Warum eine Band haben, glücklich macht: Schauspielerin Franziska Weisz ist auch eine echte Rock-Röhre. Sie wird im Rabenhof bei einer Hansi-Lang-Hommage singen. Im schau-Talk spricht die „Tatort“-Schauspielerin über ihre musikalischen ersten Lieben und Gefühle, die man nur auf der Bühne hat.

Ich erwische Franziska Weisz am zweiten Drehtag ihrer nächsten „Tatort“-Folge am Telefon. Der Grund für den Anruf ist aber ein ­anderer: Endlich habe ich, nachdem ich davon einmal live Zeugin werden durfte, die perfekte Ausrede ­gefunden, mit ihr auch einmal da­rüber zu reden, wie sie die Bühne rockt.

schau: Hast du eine richtige Band?
Franziska Weisz: „Jawoi“ ist meine richtige Band, die liebe ich heiß, das ist meine Familie. Seit ich mit ihnen Musik mache, versteh ich die Leute, die sagen: „Nein, da kann ich nicht, da ist Bandprobe.“ Früher hab ich immer gedacht, ja sag halt ab, aber das geht einfach nicht. Nicht, weil es eine Verpflichtung ist, der Band gegenüber, es ist jedes Mal ein Fest, mit ihnen zusammenzukommen und deshalb würd ich mir ins eigene Fleisch schneiden …

Warst du als Teenager ein Fan? Wer war deine erste musikalische Liebe?
Elvis. Schon als ich ein kleines Mädchen war. Meine Schwester hatte ­Elvis-Platten und ich fand Elvis ­super und hab das rauf und runter gehört, verbotenerweise mit der illegal geliehenen Platte meiner Schwester auf dem Plattenspieler meines acht Jahre älteren Bruders, dem einzigen Plattenspieler in unserem Haus. Er durfte natürlich nicht wissen, dass ich den verwende. Immer, wenn mein Bruder nicht zu Hause war, hab ich die Platte aufgelegt und dazu in seinem Zimmer getanzt. Und wenn er dann doch früher von der Schule nach Hause gekommen ist, dann hat’s gescheppert. Die ­Musik war immer mit sehr viel Spannung geladen (lacht).

Gab es dann einen Sprung, wo du zu modernerer Musik gewechselt bist?
Da kam bald ganz stark Falco. Als ich 13 Jahre alt war, kam „Pulse“ von Pink Floyd raus, da war ich komplett Fan. Leider war ich nie auf ­einem Pink-Floyd-Konzert. Aber ich hab die ganzen Alben rauf und runter gehört, nicht „The Wall“, sondern eher „Atom Heart Mother“ und „Animals“, diese Alben, die man wie eine Oper verstehen kann. Und auch Sisters of Mercy, als meine ganzen Klassenkameraden Backstreet Boys gehört haben, selbst Guns N’ Roses waren mir damals zu poppig … Das war ja damals zum Glück noch die Zeit von „Woa, borgst mir die Kassette, ich überspiel’s mir!“ Und dann hörte man das am Walkman rauf und runter. Da waren dann schon so Sachen drauf wie Green Day, Red Hot Chili Peppers oder Nirvana. Aber ich war immer mehr Rock als Punk oder Grunge.

Was ist dein Lieblingsbühnen­outfit? Hast du eins oder ist dir das egal?
Mir ist ein bisschen Absatz schon lieber als Turnschuhe, obwohl ich die beim Ausgehen und Tanzen am liebsten anziehe, weil ich dann am besten rumspringen kann. Die Schmerzen, die ich normalerweise mit Absätzen hab, hab ich auf der Bühne nicht. Auf der Bühne hat man ja viele Gefühle nicht, die man im normalen Leben hat, aber dafür andere. Angst, zum Beispiel. Ich kann zum Beispiel keine Ansprache halten, da stockt mir die Stimme. Aber auf der Bühne, wenn ich die Musik hab, dann geht’s. Und dann ist es mir auch relativ egal, wie groß das Publikum ist.

