Schauspielerin Doris Schretzmayer (45) über frühe Erfolge, spätere Erkenntnisse, ihre Liebe zu Wien, über die harte Schule des Clowns und die Wiederentdeckung der Jugend.

Ein Besuch bei Doris Schretzmayer in der hochsommerlichen Vorstadt. Glut liegt über der Stadt, hier kann man durchatmen: Hier sitzt man unter schattigen Weinranken auf der Veranda, die Wasserkanne in Fischform gluckst, im Geäst springt ein neugieriges Amselkind herum. Aus dem Haus klingt David Bowie („ich habe da gerade so eine Phase“). Idylle.

Schretzmayer ist Weltenbummlerin, eine Eigenschaft, die sie mit ihrem Mann, dem Musiker Florian Horwarth, teilt. Im Laufe ihres Lebens hat sie in London gelebt, in Los Angeles, in Berlin, erst 2006 ist sie nach Wien zurückgekehrt. Fühlt sich die Stadt seither anders an? „Wir waren fünfeinhalb Jahre in Berlin – bis zu meiner Schwangerschaft. Ich hab in diesen Jahren Wien vollkommen anders sehen gelernt. Die Wiener raunzen ja gern über die Dinge, die nicht hundertprozentig stimmig sind. Ich war da sicher auch Teil davon. Nachdem ich in Berlin gelebt hab, konnte ich damit nichts mehr anfangen. Ich kann an Wien nichts aussetzen.“

Die Neue

Die Öffentlichkeit lernte Schretzmayer in den 1990ern kennen: als Moderatorin von Radio CD International, Gesicht des Jugend-Formats „X-Large“, in „Tempo“, dem ersten Spielfilm des späteren Oscar-Preisträgers Stefan Ruzowitzky. Im Alter von 24 Jahren spielte sie ohne Schauspielausbildung ihre erste Hauptrolle in der Serie „Die Neue – Eine Frau mit Kaliber“.

In der Komödie „Die Migrantigen“ spielt Schretzmayer eine TV-Redakteurin, die sich ihre Geschichte, wenn’s sein muss, auch zurechtbiegt. Gibt es Dinge, die sie als junge TV-Moderatorin noch nicht konnte? „Dem Menschen mehr Raum geben. Aber das hat im Fernsehen auch wenig Platz, das hieße ja auch Stille aushalten, dass ­jemand in sich nach einer Antwort sucht. Das war ja damals nicht das Format. Das sollte spritzig, schnell, cool sein. Dabei sind die Pausen oft das Interessanteste im Gespräch. Die Stille, bevor jemand etwas sagt, die Dinge zwischen den Zeilen.“

Die Frau, die ging

In Marie Kreutzers „Gruber geht“ (2015) war ihre Rolle die der Schwester eines Egomanen (Manuel Rubey). Nebenrollen muss man können, meint Schretzmayer. „Es geht darum, die Hauptfigur facettenreicher erscheinen zu lassen. ‚Supporting role‘ ist genau der richtige Ausdruck dafür.“ Das lernte Schretzmayer in Los Angeles. Sie hatte damals einen schweren Autounfall überlebt, „Die Neue“ war abgedreht.

„Ich hab mich gefragt, was mach ich jetzt mit all diesen Erfahrungen? Ich war 24, ich hab die Titelrolle einer Serie gespielt. Ich spürte, ich kann’s und gleich­zeitig konnte ich gar nix, weil es meine erste Rolle war. Ich habe mich nach der Serie auch nicht im Reinhardt-Seminar gesehen. Also bin ich für ein halbes Jahr nach Los Angeles gegangen.“

Die Schauspielerei selbst wurde Schretzmayer nicht in die Wiege gelegt, sehr wohl allerdings das Geschichtenerzählen. „Als Kind wollte ich schreiben.“ Derzeit reicht der Antrieb noch nicht, Bücher übers Drehbuchschreiben kommen allerdings verdächtig oft in ihre Leseliste, „für die Arbeit an den Rollen“, sagt sie. So ganz glaubt man ihr nicht. „Was mich fasziniert, sind neue Geschichten. Ich bin oft enttäuscht, dass man eine Geschichte schon wieder auf dieselbe Art erzählt. Ich liebe Ibsen. Aber die Gefangenheit der Frau darin, diese Ausweglosigkeit, ich möchte Frauen sehen, die’s anders machen.“ Vielleicht ja doch ein Impuls für ein eigenes Drehbuch.

