Am 14. Mai jährte sich Frank Sinatras Todestag zum 20. Mal. Drei Konzerte führten „Frankie Boy“ im Laufe seiner Karriere in die österreichische Bundeshauptstadt. Mit dem profunden Sinatra-Kenner Johannes Kunz begebe ich mich auf Spurensuche seiner Wien-Shows – und erlebe gleich zu Beginn eine unglaubliche Überraschung.

Die Musikwelt ist in tiefer Trauer. Es ist der 14. Mai 1998. Im Alter von 82 Jahren hat Frank Sina­tras Herz im Cedars-Sinai-Krankenhaus aufgehört zu schlagen. Nach einem ersten Infarkt im Jänner 1997 konnte der Sänger die Klinik bereits nach wenigen Tagen wieder verlassen, nach dem zweiten ist „Ol’ Blue Eyes“ für immer verstummt. In New York wird das Empire State Building in Anspielung auf seinen Spitznamen drei Tage lang in der Farbe Blau illuminiert. Die amerikanische Spiel- und Unterhaltungsmetropole Las Vegas, untrennbar mit Sinatras Karriere verbunden und bekannt für funkelnde Reklameschilder und Hotelportale, lässt drei Minuten lang alle Lichter ausgehen.

Francis Albert Sinatra, geboren am 12. Dezember 1915 in Hoboken, New Jersey, hat die Musikwelt wie kaum ein anderer Sänger geprägt. Mit seinem unvergleichlichen Stil ist er zum Inbegriff eines „Crooners“ geworden. Für Millionen Fans war er unbestritten der Entertainer par excellence. Auch in Österreich finden sich seine Spuren.

Drei seiner Konzerte in den Jahren 1975, 1984 und 1989 führten den Sänger im Laufe seiner Karriere nach Wien. Ein Mann, der alle drei Auftritte selbst miterlebte, ist Johannes Kunz. Der ehemalige ORF-Journalist, Pressesprecher von Bundeskanzler Bruno Kreisky und langjähriger Konzertveranstalter gilt als ausgewiesener Jazzexperte und Sinatra-Kenner. In seinem Buch „Frank Sinatra und seine Zeit“ erzählt er die spannende Lebensgesichte der Musiklegende. Von ihm will ich mehr über Sinatras Wien-Shows und die Faszination, die ihn umgab, erfahren.

Christoph Berndl im Gespräch mit Sinatra-Kenner Johannes Kunz

Sie werden Augen machen

Kunz erwartet mich bereits an der Aufzugstüre im dritten Stock eines Altbaus hinter der Karlskirche. Er begrüßt mich mit den Worten: „Grüß Gott, kommen Sie herein. Ich habe etwas ganz Tolles für Sie vorbereitet.“ Der Mann weiß, wie man Spannung aufbaut, meine Neugierde ist augenblicklich geweckt. Im Wohnzimmer lassen wir uns in zwei gemütlichen Fauteuils vis-à-vis einer riesigen Bücherwand nieder. Mein Interviewpartner schaltete das Fernsehgerät ein: „Das, was ich Ihnen jetzt zeigen werde, hat fast noch niemand gesehen. Bitte entschuldigen Sie die schlechte Bildqualität“, sagt Kunz und startet das Video.

Was folgt, ist ein knapp zwanzigminütiger Zusammenschnitt mit Impressionen rund um Sinatras zweites Wien-Konzert mit der Big-Band von Kultschlagzeuger Buddy Rich im Jahr 1984. „Das war ein Benefizkonzert“, erklärt Kunz. „Das heißt, dass Sinatra alles bezahlt hat, das Orchester, die Flüge. Der komplette Reinerlös floss in ,Licht ins Dunkel‘. Er hat überhaupt sehr viel für wohltätige Zwecke aufgebracht. Sowohl wenn Künstler in Not waren als auch wenn Anliegen an ihn herangetragen wurden. Sehr oft auch im Zusammenhang mit Kindern. Insofern war das für ,Licht ins Dunkel‘ keine Ausnahme. Das hat in sein Wohltätigkeitskonzept hineingepasst.“

Sinatra verzaubert Wien

Sanft setzt der Privatjet in Schwechat zur Landung auf. An der Heckflosse prangt das „Golden Nugget“-Logo. Der Jet und das gleichnamige Casino gehören dem amerikanischen Milliardär Steve Wynn. Für ihn hat Sinatra 1984 den brandneuen „Theatre Ballroom“ im „Golden Nugget“ eröffnet. „Empfangen wird er von der damaligen US-Botschafterin Helene von Damm. Sie feiert übrigens demnächst ihren 80. Geburtstag auf einem Donauschiff“ , kommentiert Kunz die Bilder.

