Der Superstar war beim Filmfestival in Cannes zu Gast, um 40 Jahre „Grease“ zu feiern und seinen jüngsten Film zu promoten: „Gotti“, in dem er einen Mafia-Boss spielt, der – wie auch Travolta selbst – seinen Sohn verliert. Ein entspanntes wie ausführliches Gespräch über unnötigen Stress, die Verehrung der Fans und die Lieblingsfilme mit seiner Frau.

Wie machen Sie das, dass Sie immer noch so unheimlich jugendlich wirken?
John Travolta: Sie verarschen mich, oder? Das „unheimlich“ ist jedenfalls gekauft. Wie ich das mache? Ach, keine Ahnung, ich mache Sport, ich esse halbwegs vernünftig, ich versuche mich gut anzuziehen. Und ich versuche, Stress möglichst zu vermeiden.

Wie machen Sie das?
Ein Teil der Strategie ist, sich nicht mit Menschen zu umgeben, die unnötig Stress verbreiten.

Ich bin beeindruckt. Leute trauen sich, John Travolta zu stressen? Damit hätte ich nicht gerechnet.
Sie würden sich wundern, wie unnötig vieles ist, das an mich herangetragen wird. Man fragt sich echt, wie die Leute darauf kommen, dass man etwas dagegen unternehmen kann. Beschwerden über das Catering, „der Kaffee ist nicht heiß genug“, solche Sachen. Ich meine, wenn man jemandem Vielbeschäftigten helfen will, dann produziert man keine zusätzlichen Probleme, ohne Lösungen parat zu haben.

Apropos Stress: „Gotti“, das Mafiadrama über den US-MafiaBoss John Gotti, war in der Herstellung wohl auch nicht ganz stressfrei …
Ja. Und die Figur hatte wohl auch ziemlich viel Stress (lacht). Wir haben sieben Jahre daran gearbeitet. Und das war definitiv nicht einfach. Wir sind durch vier Besetzungen -gegangen, vier verschiedene Drehbücher, vier verschiedene Regisseure, es ist eigentlich ein Wunder, dass wir überhaupt da sind. Aber ich wusste immer, wenn wir unsere Arbeit gut machen, kriegen wir das Projekt an Land.

Was ließ Sie durchhalten?
Ich liebe das Charakterfach. Und ich liebe die Herausforderung. Das wurde nicht nur eine Herausforderung als Schauspieler, sondern auch eine Herausforderung in Sachen Filmproduktion. Man fragt mich immer, ob ich mich dabei wohlfühle, einen Gangster zu spielen, und ich habe immer geantwortet: Ich muss mich nicht wohlfühlen, ich muss überzeugend sein, es geht nicht um Komfort, sondern um Kompetenz. Ich habe mich auch in Pulp Fiction nicht dabei wohlgefühlt, jemandem den Schädel wegzuschießen. Aber ich hatte das Vertrauen, dass ich das spielen kann. Das ist ein Unterschied. Ein Schauspieler muss sich gar nicht wohlfühlen, manchmal soll er sich sogar gar nicht wohlfühlen. Man muss sich nur sicher sein, dass man sein Ding durchziehen kann.

Die Zeit nach „Grease“ in den 1970er-Jahren war ja ziemlich irr, die Fans waren total verrückt nach Ihnen. Wie haben Sie das damals erlebt? War das zu viel?
Ich glaube, ich hatte schon vor dem Film durch die Serie „Welcome Back, Kotter“ eine ziemlich gute Ahnung davon, das hat sich dann quasi gesteigert, wenn Sie so wollen. Als „Grease“ passierte, war ich damit also bereits ein bisschen vertraut. Als ich dann nach England kam und ich wurde begrüßt wie die Beatles, hat es sich für mich nicht so fremd angefühlt, ich bin damit gut klargekommen.

Wie erklären Sie sich das Phänomen „Grease“?
(singt) „Summer lovin’, had me a blast, summer lovin‘ happened so fast“. Es ist einer der Filme, auf die ich am stolzesten bin, weil ihn -immer neue Generationen kennenlernen und lieben. Leute schauen ihn sich mit ihren Kindern an, er ist zeitlos wie sonst wenig andere Filme.

Sie haben gerade den Film „Moose“ mit „Limp Bizkit“-Frontman Fred Durst gedreht, über einen Filmstar, der von einem wahnsinnigen Fan gestalkt wird …
Ich liebe den Film. Ich spiele einen exzentrischen Typen mit speziellen Bedürfnissen, eine Figur, die von einem Filmstar besessen ist. Ich kann kaum beschreiben, wie besonders diese Figur ist. Er ist eine meiner Lieblingsfiguren, die ich je gespielt habe.

Sie sprechen über Selbstvertrauen und Kompetenz, aber ist Ihnen eine Rolle nie zu viel? In „Gotti“ geht es auch um Vaterschaft. Da stirbt der Sohn Ihrer Figur. War Ihnen das nicht zu heftig, wenn …
… sich Leben und Arbeit überschneiden? Das hängt davon ab, wie sehr man fähig ist, das eigene Leben von einem anderen, gespielten Leben zu unterscheiden. Und ich habe das immer gut hingekriegt, dass sich die beiden nicht gegenseitig schaden. Ich glaube fest daran, Schauspielen ist so tun als ob. Ich kann jemand anderer werden und seine Trauer trauern, ich habe diese spezielle Fähigkeit. Ich leide da nicht sehr darunter.

Ihre Frau spielt ja auch noch Ihre Frau …
Aber sie war da ein völlig anderer Mensch als der, den ich kenne. Und ich bin ja auch völlig anders, als der Mensch, den sie kennt. Wir haben mit den beiden überhaupt keine Ähnlichkeit außer der Liebe für unsere Familien. Aber unser Verhalten, unser Stil, unser Wesen ist sehr unterschiedlich. Wir würden uns nie anschreien. Unser Job ist es, Sie glauben zu lassen, wir wären andere Leute.

Waren Sie jemals ein obsessiver Fan von jemandem oder etwas?
Also definitiv nicht wie in Moose. Aber ja, ich war ein totaler Beatles-Fan.

Was ist Ihr Lieblingsfilm mit Kelly Preston, Ihrer Frau?
Gute Frage. Die Kelly, die ich mir am liebsten anschaue, ist die aus „Aus Liebe zum Spiel“. Das ist ihr ansprechendster Film. Sie ist auch in „Twins“ großartig, aber in „Aus Liebe zum Spiel“ hat sie mehr zu tun, eine Hauptrolle. Und ich liebe ihr Verhältnis zu Kevin Costner. Das ist wirklich eine sehr authentische Baseball-Romanze.

Vielen Dank für das Gespräch!

Happy Birthday, Grease!

Heuer jährt sich die Premiere des Kult-Musikfilms „Grease“ zum 40. Mal. Er katapultierte John Travolta in den Hollywood-Olymp, der Soundtrack wurde weltbekannt.

Sein jüngster Film „Gotti“ wird vermutlich nur on demand in Österreich zu sehen sein.

INTERVIEW: Julia Pühringer, FOTO: Shutterstock

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