Die beiden Männer verbindet mittlerweile eine fast 35-jährige Geschichte. José präzisiert: „Helmut ist mein Manager, mein Freund, mein Produzent und er ist auch ein großartiger Koch. Der Mann macht alles.“ Und was ist Josés Lieblings­gericht aus Helmuts Küche? „Ich bevorzuge seine Leberknödelsuppe. Außerdem mag ich die Art, wie er einen Schweinebraten zubereitet. Das sind meine Favoriten. Und ich mag Palatschinken mit Marmelade.“

Die Liebe geht bei den beiden aber nicht nur durch den Magen, sondern vor allem durch die Ohren.

Im Haus gibt es auch ein Tonstudio – und hier wird auch diesen Sonntag durchgearbeitet. Derzeit läuft die Produktion für ein gemeinsames Album mit dem britischen Pianisten und Fernsehmoderator Jools Holland auf Hochtouren. José spielt seine Tracks hier in Leobersdorf ein. Es gibt eine erste Hörprobe für mich. „One more drink“ heißt der Song. Helmut Schärf gibt Anweisungen: „Josés Gitarre brauche ich beim Solo lauter und dann die Backgroundstimme drüber.“ Der Mann am Mischpult nickt und arbeitet besonnen an seinen Reglern.

FOTO: LA. Clip GmbH

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