Hat eine Band eine Art therapeu­tischen Effekt?
Tatsächlich haben Menschen nach dem Singen Endorphine im Speichel. Das heißt, es macht wirklich glücklich, man bildet sich das nicht nur ein! Ich weiß jetzt nicht, ob es für mich einen therapeutischen ­Effekt hat, aber meine Band, das sind einfach wirklich warme, ­liebenswerte, wunderbare Menschen. Jeder Mensch, der sich mit ihnen in einem Raum aufhält, geht glücklicher raus, als er vorher war.

Was erwartet das Publikum beim Hansi-Lang-Abend?
Ich glaube, das wird ein im besten Sinne emotionaler Abend. Den ­Namen Hansi Lang kenn ich ja schon so wahnsinnig lang, obwohl ich seine Musik eher in Stichproben mitbekommen habe, meine Band spielt zum Beispiel auch „Monte­video“. Auch als er gestorben ist, habe ich das voll mitbekommen. Und jetzt, als ich gefragt wurde, ob ich da mitmachen will, hab ich ­tatsächlich zugesagt, als ich die biografischen Absätze gelesen hab, die man an dem Abend vom wunderbaren Johannes Krisch vorgelesen bekommt.

Ich hab die Eckpunkte schon theoretisch gekannt, Hansi Lang, herausragender Musiker, hat Weltkarriere gemacht, erst im Punk und New Wave und dann im Jazz, aber dann, seine Biografie lesend, hab ich mir wirklich gedacht, das muss ein wunderbarer, großartiger, faszinierender Mensch gewesen sein. So ganz schonungslos und ehrlich, er hat sicher polarisiert. Ich hab mir gedacht, ich will da dabei sein. Wenn ich ihn huldigen darf, dann will ich das gerne tun.

Wir leben im Moment in behaupteten Krisenzeiten. Das, was du bei Hansi Lang als „schonungslos und ehrlich“ beschreibst, ist im Moment gar nicht mehr so denkbar …
Menschen, die so polarisieren, die haben es viel, viel schwerer heute. Aber wenn sie’s schaffen, dann ­stechen sie heraus, aber so was wie Falco, David Bowie, Prince, ich weiß nicht, ob unsere jetzige Generation so was hat. Wir haben halt die Megastars. Ich glaub nicht, dass es so authentisch ist, wie das mal war. Natürlich waren das auch alles Kunstfiguren, aber keiner wusste, wie die privat sind.

Das vermiss ich irgendwie. Jetzt spielt man mit der Behauptung „Ihr kennt mich alle in- und auswendig, weil ihr wisst, wie ich ausschau in der Früh auf ­Instagram.“ Dabei kennen wir die Leute gar nicht besser, es findet nur die Bühne woanders statt. Aber, wenn man unvorsichtig ist, Ausreißer hat, da ist man jetzt schnell weg vom Fenster. Man ist auch weg vom Fenster, wenn man einmal eine Nacht durchsauft und am nächsten Tag seinen Text nicht kann. Das spricht sich auch rum. Ein richtiges Enfant terrible kenn ich nicht.

Dabei gilt das für rechte Hassposter nicht, die schreiben unter dem Motto „Das wird man doch noch sagen dürfen“ die ärgsten Dinge unter Klarnamen.
Was soll ich sagen, es gibt die Guten und die Bösen, das ist wie im Film: Der Held darf gewisse Dinge ­einfach nicht tun. Der Böse darf alles ­machen. Deshalb darf man auch die Bösen nicht mit ihren eigenen ­Waffen ­schlagen.

