Am 28. Februar 2019 übergibt Hans Niessl den Landeshautpmann-Sessel an Hans Peter Doskozil. Mit Preview spricht er über die positiven Entwicklungen der letzten Jahre, das Arbeitscredo der Burgenländer und den Fokus auf die Zukunftsthemen Forschung, Entwicklung und Innovation.

Preview: Das Burgenland hat sich vom Schlusslicht in Österreich zum Vorreiter in vielen Bereichen gemausert. Was macht das Burgenland besser als andere Bundesländer?
Hans Niessl: Die Entwicklung des Burgenlands seit dem Jahr 2000 lässt sich mehr als sehen. Über 20.000 Arbeitsplätze wurden zusätzlich im Land geschaffen. Die Arbeitslosigkeit sinkt und die Löhne steigen. Der Fleiß der Burgenländer, der Zusammenhalt im Land und die Rahmenbedingungen der Politik gemeinsam mit den Sozialpartnern waren hierfür sicherlich ausschlaggebend.

Nicht nur wegen der hohen Lebensqualität wird das Burgenland weithin geschätzt. Auch die Burgenländer selbst genießen hohes Ansehen. Was macht die Menschen im Burgenland so besonders?
Wir Burgenländer sind sehr fleißig. Wir wissen ganz genau, wie man bei der Arbeit zugreift. Nicht umsonst sind burgenländische Unternehmen weltweit tätig. Wir exportieren in über 80 Länder der Welt unseren hochwertigen Wein. Aber wir vergessen bei all dem Einsatz auch nicht auf die Menschlichkeit, auf das gute Zusammenleben. Das macht uns aus.

Eines der wichtigsten Themen für die Menschen ist ein sicherer Job. Die Arbeitslosenzahlen im Burgenland sind 2017 gesunken, die Prognosen für heuer positiv. Wo liegen für Sie die größten Herausforderungen in diesem Bereich?
Wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Daher verstehe ich überhaupt nicht, dass die Bundesregierung beim AMS und bei den Jobprogrammen für ­ältere Arbeitnehmer einspart. Das ist kon­traprodutkiv. Gerade wenn es der Wirtschaft sehr gut geht, muss ich in die Menschen ­investieren, sie besser ausbilden, um sie wieder in die Arbeitswelt zu bekommen. Eine ganz besonders große Herausforderung ist sicherlich der Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation. Hier setzen wir in den nächsten Jahren wichtige Schwerpunkte. Viele Jobs werden ­dadurch im Burgenland zusätzlich entstehen.

Ein wichtiger Wachstumsmotor für die Entwicklung im Burgenland waren auch Finanzmittel aus der EU. Die Ziel-1-Förderungen enden demnächst. Wird es auch nach 2020 Geld aus Brüssel für das Burgenland geben?
Es sieht gut aus. Wir haben hier in Brüssel jahrelang gekämpft. Ich hatte einen persönlichen Termin mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Er kommt auch in Kürze nach Österreich, sowie auch Haushaltskom­missar Öttinger. Wir sind hier sehr gut vernetzt. Zudem weiß die ganze Europäische Union, dass das Burgenland als Region die Fördermittel mit Abstand am nachhaltigsten genutzt hat.

Wie wollen Sie die künftigen EU-Förderungen sicherstellen?
Wir haben alle Voraussetzungen geschaffen. Wir sind auf einem guten Weg.

Eine Wirtschaftsmission führte Sie heuer ins Reich der Mitte. Ist China ein potenziell wichtiger Partner für das Burgenland und welche Chancen sehen Sie da?
Natürlich, alleine schon die Tatsache, dass die Chinesen vier österreichische Städte kennen – Wien, Salzburg, Hallstatt und Parndorf. Aber wir sind sehr bemüht, die Kooperationen weiter auszubauen. Da ist noch einiges drinnen. Insofern war die Wirtschaftsreise ein voller Erfolg.

Mit seiner Strategie rund um umweltschonende Windenergie ist das Burgenland heute bereits stromautark. Könnte das Thema Nachhaltigkeit auch in anderen Bereichen zu einem USP für das Burgenland werden?
Generell ist uns Nachhaltigkeit sehr wichtig. Welche Region der Welt kann behaupten, dass über 150% des Strombedarfs aus erneuerbarer Energie kommt? Wir haben hier eine absolute Vorreiterrolle, die wir geschickt ausbauen werden. Der Einklang zwischen Natur und Wirtschaft ist uns sehr wichtig. Das ist kein Gegensatz.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Gründer erwarten im Burgenland offene Türen. Wollen Sie das Burgenland zur Nummer-eins-Adresse für innovative Start-ups machen?
Das ist ein Ziel, welches wir konsequent angehen müssen. Mit dem Einstieg ins Joanneum Research schaffen wir ein sehr gutes Fundament, auf dem wir aufbauen werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

FOTO: Tanja Hofer

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