Ihre gefühlvolle Klavierballade „Wie a Kind“ war der Überraschungshit des letzten halben Jahres. Im Dialekt ersang sich Ina Regen via YouTube im Nu eine riesige Fangemeinde. Fast 1,5 Millionen Views und die Nr. 1 in den iTunes-Charts lassen Großes erwarten. Im Herbst soll der Single das erste Album folgen.

Das Musikgeschäft ist Ina Regen nicht fremd und doch kannte bislang kaum jemand ihren Namen. Denn in ihrem Hauptberuf stand Ina meist auf der Bühne weiter hinten. Als Backgroundsängerin tourte sie unter anderem mit Norbert Schneider, Folkshilfe, The Makemakes und ihrer langjährigen Freundin Conchita. Ende letzten Jahres war dann der Augenblick gekommen, die eigene Musik auf die Welt zu bringen. Mit einem YouTube-Video brachte die Singer-Songwriterin im November 2017 die Lawine ins Rollen.

schau: Viele Künstler stehen Streaming-Diensten und Social-Media-Plattformen immer noch recht kritisch gegenüber, wenn es um den Vertrieb ihrer Musik geht. Du bist über YouTube entdeckt worden. War das geplant?
Ina Regen: Ich hab nichts davon geplant. Ich weiß nicht, ob es Menschen gibt, die das planen können, ich könnte das nicht. Ich hab einfach auf mein Herz gehört und das hat ganz klar gesagt: Ich will meine Musik machen und das ist höchste Eisenbahn, jetzt mach das endlich. Alles auf eine Karte. Im Endeffekt hab ich mir gedacht, mach ein schönes Lied und ein schönes YouTube-Video und der Rest wird sich zeigen. Also, ich hab mich ehrlich gesagt darauf eingestellt, dass ich mir jetzt wahrscheinlich ein paar Jahre mein Publikum bei Live-Konzerten erspielen werde, und hab mich darauf auch sehr gefreut. Dass es ganz anders kam und Ö3 innerhalb von einer Woche sagen wird „Wir wollen das Lied spielen“, hat sehr vieles sehr rasch verändert.

Dein Song „Wie a Kind“ wurde auf YouTube bereits fast 1,5 Millionen Mal angeklickt. Hast du ihn nicht erst vor fünf Monaten hochgeladen?
Ja, genau am 11. November, weil ich es so mit Schnapszahlen habe. 11. 11., ich mag so symmetrische Zahlen. Meine neue Single „Paris“ ist am 18. Mai 2018 erschienen. Daten, die man sich leicht merkt und die irgendwie was haben.

Wann hast du gemerkt, dass dein Lied auf YouTube zum Hit wird?
Na ja, es war schon der erste Tag sehr beeindruckend. Also, ich hab mir gedacht: „Hey, ich stell es einfach online“. Und dann hat das Kreise geschlagen, die ich mir nie erwartet hätte, bis zu Mirjam Weichselbraun oder zu Conchita. Dass das so viele Musikerkollegen oder Leute, für die ich auch gearbeitet habe, so wertschätzend weiterverteilen, hat mich echt überrascht. Ich glaub, wir hatten in den ersten zwölf Stunden 160 Shares gehabt auf Facebook. Also, das waren Zahlen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Ich bin eine absolute Newcomerin als Künstlerin und es hat ja keiner was gekannt von mir.

In den Social-Media-Kommentaren wirst du in höchsten Tönen gelobt. Gibt es auch kritische Stimmen? Und wie gehst du damit um?
Ich bin in der sehr glücklichen Lage, dass ich fast ausschließlich positive Kritik bekommen habe. Gerade am Anfang war es so eine Euphoriewelle, die da irgendwie ausgelöst worden ist, mit dem Lied. Das hat mich natürlich selber auch sehr angesteckt und ich war so demütig und dankbar, dass die Leute meine Musik so in ihr Herz lassen. Natürlich sind dann da und dort Meldungen gekommen aber dann eher als Nachricht wie „Hör mal auf zu trenzen, das nervt uns so“, was weiß ich. „Keiner, den ich kenne, mag dich!“, war so mein Lieblingszitat (lacht).