Wie hat sich dein Leben durch den „Tatort“ verändert? Bist du jetzt viel bekannter?
Ich werde öfter nach dem Weg gefragt, als Polizistin. Ha ha, nein, Scherz (lacht). Ja, klar, der „Tatort“ ist die reichweitenstärkste Fernsehsendung, die’s gibt, abgesehen von Fußballspielen und Quizshows. Es gibt einfach mehr Leute, die das ­sehen als Arthouse-Kinofilme, die ich aber zum Glück auch machen kann. Das hält sich gut die Waage. Es ist überhaupt nicht so, als ob ich beim „Tatort“ für die breite Masse meine Seele verkaufe. Ich bin zum Glück auch bei meinem Lieblings­team gelandet, nämlich bei Wotan Wilke Möhring, und das sind ganz anspruchsvolle Filme …

Der „Tatort“ war ja auch immer ein Spiegel, welche Themen in der Gesellschaft gerade akut waren …
Genau. Es gibt natürlich ein paar Teams, die’s lustiger haben, und ­Tatorte, die auch mehr auf Humor gehen als auf politische Relevanz. Ich bin jetzt bei der Bundespolizei, das ist der ehemalige Bundesgrenzschutz, und letztlich ist ja genau das das Thema, das gerade die Politik kopfstehen lässt und alle mehr ­angeht denn je. Wo wir Vorurteile aufgreifen können, die wir dann vielleicht relativieren dürfen durch die Handlung und die Figuren. Das ist ein Riesenluxus. Diese Themen kommen so in die Welt hinaus. In der Schule war das noch so, da haben wir darüber gesprochen, was gestern im Fernsehen lief. Das fand ich ­super, das ist wie am Lagerfeuer. Das ist beim „Tatort“ noch immer so.

Man kann ja auch bei dem Format noch andere Dinge herausfinden. Ich hab einmal zu zählen begonnen, wann die erste Frau bei einem „Tatort“ Regie geführt hat, wie viele überhaupt Regie führen …
Bei uns werden es jetzt auch immer mehr. Lustigerweise hat vor zwei Jahren das erste Mal eine Frau bei ­einem Rosamunde-Pilcher-Film ­Regie geführt. Absurd, dass Frauen noch nicht einmal bei ihrem eigenen „Romanzenfernsehen“ Regie führen durften.

Lebst du in Berlin und Wien?
Ich bin immer da, wo die Arbeit ist. Ich wohne schon in Berlin, aber ich versuche auch so viel Zeit wie möglich im Wienerwald zu verbringen, da bin ich ja her. Wenn ich Tages­termine hab, versuch ich sie immer, so zu legen, dass ich zwei Tage da­raus machen kann.

Das Leben in zwei Städten hat ja auch etwas sehr Befruchtendes …
Das stimmt. Ich hab das damals gecheckt, als ich mit 18 Jahren ins Ausland gegangen bin. Als ich da immer in den Ferien zurückgekommen bin, das war für mich wertvoll und wichtig. Da hab ich bei jedem Mal mehr ­gecheckt, wo Österreich und die ­Österreicher ganz versteckt, ohne es selbst zu merken, ganz nationalistisch sind. Die Grenzen des eigenen Landes bemerkt man erst von außen. Aber ich liebe es so, ich will aus keinem anderen Land stammen.

Das widerspricht sich ja nicht …
Ja genau. Ich bin damals nach England gezogen und hab Politik studiert, als die erste schwarz-blaue ­Regierung zustande kam. Das war ein Wahnsinn. Ich hab sogar meine Magisterarbeit darüber geschrieben, weil das für mich so ein einschneidendes Erlebnis war. In England sind damals die Menschen auf mich zugekommen und haben gefragt: „Franziska, was ist mit deinem Land los?“ Inzwischen hat sich der Parameter völlig verändert. Damals, 2000, war das ein Riesending.

Vielen Dank für das Gespräch!

The Slow Club – Epilog: In memoriam Hansi Lang im Rabenhof

In den Nullerjahren gründete Hansi Lang gemeinsam mit Thomas -Rabitsch und Wolfgang Schlögl das Trio „The Slow Club“. Anlässlich des zehnten Todesjahres der New-Wave-Ikone gibt es eine sehr persönliche Hommage von Freunden und Weggefährten, u. a. mit Franziska Weisz, Johannes Krisch, Edita Malovcic´, Tini Kainrath, Birgit Denk, Roman Gregory, Thomas Rabitsch, Wolfgang Schlögl und Andy Bartosh.

INTERVIEW: Julia Pühringer, FOTO: © ORF/Allegro-Film/Petro Domenigg

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