Als Journalist und Medienmanager hat sich der Wiener Hans Mahr auch im Ausland einen Namen gemacht. Mit schau spricht er über regionale Berichterstattung als genussvolles Medienerlebnis, die Politik als Hemmschuh für Entwicklungen und neue Chancen für kreative Startups.

schau: Wie sieht für Sie das genussvolle Medienerlebnis aus?
Hans Mahr: Für mich sind Medien schon alleine deshalb genussvoll, weil sie mein Lebensinhalt sind, beruflich und privat.

Wie konsumieren Sie Medien?
Kurze Infos lese ich am Smartphone, am Abend schaue ich die Nachrichten. Außerdem bin ich einer von jenen – und ich hoffe, da gibt es noch genug davon –, die sich freuen, wenn sie eine Zeitung in der Hand haben. Ich brauche es nicht, dass man das Umblättern einer Zeitung auf dem Tablet simuliert und das Rascheln nachspielt. Ich will es wirklich spüren.

Sind regionale Medien wichtig?
Ich glaube, es gibt zwei Tendenzen, die zukunftsträchtig sind und Erfolg bringen. Einmal ist das der Trend  zu den großen supranationalen Medien – von Google bis Netflix. Die haben das Geld und die Macht sich auf Dauer durchzusetzen. Und dann gibt es den regionalen Bereich, Medien, die ganz nah am Konsumenten sind. Dort gibt’s noch viel Ausbaupotenzial – ob bei Print, TV oder Online.

Wie können sich Regionale gegen Mega-Budgets durchsetzen?
Wir müssen die regionalen Märkte auch verkaufstechnisch erschließen, mit regionalen Anzeigen oder Werbespots. In Österreich ist das immer noch die Ausnahme. Jetzt gibt es neue technische Möglichkeiten dafür, etwa um günstigere TV-Spots zu produzieren und diese regional punktgenau zu distribuieren.

Print, TV, mobil, online oder hy-brid: Wohin geht die Reise?
Die Zukunft der Medien liegt im hybriden Bereich. Medien müssen auf allen Plattformen vorhanden sein. Entweder man ist bereits ein starker Brand, dann kann man das – mit viel Geld – alleine versuchen. Oder, wenn man nicht so dominant ist, muss man mit anderen Partnern, je nach Plattform, kooperieren.

Ist dieses Multiplattformdenken in Österreich gelebte Realität?
Um es vorsichtig ausdrücken: Wir sind hier noch sehr verhalten und stehen ganz am Anfang.

Sehen Sie Chancen für Gründer?
Im Medienmarkt ist viel Platz für Startups, vor allem auch im regionalen Bereich. Es dauert aber lange Zeit, bis man einen Brand, eine Marke, geschaffen hat. Ohne den geht es aber nicht. Ich sage jedem, der Interesse hat und Startup-Medien betreiben will: ,Ja, machen. Aber suche dir Verbündete, die schon einen Brand entwickelt haben, und mache gemeinsam mit ihnen etwas.‘

Sind Sie ein Business-Angel?
Angesprochen wurde ich schon öfter. Zumeist suchen Startups aber Kapitalgeber und dafür fehlt mir ehrlich gesagt das entsprechende Kleingeld.

Reizen würde es Sie?
Selbstverständlich. Das fasziniert mich ungeheuerlich. Kaum eine Zeit war so gründerhaft oder startup-affin wie jetzt. Auch im Medienbereich. Es geht darum, gute Ideen zu haben und diese auch hochzuziehen.

Welche Rolle spielt die Politik in diesem Umfeld?
Die Politik ist als Enabler gefragt, muss ermöglichen und nicht verhindern. Wir brauchen Deregulierung. Es ist ja völlig absurd, dass wir für all die verschiedenen Plattformen unterschiedlich reguliert werden – etwa Werbung im Fernsehen oder im Internet. Wichtig ist nur, dass die Politik die Einhaltung sozialer Komponenten überwacht, aber sich sonst raushält.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wer ist Hans Mahr?

Hans Mahr (67) wurde am 17. Mai 1949 in Wien geboren. Neben dem Studium war er als Lokalreporter für die ‚Neue Zeitung‘ tätig, später wechselte zum ‚Express‘ und anschließend zur ‚Kronen-Zeitung‘. Danach war er Büroleiter des damaligen Bürgermeisters Leopold Gratz. Von 1979 bis 1983 leitete er das Wahlkampfmanagement und die Öffentlichkeitsarbeit des -Bundeskanzlers Bruno Kreisky.  Es folgten Stationen bei „RTL“ und „Stern“. 2005 wurde Mahr Vorstand des Ressorts Sport und New Business bei der Premiere AG, dem Vorläufer von Sky. Heute ist er mit seiner Firma mahrmedia als selbständiger Medienberater aktiv.

INTERVIEW: Christoph Berndl, FOTO: Reiner Riedler

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