Zu Ostern herrscht nicht nur bei den Legehennen Hochbetrieb, auch die – kleinen bis riesigen – Alternativen zum bekannten Hühnerei sind wieder erhältlich. Unsere Ausflugstipps führen zu Wachteln, Enten und Straußen.

Schlange stehen für Eier, das kennt man von historischen Bildern aus dem Ostblock. Doch auch hierzulande gibt es ­Wartelisten. Dann nämlich, wenn man sich aufgrund einer Hüh­nereiweißunverträg­lichkeit an Wachteleier hält. Denn die meisten Züchter gewähren den kleinen Vögeln eine Legepause zur Regeneration. „Die Saison beginnt gegen ­April“, erzählt Hobbyzüchterin ­Gabriele Burghart, „aber die ersten Tiere bei mir legen bereits.“

Ein Ei pro Tag entspricht dem Pensum der „großen“ Schwestern in den Hühnerställen, Das Gewicht der Wachtelgelege fällt aber deutlich geringer aus: Mit einem Durchschnitts­gewicht von 15 Gramm müssen die Winzlinge unter den Eiern erst mal ­gesammelt werden, um sie verarbeiten zu können. Auch das erklärt die Wartezeiten und Engpässe für die Freunde der gesprenkelten Eierchen.

24 Stück etwa stecken in einem halben Liter Wachteleier-Likör, einer der beliebtesten Zubereitungen. „Zumal er auch 100 % laktosefrei ist“, wie Züchterin Burghart einen Vorteil schildert. Daneben sei die Haltbarkeit doppelt so hoch wie bei Hühnereiern; „neben der stärkeren Schale gibt es auch eine zarte Innenhaut“. Folsäure und der Vitaminreichtum der Minieier haben dazu geführt, dass sie auch roh für diverse Kuren angeboten werden. Manfred Seeböck hält sich lieber an die Verarbeitung der Wachteleier, für die er nicht nur Spitzenköche mit seinen 12er-Tragerln versorgt. Der Wilhelmsburger hat mit der „Wachtelei“ eine Geflügel-Erlebniswelt in alten Stadeln geschaffen. Seine eigenen Zubereitungen reichen von Currynudeln bis zur Wachtel­eier-Kardinalschnitte, die er bis in die Hauptstadt verkauft; jeden Donnerstag findet man den „Wachtelei“-Gründer auf dem Gumpendorfer Markt.

Das größte Ei – oder nicht?

Das andere Extrem stellen die zwei Kilogramm schweren Straußeneier dar. Doch auch hier gilt: Größe ist relativ. Setzt man die Gelege ins Verhältnis zur Körpergröße der Laufvögel, sind sie die kleinsten der heimischen Eier. Denn die von Pionieren wie der Kamptaler „Straußenland“-Familie Gärtner versorgten Exoten aus Afrika werden schließlich bis zu 2,80 Meter groß. Entsprechend bezeichnete sie die Zoologie als „Kamelspatzen“ (Struthio camelus). 300 davon – nimmt man alle australischen (Emus) und südamerikanischen Verwandten (Nandus) dazu – tummeln sich in Schönberg am Kamp. Zwischen 20 und 25 Hühnereier umfasst ein einziges Straußenei. Ohne einen Bohrer wird es aber nichts mit der „Megaeierspeis’“.

Kleiner als Straußeneier und seltener anzutreffen auf Frühstückstischen sind die Gelege der diversen Entenarten. Mit rund 70 Gramm fallen sie größer aus als durchschnittliche Hühnereier, in Asien sind sie bis heute beliebt – hierzulande zählen sie zu echten Raritäten (was nicht am Geschmack liegt). Der Legende nach war es eine missglückte Hochzeitsfeier in den 1930er-Jahren, die dem an sich schmackhaften Gelege den Garaus machte. Der Salmonellen-Erkrankung der Festgäste folgte 1936 die „Enteneier-Verordnung“ (sie besagte, dass nur zehn Minuten gekochte Eier für den Verzehr zulässig sind), die ab dem „Anschluss“ auch Österreichs Eierwirtschaft gänzlich dem Legehuhn überantwortete.

Heute sind es abseits der Züchter, die mit „Bruteiern“ für den Nachwuchs an Tieren für die Gastronomie sorgen, vor allem die Eier von privaten Entenhaltern, die ab und zu erhältlich sind. Eine Enklave etwa findet sich in Wien-Dornbach, wo die Buschenschank St. Peter Enteneier anbietet. Und das nicht nur zu Ostern.

Hier gibt es die besten Eier

Burgenland

  • Heuer feiert die Kreativstube von -Alfred und Monika Donner ihr 15-jähriges Bestehen. Hier werden Straußenfedern und -eier verkauft. Erleben kann man die Laufvögel auf einer Landrover-Safari. Für die bis zu zwei Kilogramm schweren Eier sollte man mehrere Esser zu Gast haben. Taborstraße 12, 8385 Neuhaus am Klausenbach, Tel. 0664/215 44 79, www.straussenhof.at

Niederösterreich

  • Truthahnzucht und ein echtes „Straußenland“ zugleich ist der Kamptaler Betrieb der Familie Gärtner. Nach der Wintersaison gibt es die Eier beim Pionier der Laufvögel wahlweise von Emu, Nandu und natürlich Strauß. Mollandser Straße 9, 3562 Schönberg am Kamp, Tel. 02733/82 24, www.straussenland.at
  • Eigentlich steht die „Bunte Edelziege“ im Mittelpunkt des Hofs von Evelyne Kriegner-Gehmair, doch auch die Wachtel sorgt bei den hier angebotenen Kindergeburtstags-feiern für neugierige Blicke. „Kraftpakete im Miniaturformat“, wie man die Eier hier nennt, sind ebenfalls erhältlich. Hauptstraße 29, 2751 Hölles, Tel. 0676/372 98 62, www.ziegen.farm
  • Die „Wachtelei“ von Manfred Seeböck beliefert Spitzenköche, hat aber auch ein Sortiment von eingelegten Eiern (mit Chili und Zitronengras) über Wachteleier-Nudeln bis zur Schokolade unter dem Motto „Es kommt nicht auf die Größe an“. Kanzling 1, 31 50 Wilhelmsburg,
    Tel. 0664/406 49 78, www.diewachtelei.at
  • Altwaren-Spezialistin Gabriele Burghart betreibt die Wachtelzucht als Hobby. Auf Anfrage gibt es den hausgemachten Eierlikör, aber auch Wachteleier und den Eiersalat nach ihrem eigenen Rezept. Bahngasse 10–12, 2700 Wiener Neustadt, Tel. 0699/10 33 77 89, www.sammelnmachtfroh.com

Wien

  • Tauben, Rebhühner, Fasane oder Wachteln – es gibt kaum ein Geflügel, wild lebend oder aus der Zucht, das Claudia Bachmayer an ihrem Naschmarktstand „Zum Gockelhahn“ nicht führt. Straußeneier gibt es in der Hauptstadt um Ostern -herum. Naschmarkt Stand 176, 1060 Wien, Tel. 01/587 54 60, www.zum-gockelhahn.at
  • Frei laufende Enten, und das mitten in Dornbach? Die geschichtsreiche Buschenschank des (Salzburger) Stifts St. Peter hält in ihrem Garten auch Enten. Die Alsegger Eier gibt es um 50 Cent/Stück zu erwerben. Rupertusplatz, 1170 Wien. Tel. 01/486 46 75, www.stiftstpeter.at/buschenschank.html

TEXT: Roland Graf, FOTO: iStockphoto

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