Die Reisende

Der Beruf führt die Schauspielerin in aller Herren Länder, von „Soko Kitzbühel“ bis nach Mauritius, wo sie für „Die Inselärztin“ vor der Kamera stand. Ein Traumland steht noch aus: Kanada. Bei einer Kostümprobe mit Til Schweiger verliebte sie sich in Montreal. Noch immer liegt ihr das Reisefieber im Blut, auch wenn der elfjährige Sohn da so seine Einwände hat. „Er würde die ganzen Sommerferien am liebsten in Kärnten verbringen. Er lehrt mich, mir ganz genau zu überlegen, was ich will, und dann eine Lösung zu finden, die für alle stimmig ist.“ Sie selbst ist auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen, im Sommer kam sie ins Feriencamp nach Italien. „Ich hab schon Heimweh gehabt, aber es gibt etwas in meinem Wesen, das woanders sein will, Neues erfahren.“ Das Zurückkommen ist dann oft schwieriger als das Ankommen. „Man nimmt so viel Neues mit, erlebt sich selbst so neu und erwartet, allen anderen, die zuhause geblieben sind, geht’s genauso.“

Die Lustige

Im „Landkrimi Höhenstraße“ konnte Schretzmayer als manische Alleinerzieherin auch ihre komödiantinnenhafte Seite ausleben. „Ich liebe es, Komödie zu spielen. Aber das kommt erst langsam. Als junge Frau wird man oft nach Äußerlichkeit besetzt. Für die Sachen, die man wirklich machen will, muss man sich einsetzen.“ Wie zum Beispiel im Rabenhof, wo Schretzmayer 2008 die Hausmeisterin in „Kottan ermittelt“ spielte und Rabenhof-Chef Thomas Gratzer erst mit einem Auftritt in breitestem niederösterreichischen Dialekt überzeugen musste – bis es nach drei Minuten hieß: „Passt, gemma.“

Das komplette Interview finden Sie auf readly.at.

Readly: Die Magazin Flatrate

Bei Readly können Sie das schau Magazin und 2300 weitere Magazine auf Ihrem Smartphone und Tablet lesen.

Schretzmayer in Serie, im Kino und auf DVD

Doris Schretzmayer hat gerade „Die Inselärztin“ sowie „Soko Kitzbühel“ abgedreht. „Die Migrantigen“ hatte über 65.000 Zuschauer im Kino, die Komödie startet am 7. September auch in deutschen Kinos. Veröffentlichung der -Film-DVD ist am 24. November.

TEXT: Julia Pühringer, FOTO: Reiner Riedler

Das könnte Sie auch interessieren

Intendanten auf Safari FOTOS: Tanja Hofer schau und die St. Martins Therme & Lodge schickten die Intendanten auf Safari Einfach näher dran am Lesegenuss – das ist di...
Thomas Brezina hebt endgültig ab … und doch wieder nicht Erfolgreicher Kinderbuchautor, TV-Star und nun Gestalter der neuen, spannenden Erlebniswelt am Flughafen Wien: Thomas Brezina ist ein niemals ruhender...
Die „Grande Dame der Wiener Moderne“ 2018 ist das Jahr der Wiener Moderne. Ganz Wien feiert Gustav Klimt, Otto Wagner und Co. Doch auch eine Frau hat der Epoche ihren Stempel aufgedrückt:...
Falco war es, der die Drogen brauchte Sie war zwar nicht die letzte Freundin von Hans Hölzel, allerdings mit ihm verlobt. Das kanadische Model Caroline Perron (43) war von Jänner 1996 bis ...
Share This