Volle Kraft voraus! Nicht nur auf dem Wasser – auch auf dem Centre-Court ist diese Formel viel wert. Diese Phrase nimmt nämlich Österreichs derzeit bester Tennisspieler auf der ATP-Tour für bare Münze. Dominic Thiem begeistert mit seinem aggressiven Tennis, mit seinen wuchtigen Schlägen und seiner normalen Art die Zuschauer in den Stadien, aktuell in Wimbledon.

Paris, London, Madrid, Rom, um nur einige große Turniere zu nennen, bei denen das ­österreichische Tennisaushängeschild seine Visitenkarte schon abgegeben hat. Egal auf welchem Centre-Court Dominic Thiem derzeit spielt – er begeistert mit seinem „einfachen“ Tennis die Massen. Doch sein Tennis war nicht immer so. Stops, rumeiern, lange Ballwechsel und hohe Topspinbälle – ja nur keinen Fehler machen. So kannte man Dominic Thiem in ­seiner ­Jugend. Bereits damals war er in ­Österreich unschlagbar. Dieses Tennis ist also Schnee von gestern. Denn sein Trainer Günter Bresnik stellte seinen Spielstil komplett auf den Kopf. Züchtete sich den „perfekten“ Spieler – ohne Wenn und Aber. Jetzt gibt es nur volle Kraft voraus – Punkte oder Fehler! Doch diese Methode ging zu Beginn gar nicht auf. Viele glaubten schon nicht mehr an das Supertalent – doch Bresnik wich nicht einen Millimeter von seinem Konzept ab. Vor einem Jahr gelang Thiem der Durchbruch – machte Bresnik den Niederösterreicher zu ­einem Top- Ten-Spieler!

Vor seinen schnellen Bällen zittern seine Gegner

Aber gerade dieses Spiel macht den Niederösterreicher derzeit auch so erfolgreich. Bestes Beispiel – der Sieg über „The King of Clay“ Rafael Nadal im Viertelfinale in Rom. Thiem dominierte den Sandplatzspezialisten nach Belieben – schoss den ­Spanier mit 6:4 und 6:3 vom Platz. Hämmerte die gelben Filz­kugeln in die Ecken – natürlich mit vollstem Tempo. Bei den Turnieren in Madrid und Barcelona hatte das alles noch ganz anders ausgeschaut. Im Halb­finale war dann gegen den „Joker“ Novak Djokovic mit 1:6, 0:6 End­station. „Ich war am Ende mit den Kräften. Ich habe es zwar nicht in dieser klaren Form erwartet, aber es war das erste Mal, dass ich so lange auf so hohem Niveau gespielt habe. Irgendwann musste der Einbruch kommen. Die Niederlage schaut auf dem Papier schlimmer aus, als ich sie empfunden habe. Der Sieg gegen Nadal war emotional wichtiger“, meinte Thiem bei der Pressekon­ferenz nach dem Sieg in Rom.

Angst ist für ihn ein Fremdwort

Angst zu verlieren kennt Thiem nicht. Auch nicht die vor großen Namen wie Murray, Djokovic, Nadal oder Zverev. „Ich weiß, dass ich jeden schlagen kann und die Konkurrenz schläft auch nicht. Man muss immer alles verbessern, weil die anderen ja auch nicht stillstehen. Vor allem auf dem Level, auf dem ich jetzt bin, da zählen nur noch Kleinigkeiten. Es kommt so viel von hinten nach, so viel Druck von den noch jüngeren Spielern. Ich will ­meinen Platz da vorne in der Weltrangliste natürlich halten“, so der Lichtenwörther, der bisher in ­seiner Karriere bei acht Turnier­siegen knapp sieben Millionen ­Dollar an Preisgeldern erspielt hat.

Sympathisch und bescheiden

Obwohl Thiem in seiner noch kurzen Profi-Tenniskarriere schon viel Preisgeld einstreifen konnte, bleibt er am Boden der Realität und ist ­eigentlich ein sparsamer Mensch. „Es gibt ein viel längeres Leben nach der Tenniskarriere, da will man gut aufgestellt sein. Verprassen tue ich gar nichts.“ Teure Autos und Bling-Bling sind nichts für den 23-Jährigen – er sieht eher die angenehmen Seiten im Leben. „Wenn man im Bioladen ein bisserl teurer einkaufen kann oder wenn man bei der Speisekarte nicht wie bei den Jugend­turnieren schauen muss, was das billigste Essen ist, das ist schon schön. Aber Geld ist auch nicht das Wichtigste auf der Welt.“ Nadal adelte erst kürzlich Thiem mit einer Aussage. Der Spanier meinte, dass der Österreicher in den nächsten zehn Jahren um alle großen Titel auf der Tour mitspielen wird. Vielleicht wandelt Thiem ja auch auf den Spuren eines anderen Österreichers und wird auch Nummer 1 der Welt. Thiem: „Das schaffen nur ganz ­wenige – es wäre aber unfassbar!“

Dominic Thiem

Geburtstag: 3. September 1993
Größe: 185 cm
Gewicht: 82 kg
Profi seit: 2011
Spielhand: rechts, einhändige Rückhand
Trainer: Günter Bresnik

Karrierebilanz Einzel
149 Siege, 93 Niederlagen
8 Turniersiege, höchste Weltranglisten-Platzierung: 7 (6. Juni 2016)

TEXT: Marco Cornelius, FOTO: KIA

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