Ihr letzter Film, „Wie Brüder im Wind“, war ja ein voller Erfolg …
Tobias Moretti: Ich wollte in Innsbruck mit der fünfjährigen Tochter und mit der Familie ins Kino gehen und hab’ keine Karten gekriegt, zwei Tage hintereinander. Aber ich habe mich gefreut, weil das doch ein gutes Zeichen ist (lacht).

In „Die Hölle“ ziehen Sie zu Ihrem pflegebedürftigen Vater – ab welchem Alter sollte man denn eigentlich nicht mehr zuhause wohnen?
Alle sollen immer zuhause wohnen. In der Großfamilie. Über alle Generationen. Damit man das richtig überwachen kann (lacht). Überhaupt bei Töchtern.

Was bedeutet für Sie „die Hölle“?
Ich finde, der Titel passt, auch wenn jetzt nicht unbedingt diese Hölle gemeint ist, die wir im christlichen Sinne als Hölle bezeichnen. Aber wurscht, welche Hölle, es ist in jedem Fall immer ein Antipode, eine Verspreizung, eine Divergenz, das Gegenteil. In unserem Menschentum, in unserer Vorstellung, in unserer Phantasie – die unterscheidet uns ja von allen anderen Wesen – unterscheiden wir immer die Vorstellung vom Höchsten und Niedersten. Wir bewegen uns immer in diesem Zwischenraum. Und die Hölle ist natürlich auch im antiken Sinne ein Symbol für ein Horror-Szenario und für die Vorstellung, -eigentlich die Übersteigerung der Vorstellung dessen, was man eigentlich nicht erleben möchte.

Ihre Rolle im Film – auch höllisch?
Einerseits gibt es den harten, geradlinigen Krimi, und dann passieren Überlappungen. Da trifft sich die Hauptfigur, die Özge (Violetta Schurawlow), mit meiner Figur und beide sind eigentlich schwer verhaltensgestört, beide haben sie eine Psychose. Ich, der ich gar kein wirklicher Polizist bin, sondern eigentlich Musiker, sie, die zuhause schlimmste Dinge erlebt hat, beide sind sie liebesunfähig, er mit einer massiven narzisstischen Verletzung und sie mit ihrer familiär bedingten Geschichte. Da finden zwei zueinander, die gar nicht zueinander wollen und auch gar nicht zueinander passen.

Haben Sie selbst als Zuschauer einen Lieblingsermittler?
Ich hab’ den Peter Falk im Staubmantel früher irrsinnig gern gehabt, als Columbo. Im Kino früher natürlich auch Al Pacino und Gene Hackman von den Amerikanern, von den Franzosen Philippe Léo-tard – das sind alle Figuren, die -einen ansprechen. Filme wie „French Connection“, da kippt man einfach rein. Das macht die Kraft von solchen Schauspielern aus. Und es ist völlig wurscht, was das jetzt für eine Handlung hat. Ich hab’ grad vorhin hier das Plakat von ‚Krambambuli‘ (1998) hängen gesehen … die Figuren erblühen alle und dann erlischt die Sache mit dem Ende der Arbeit. Das Tolle am Film ist natürlich, dass man’s wieder anschauen kann – am Theater bleibt die Erinnerung. Das ist auch spannend, aber halt sehr vergänglich.

Ist das kein Glück? Sonst würden ja alle Figuren, die man jemals gespielt hat, einen als Schatten verfolgen …
Die Figuren bleiben schon als gewisser Fundus, aus dem man sich bedient, auch wenn man sie vergisst. Bei allen emotionalen Dingen, die einem im Leben widerfahren, kann man dann automatisch etwas als Überlebens-Trick herauszupfen – wie ein Autofahrer, der nicht mehr nachdenken muss, in welchen Gang er schaltet.

Haben Sie noch Zeit fürs Kino?
Sicher, ja klar. Meistens wart’ ich ein bisserl und dann muss ich immer zwei, drei Filme hintereinander anschauen.

Schleichen Sie während der Werbung hinein oder lässt man Sie in Ruhe?
Man wird immer in Ruhe gelassen, wenn man das möchte. Außer es gibt ja dann solche, die sich auch gern inszenieren, im Privaten. Weil sie vielleicht nicht ganz ausgefüllt sind. Aber man kann, wenn man will, das ganz normal als Beruf sehen.

Was steht denn sonst so an?
Ein Film – „Brandnächte“ –, dann werde ich wieder irgendeine sportliche Aktivität machen, irgendein Rennen, und dann ist Sommer, da haben wir in der Landwirtschaft viel zu tun.

Wann ist wieder einmal das Theater an der Reihe?
Ich habe gerade die „Dreigroschenoper“ gemacht, jetzt ist’s auch wieder einmal gut. Das war sehr intensiv und sehr gut. Für mich bedeutet das immer eine große Vorbereitung: Ich hab’ deshalb sogar einen Film mit François Ozon dafür abgesagt, ich musste mich darauf vorbereiten und das war einfach wichtig.

Teaser zu „Die Hölle“

INTERVIEW: Julia Pühringer, FOTO: Allegro Film/Anton Maria Aigner

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