Lange galt der Uhudler als Rabiat-Perle der Gesetzlosen. Seit April ist es nun amtlich: Die Uhudler-Rebstöcke müssen nicht gerodet werden. Im Gegenteil: Der Uhudler hat jetzt die Chance, sich als neue burgenländische Kultmarke legal zu etablieren.

„Der Uhudler darf nicht sterben, er ist Teil unseres Kultur­gutes und gehört zur Identität des Südens unseres Landes“, polterte die vor gut einem Jahr frisch designierte Agrarlandesrätin Verena Dunst und setzte sich letztlich durch. Mit Bescheid vom 13. April 2016 hat die Burgenländische Landesregierung die Aufnahme von neun Uhudler-Rebsorten in die burgenländische Weinbauverordnung offiziell beschlossen.

Gleichzeitig wurde das Wiederbepflanzungsverbot aufgehoben und statt Strafzahlungen für den Ausbau gibt es jetzt Unterstützung durch das Weinmarketing zur Positionierung des Rebensaftes in den Regionen Jennersdorf und Güssing. Der Grund für die ­Kehrtwende des Verbots ist die Erkenntnis, dass die Ripatella-Rebsorte genetisch gleich der Sorte Concord ist, die als erlaubte Rebsorte ausgewiesen ist.

Mit der Reblaus fing alles an

Zu verdanken haben wir diese Weinrarität, von der man angeblich blind, blöd und bösartig wird, eigentlich der großen Reblaus-Epidemie, die um 1870 aus Amerika eingeschleppt worden ist. Zur Bekämpfung führte man Reblaus-resistente Stöcke nach Europa ein und kreuzte sie mit heimischen Sorten. Der robuste Uhudler erwies sich allerdings nicht nur als Reblaus-resistent – man sagte ihm auch einen gesundheitsschäd­lichen Anteil an Fuselölen und Methanol nach, was zu einem ersten Verbot in den 1930er-Jahren führte und mit der Absicht endete, bis 2020 alle Uhudler-Bestände zu vernichten.

„Mit dem fruchtigen Wein hat jetzt die Region ein Alleinstellungsmerkmal, das wir zur Marke entwickeln können, mit der wir weit über unsere Landesgrenzen hinaus Werbung für das Uhudler-Land ­machen können“, betont Dunst und hebt hervor, dass es jetzt darum gehe, nicht nur neue Ausbauflächen in den Uhudler-typischen Regionen Jennersdorf und Güssing zu schaffen, sondern sich im selben Zug ­daranzumachen, die Identität dieser einzigartigen Region wieder sichtbar zu machen und touristisch aufzuwerten.

Die Besucherzahlen bei den momentan noch wenigen Events wie den Uhudler-Festen in Heiligenbrunn und Eltendorf zeigen, was an Potenzial in dem mediterran ­wirkenden Landstrich liegt. Dazu gehört auch, die im Dornröschenschlaf dahinschlummernden Kellerstöckl wach zu küssen. Hier soll eine großzügige Aufwertung erfolgen, denn rund um den sanften Tourismus wird das Wohnen im Keller­stöckl inmitten der intakten südburgenländischen Landschaft immer beliebter, was zu einem enormen touristischen Potenzial für das Südburgenland führt.

Uhudler als Tourismusmagnet

Doch momentan sind es erst 50 Hektar, auf denen der Uhudler ausgebaut wird, und ein paar ­wenige, die sich darauf verstanden haben, ihre Kellerstöckl so auszubauen, dass sie den Erfordernissen des sanften naturnahen Tourismus auch entsprechen. Doch Verena Dunsts Experten ziehen eifrig durchs Land und erarbeiten im Rahmen von Brainstormings und Workshops gemeinsam mit den Akteuren der Region mögliche Potenziale ­heraus, die allesamt dazu beitragen können, diesen idyllischen ­Landstrich zu ­einer der begehrenswertesten Tourismusregionen Zentraleuropas zu machen.

TEXT: Rudolf Mathias, FOTO: Südburgenland Tourismus

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