Sinatra wird von seiner vierten und letzten Ehefrau Barbara Marx Sinatra begleitet. Im Limousinenkonvoi geht es ins Imperial Hotel an der Ringstraße. Danach folgt ein Em­pfang im Unterrichtsministerium. Hier erhält der Sänger von Bundesminister Herbert Moritz das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und hält eine Rede über Wien. Anschließend begrüßen Bundespräsident Rudolf Kirchschläger und Bundeskanzler Fred Sinowatz den Entertainer in der Hofburg. Noch vor dem Konzert geht es zum Cocktail in die Residenz der US-Botschafterin nach Hietzing. Unter den illustren Gästen sind unter anderen Niki Lauda, Klaus Maria Brandauer, Gerd Bacher, Ernst Wolfram Marboe, Dagmar Koller und von Damms dritter Ehemann Lord Byron Leeds zu sehen.

Der Virus kam via Radio

Wann hat sich Johannes Kunz eigentlich mit dem Sinatra-Virus infiziert? „Das hat schon relativ früh begonnen. Ich bin ja Jahrgang 1947 und habe mich natürlich von frühester Jugend an für Jazz interessiert. Das kam so: Ich habe im 19. Bezirk gewohnt, Besatzungszone bis 1955. Dort waren die Amerikaner, und die hatten einen Soldatensender, ,Blue Danube Network‘“, erinnert sich Kunz. „Die haben rund um die Uhr Jazz und jazzverwandte Musik gespielt. Und da war natürlich schon der Sinatra dabei. Ich war ja damals ein kleiner Bub. 1955, als die Amerikaner abgezogen sind, war ich acht Jahre alt. Aber ich hatte mich schon mit dieser Musik angefreundet und habe dann begonnen, Platten zu sammeln. Das hat dann angehalten über die Jahrzehnte.“

Auch als Veranstalter zollte Johannes Kunz später seiner Leidenschaft zum Jazz Tribut. 1995 gründete er die Vienna Entertainment GmbH und leitete von 1996 bis 2012 den Salzburger Jazz-Herbst. Egal, ob Ray Charles, Dave Bruckbeck, oder Dee Dee Bridgewater – Kunz holte internationale Größen nach Österreich. Hätte er gerne einmal eine Sinatra-Show veranstaltet? „Absolut. Auch für den Salzburger Jazz-Herbst wäre er Thema gewesen. Wenn er noch gesungen und es das Count Basie Orchestra noch mit Count Basie gegeben hätte. Die hätten das Festspielhaus, 2.400 Leute, locker gefüllt, und da hätte man auch jeden Kartenpreis verlangen können. Weil da wären die Leute aus ganz Europa gekommen.“

Apropos Kartenpreise: Was musste man eigentlich für ein Sinatra-Ticket seinerzeit auf den Tisch legen? „Bei einem Konzert kann ich mich an den Kartenpreis erinnern, und zwar das dritte. Das war im Jahr 1989 mit Liza Minelli und Sammy Davis jr. Da war die Bühne angeordnet wie im Madison Square Garden, in der Mitte der Halle, und die Leute saßen rundherum. Ich habe mir sehr gute Karten gekauft, ganz in der Nähe der Bühne. Da hat eine Karte damals um die 5.000 Schilling gekostet. Also, für zwei Personen 10.000 Schilling, was 1989 sehr viel Geld war.“ In der Tat, in Euro umgerechnet entspricht das rund 363 Euro pro Karte. Damit wurde Sinatra schon vor mehr als 30 Jahren auf dem Niveau heutiger Legend-Shows wie jener der Rolling Stones taxiert.

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Buchtipp zu Frank Sinatra

„Frank Sinatra und seine Zeit“ von Johannes Kunz, erschienen bei LangenMüller. 22 Euro, 272 Seiten, umfangreicher Bildteil, ISBN 978-3784433844

TEXT: Christoph Berndl, FOTO: iStockphoto

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