Aber da muss man sich natürlich eine dickere Haut zulegen. In dem Moment, in dem man in die Öffentlichkeit tritt, mit etwas, was einem so wichtig ist wie mir mein Projekt und meine Musik, macht man sich natürlich angreifbar und verwundbar. Andererseits denk ich mir, ich habe keine andere Wahl. Ich will und muss das machen und ich will mich auch nicht nach jemandem drehen oder verbiegen, weil man mich vielleicht gern anders hätte. Ich bin so, wie ich bin, und wenn es den Leuten gefällt ist, es schön und freut mich. Und wenn es ihnen nicht gefällt, kann ich auch nichts machen.

Wie ist das Lied „Wie a Kind“ eigentlich entstanden?
Das Lied hab ich ziemlich genau ein Jahr vor der Veröffentlichung auf YouTube geschrieben. Zu einer Zeit, in der ich künstlerisch auf der Suche war. Ich wollt nicht nur Aufträge abarbeiten und irgendwie einen guten Job machen. Ich hab auch gewusst, Musik ist nicht nur mein Beruf, sondern in erster Linie meine Berufung. Und ich hab halt irgendwie verpasst, mir früher diesen Wunsch zu erfüllen. Das hat mich sehr traurig gemacht.

Und aus dieser Suche, aus dem ­Gefühl heraus ist dann das Lied ­entstanden. Ich habe es dann einem langjährigen Freund vorgespielt, der Musikproduzent ist. Der war dann sehr bewegt von dem, was er da gehört hat. Wir haben uns ein paar Mal getroffen, um miteinander Musik zu machen und herauszufinden, wie wir musikalisch ticken und wie sich eine Zusammenarbeit für uns anfühlt. Ein Jahr später bin ich dann sehr ungeduldig geworden, fast so, als hätte eine innere Stimme mir gesagt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um „Wie a Kind“ zu veröffentlichen. Innerhalb von zwei Wochen haben wir mit Freunden dieses Musikvideo organisiert, gedreht und geschnitten und haben es dann einfach online gestellt. Der Rest ist Geschichte.

Hat gut funktioniert.
Ja voll, überraschend schön. Dafür bin ich auch nach wie vor wirklich dankbar. Weil ich glaube, Erfolg ist dann doch so eine Glückssache, irgendwie. Also, ich kenne viele, und zu denen zähle ich auch, die jahrelang hart arbeiten und an das glauben, was sie machen, und immer wieder auch mal gegen Wände laufen, mit dem, was sie machen wollen. Ich glaub halt, dass ich das große Glück gehabt hab, lang genug gegen die Wand gelaufen zu sein. Und irgendwann bin ich durchgebrochen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Bis jetzt hast du ja alles alleine bzw. mit einem sehr guten Freund gemacht. Hast du jetzt etwas Angst, dass du dieses selbst gesteuerte Arbeiten abgeben musst?
Natürlich, habe ich auch so meine  Klischeevorstellungen, was die Musikindustrie betrifft. Meine Gefühle sind da eher von Vorsicht geprägt. Aber ich muss wirklich eine Lanze brechen für das Team, mit dem ich gerade arbeiten kann. Ich hatte das Glück, dass sich alle drei Major-Labels für mich interessiert haben und ich mir sozusagen aussuchen konnte, mit wem ich gehe.

Dabei habe ich wiederum auf mein Bauchgefühl gehört und habe jetzt ein Team, das mich, meine Kunst, meine Musik und mein Bauchgefühl sehr, sehr ernst nehmen und das über alles andere stellen. Also, ich hab die wunderbare Erfahrung gemacht, dass ich künstlerische Visionen aussprechen darf und mich mein Team dabei unterstützt. Bis jetzt habe ich nicht das Gefühl, dass man mir etwas anderes einreden möchte, und ich hoffe auch, dass das so bleibt. Ich meine, jetzt rennt alles erfreulich gut, das muss man auch sagen. Wie man dann adaptiert, wenn es mal nicht so gut läuft, wird sich dann zeigen, aber über das möchte ich mir jetzt nicht so viele Sorgen machen (lacht).

