Immer mehr Dachausbauten prägen das Wiener Stadtbild. Wien ist nicht nur eine Hauptstadt mit vielen Dachwohnungen, sondern auch die Hauptstadt mit den meisten Turmfalken. Und die leiden durch den Ausbau der freien Dachflächen vermehrt unter Wohnungsnot.

Hand aufs herz – wer hätte nicht gerne eine Dachwohnung mit dem Flair der schrägen Wände, am besten in Kombination mit einer Dachterrasse, von der aus man den Blick über die Dächer Wiens genießen kann? Auch Vögel wie der Turmfalke lieben die Aussicht, denn ihre bevorzugten Nistplätze befinden sich in Dach­­bodenluken.

Dass mit über 320 Nistplätzen Wien als Hauptstadt der Turmfalken bezeichnet werden kann, verdanken wir dem Projekt einer jungen Wissenschafterin, die im Rahmen ihrer Dissertation 2010 begann, via Medien die Wiener dazu aufzurufen, Sichtungen des kleinen Greifvogels zu melden. Dazu wurde auch die Facebook-Seite „Turmfalkenprojekt Wien“ ins Leben gerufen. Damals gingen über 1.000 Meldungen von Sichtungen in Form von Facebook-Eintragungen, Anrufen und E-Mails ein, deren Überprüfung dann auch die hohe Anzahl an Nistplätzen für Wien ergab. Mittlerweile kann man via ­Facebook die Neuigkeiten über das aktuelle Brutverhalten erfahren und sich auch mit Interessierten aus aller Welt austauschen.

Wie erkennt man ihn?

Turmfalken sind die am häufigsten anzutreffenden Falken Mitteleuropas. Bei einer Länge von etwa 35 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 71–80 Zentimetern wiegen Männchen durchschnittlich 200 Gramm, Weibchen etwas mehr. Auch im ­Gefieder unterscheiden sich die ­Geschlechter: Bei Männchen ist der Kopf grau, während Weibchen einheitlich rotbraun gefärbt sind. Dafür haben Männchen auf ihrem rot­braunen Rücken kleine schwarze und zum Teil rautenförmige Flecken, die Weibchen haben am Rücken dunkle Querstreifen. Ihre Schwanzspitzen sind dunkelbraun, die des ­Männchens schwarz.

Die Beine sind dunkelgelb mit schwarzen Krallen. Erkennen kann man den Turmfalken während seiner Beutesuche an seinem auffäl­ligen Rüttelflug. Er bleibt dabei in ­einer Höhe von 10–20 Metern in der Luft stehen und späht nach Beute. Hat er eine entdeckt, etwa eine Wühlmaus, stürzt er im Sturzflug ­darauf zu und greift sie, wobei er kurz vor dem Boden abbremst.

Überlebenskampf

In den letzten Jahren seit der inten­siven Erforschung der Turmfalkenpopulation in Wien hat sich gezeigt, dass die Wetterbedingungen, die in weiterer Folge das Nahrungsangebot beeinflussen, ausschlaggebend für den Weiterbestand sind. Turmfalken ernähren sich hauptsächlich von Mäusen und Wühlmäusen, die in der Stadt lebenden Vertreter müssen sich da meist mit kleinen Vögeln begnügen. Ein weiteres Problem ist auch das Angebot an passenden Nistplätzen. Der Turmfalke baut sich kein ­eigenes Nest, er nutzt mehrheitlich offene Dachbodenluken, aber auch verlassene Nester an Fassaden, Blumenkisten oder Bäumen.

„Der aktuelle Trend der Fassadenrenovierungen und Dachbodenausbauten macht den Turmfalken jedoch zu schaffen. Jedes Jahr gehen langjährig genutzte Brutnischen verloren. Daher werden Nistkästen in Zukunft  an Bedeutung gewinnen, möchte man den Turmfalken als Brutvogel in Wien erhalten“, erklärt Dr. Petra Sumasgutner, die das Turmfalkenprojekt ins Leben gerufen hat.

Start der Brutsaison

Bald ist es wieder so weit – die Balzflüge der Turmfalken beginnen im März. Sind die Männchen mit ihrer Werbung erfolgreich, legt das Weibchen ab Mitte April drei bis sechs ockergelbliche, stark gefleckte Eier. Diese brütet sie überwiegend allein aus. Die Jungen schlüpfen nach 27–29 Tagen. Bereits nach drei Wochen haben sie im Idealfall das Körper­gewicht eines ausgewachsenen Turmfalken erreicht.

Jetzt zeigen sich auch die Vorteile einer möglichst lückenlosen Erfassung aller Nistplätze. Machen nämlich die Jungvögel ihre ersten Flugversuche oder ist die Drängelei im Nest zu groß, stürzen manche ab. So werden jedes Jahr rund 100 Turmfalkenjunge im Tierschutzhaus und der Vogel­klinik der Veterinärmedizinischen Universität Wien abgegeben, dort gepflegt und später wieder ausgewildert. Die Nistplatzdatenbank ermöglicht die Zuordnung der Nestlinge. Die gesund gepflegten Jungtiere können so in ihr altes Nest zurückgesetzt werden und natürlich aufwachsen.

Nestplätze bitte melden!

Sollten Sie in Ihrer Umgebung ein Nest entdecken, können Sie es via Facebook, E-Mail turmfalkeninfo@gmx.at oder per Telefon 0664/566 60 45 melden. Wenn Sie Möglichkeit und Inte-resse an der Anbringung eines Nistkastens haben, finden Sie eine Bauanleitung auf der Website der Greifvogelstation Haringsee. www.eulen-greifvogelstation.at

TEXT: Hedi Mathias, FOTO: iStock

Das könnte Sie auch interessieren

Spanische Hofreitschule lädt zum exklusiven Weihnachtsdinner Am 7. Dezember veranstaltet die Spanische Hofreitschule ein Weihnachtsdinner im Herzen von Wien. Neben einer Führung durch die Reitschule erwartet die...
PAN O’GUSTO Kulinarikfestival in Eisenstadt Am 9. und 10. September wird die historische Orangerie im Schlosspark erstmals Schauplatz einer kulinarischen Entdeckungsreise durch den pannonischen ...
Wanderung mit Bio-Pionier Werner Lampert Zurück zum Ursprung: Unter diesem Motto findet am 9. September eine Wanderung in der Region Seckauer Alpen statt. Bio-Pionier Werner Lampert erzählt d...
Buch-Tipps: Hochspannung im Spätsommer Der Sommer geht langsam zu Ende. Entspannt wollen wir es aber weiterhin haben. Mit einer Ausnahme: Das Buch für Gartenstuhl und Co darf gerne Spannung...
Share This