Schon die alten Römer wussten die Vorzüge der Region Güssing zu schätzen und errichteten hier Siedlungen. Berühmt war die Gegend vor allem für die Qualität des Quellwassers. Dieses kam unter anderem aus der Vitaquelle – und die ist bis heute aktiv.

Es scheint, als würden die Uhren im Südburgenland manchmal anders ticken. Entspannt und langsam. Wer Entschleunigung sucht, findet sie hier. Malerische Landschaften, urige Buschenschanken und vor allem der Wein erfreuen sich einer immer größer werdenden Fangemeinde unter Ausflüglern und jenen, die dem Stadtleben endgültig den Rücken kehren wollen. Gerersdorf-Sulz, in der Nähe von Güssing, ist aber nicht nur aufgrund der einzigartigen Lebensqualität weithin ein Begriff. Bekannt ist vor allem das Güssinger Mineralwasser, welches hier seit mehr als zwei Jahrhunderten abgefüllt wird und zu den absoluten Vorzeigeprodukten aus dem Südburgenland zählt.

Eine Marke mit langer Tradition

40 Millionen Flaschen werden jährlich abgefüllt und von hier aus vor allem in Österreich vertrieben. „Wir haben eine Zweimarkenstrategie mit der Traditionsmarke ,Güssinger‘ und der Volumenmarke ,Vitaquelle‘“, erklärt Stefan Lehrmayer, Geschäftsführer der Güssinger Beverages & Mineralwater GmbH. „Es sind zwei völlig unterschied­liche Mineralwässer, mit ganz eigenen Zusammensetzungen. Sie werden aus zwei verschiedenen Brunnen abgefüllt und unterscheiden sich daher auch in der Mineralisierung. Bei Güssinger ist diese etwa viermal so hoch wie bei der ­Vitaquelle, die wir exklusiv für Hofer Österreich produzieren.“ Den Grundstein für die Vermarktung des Güssinger Mineralwassers legte vor rund 200 Jahren die Witwe des Grafen György Festetics. Sie nutzte das wertvolle Wasser, um einen Badebetrieb zu organisieren. Hier vergnügte sich der ungarische Adel im Wasser.

Quellhaus statt Badebetrieb

Im Laufe der Jahre wurden weitere Quellen entdeckt, auch die Vitaquelle. Diese ließ die „lustige Witwe“ zu einem Trinkbrunnen fassen und über ihm ein Quellhaus errichten. Der Bau im neoklassizistischen Stil mit den markanten Säulen ziert bis heute das Betriebsgelände. „Hier wurde begonnen, das Mineralwasser in Flaschen abzufüllen und in die Kronländer der Monarchie auszuführen“, erzählt Lehrmayer.

Bewegte Jahre und neue Ziele

Über die Jahre entwickelten sich verschiedene Eigentümerstrukturen. In den 50er und 60er Jahren übernahm dann die Brau Union den Betrieb. Zum Unternehmensverband gehörte damals auch die Schwechater Brauerei in Wien, wodurch Güssinger seinerzeit einen Marktanteil von 70 Prozent am Wiener Markt erreichen konnte. Stefan Lehrmayer erklärt: „In den 70er und 80er Jahren waren wir sogar österreichischer Marktführer. Erst später kamen andere Mineralwassermarken hinzu.“ Um die Jahrtausendwende trennte sich die Brau Union vom Unternehmen und es folgten wirtschaftlich harte Jahre. Zuletzt hielt ein Scheich den Traditionsbetrieb, wollte ihn aber nicht wirklich weiterentwickeln.

Seit September 2012 befindet sich Güssinger wieder in österreichischer Hand und Stefan Lehrmayer hat die Geschäftsführung übernommen. Unter seiner Regie geht es Richtung Zukunft. Der Manager setzt vor allem auf die hohe Qualität seiner Mineralwässer, die seit 1959 das Prädikat „Heilwasser“ führen dürfen. Seit 40.000 Jahren ist das Mineralwasser durch die Gesteinsschichten unterwegs Dabei wird es mit lebenswichtigen Mineralien angereichert, in perfekter Balance zwischen entsäuernden und mineralisierenden Eigenschaften. Schritt für Schritt hat Lehrmayer das Unternehmen auf neue Beine gestellt. Das Design der Flaschen wurde sanft erneuert und auch ein Wasser mit Geschmack gibt es jetzt. „Für das Güssinger Zitrone verfeinern wir das Quellwasser mit echtem Zitronensaft, ganz ohne Zuckerzusatz und künstliche Aromen“, so Lehrmayer.

Auch die Produktionshallen werden nach und nach mit einem neuen Anstrich versehen und eine hochmoderne Füllanlage ist geordert. Lehrmayer: „Aktuelle Anlagen sind wesentlich energieeffizienter. Dieses Thema ist uns sehr wichtig. Die Energie Burgenland hat auf unseren Hallendächern eine 1.900 m2 große Photovoltaikanlage installiert und an uns verpachtet. So profitieren beide Seiten und wir decken den Großteil unseres Energiebedarfs selbst.“

Güssinger selbst abfüllen

Auch eine liebgewonnene Reminiszenz an vergangene Tage lebt hier noch – der Verkauf direkt von der Laderampe. Hier kann man sein Güssinger in selbst mitgebrachte Gebinde abfüllen. „Das ist ein Service für die Bevölkerung und Ausflügler, enorm wichtig für die Kundenbindung“, sagt Stefan Lehrmayer und ergänzt: „Pro Jahr bekommen wir nur eine Handvoll Beschwerde­mails. Mindestens die Hälfte davon dreht sich darum, dass die Öffnungszeiten beim Rampenverkauf noch länger sein könnten.“

Güssinger direkt von der Quelle

Rampen-Verkaufszeiten:
Mo–Do 7–12 und 13–16:30 Uhr, Fr 7–12 Uhr, Sa geschlossen
Güssinger Straße 1
A-7542 Gerersdorf-Sulz
Tel. 03322 / 421 21–0
E-Mail: info@guessinger.at
www.guessinger.at

TEXT: Christoph Berndl, FOTO: Tanja Hofer

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