Dein erstes Album ist für den Herbst geplant, wie viel Material gibt es da schon?
Wir haben den Großteil des Albums, das am 2. November erscheinen und „Klee“ heißen wird, schon fertig geschrieben. Ein paar Titel fehlen mir noch. Und auch wenn so ein Kreativprozess immer auch ein bisschen anstrengend ist, weil nicht alle Lieder so in einem Guss daherkommen, wie beispielsweise „Wie a Kind“, freue ich mich trotzdem schon ­darauf, mich für ein paar Tage und Wochen nur auf die Musik zu konzentrieren und zu schreiben.

Schreibst du die Nummern alle selbst oder gibt es Songwriter, die mitarbeiten?
Ich bin federführend, aber lasse mich total gerne von Menschen in­spirieren, mit denen ich arbeite und die ich schätze. Ja, es gibt zusätzliche Songwriter, die zu uns ins Echopilot- Studio kommen. Mit einem langjährigen Freund und Studienkol­legen haben wir einmal einen Nachmittag verbracht und die ersten Musikfetzen von „Paris“ geschrieben. Oder mit einer meiner besten Freundinnen habe ich an ­einem Text zu „Nordstern“ geschrieben. Allerdings würde ich mich total dagegen wehren, dass irgendwer mein Album schreibt, und ich singe es dann nur.

Entdeckt wurdest du von Marianne Mendt im Rahmen der „Jazz-Nachwuchsförderung“. Sie hat mit dem Lied „Wie a Glockn“ den ersten Austropop-Hit überhaupt gelandet. Manche sehen in dir eine Vertreterin der neuen Generation Austropop. Was denkst du darüber?
Wow, also Vertreterin des Austropop höre ich gerade zum ersten Mal und das macht mich sehr demütig. Das sind sehr große Schuhe, in die ich vielleicht irgendwann hineinpasse. Hmm … ich weiß nicht, ob ich die neue Generation bin. Ich bin einfach ich. Ich finde das schön, wenn die Leute das in mir sehen, und ich fühle mich sehr geschmeichelt. Trotzdem will ich vor dem jetzt keine Angst haben oder mir keinen Druck machen lassen. Die ­Marianne hat mich kennengelernt als 19-jährige Jazz-Sängerin, die in erster Linie gerne und mit großer Hingabe
gesungen hat. Ich hab sie jetzt erst wieder bei einem Interview getroffen. Sie hat mir verraten, dass sie sich das, was jetzt in meinem Leben passiert, schon damals für mich gewünscht hat.

Das ist ja ein musikalischer Adelsschlag.
Ja, wenn ich das so selber sage, bewegt mich das sehr. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht rot werde. Es ist besonders schön, weil die Marianne eben auch das, was dahinter steckt, so wertschätzt. Ich bin eben keine Musikerin, der es nur um den Erfolg geht. Deswegen tue ich mir auch so schwer mit diesen Komplimenten, ehrlich gesagt. Weil ich sehr dankbar bin, für das, was ich machen kann, worum es mir schon immer gegangen ist: Musik machen. Dass ich mit dem, was in mir drinnen ist und aus mir raus will, auf der Bühne stehen kann und es Leute gibt, die das hören wollen. Das ist es, worum es mir am meisten geht. Und ob andere in mir dann ein Vorbild oder die neue Generation von etwas sehen, wird die Zeit zeigen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wer ist Ina Regen?

Geboren am 29. September 1984 als Regina Mallinger im oberösterreichischen Grieskirchen. Schloss ihr Studium des Jazz- und Populargesangs an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz 2008 mit Auszeichnung ab. Neben einigen Musicalrollen arbeitete sie vor -allem als Backgroundsängerin für heimische Künstler. Ende November 2017 veröffentlichte sie auf YouTube ihr Lied „Wie a Kind“, das Hunderttausende bereits -gesehen haben. Mittlerweile hat Ina einen Plattenvertrag mit SONY Music Entertainment. Im Herbst soll ihr erstes Album erscheinen.

www.inaregen.at

INTERVIEW: Christoph Berndl, FOTO: Tanja Hofer

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