Am Anfang stand mediterrane Lässigkeit für Wien, mittlerweile kocht Haya Molcho europaweit auf. Mit dem neuen NENI-Kochbuch, das sie mit ihren Söhnen schrieb, fängt sie sommerliches Flair ein.

Sobald Menschen gemeinsam an einem Tisch sitzen, wird nicht nur das Essen geteilt, sondern auch Ideen, Geschichten, Meinungen und Rezepte. Dieses Credo zieht sich durch die orientalisch-legere Küche, mit der Haya Molcho nicht nur Wien ­erobert hat. Was auf dem Naschmarkt mit einem unkonventionellen „Standl“ voller orientalischer Genüsse begann, hat sich durch die Kooperation mit der „25 hours“-Hotelgruppe in die Städte Berlin, Hamburg, München, Zürich, Köln, Amsterdam oder Paris verbreitet.

Die erfolgreichsten ­levantinischen Kreationen, etwa das Kichererbsen-Sesam-Püree Hummus, finden sich heute bundesweit im Supermarkt.

Zum zehnten Jahrestag des NENI, dem der populäre „Tel Aviv Beach“ am Donaukanal folgte, haben Molcho und ihre Söhne dem Namensgeber dieses Wiener Sommerplatzes ein Buch gewidmet. Dabei waren Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan Molcho seinerzeit selbst Paten – die Anfangsbuchstaben ihrer Namen wählte die Frau des weltberühmten Pantomimen Samy Molcho für ihr damals neues Lokal.

Im Einsatz in Tel Aviv war vor allem Nuriel, der die Fotos der Gerichte aus der israelischen Stadt gestaltete. Als Basis diente dem Familienunternehmen das „Burek“ des Kochs Barak Yehezkeli. Die Mischung aus Kreativfläche, Kochschule, Event­raum und Restaurant ist typisch für die aktuelle Szene Tel Avivs.

Eine Küche, so bunt wie das Leben

Restaurants auf Zeit, sogenannte Pop-ups, sind gerade angesagt. Vielfach traf die NENI-Crew daher „Menschen, die kein Geld für die ­Renovierung und Aufrechterhaltung eines großen Gastraumes haben und vielleicht auch nicht bereit sind, ihr Privat- und Familienleben den ­harten Gesetzen der Gastronomie zu opfern“. Der Kreativität der ­Gerichte tut es schließlich keinen Abbruch, ob sie in Privatwohnungen oder echten Restaurants serviert werden.

Das zeigen die Rezepte, die Haya Molcho aus der quirligen Stadt am Meer mitgebracht hat. ­Dazwischen finden sich auch Kreationen des NENI-Teams, das Wien so orientalisch eingekocht hat wie der berühmte Yotam Ottolenghi das ­parallel in London getan hat.

Der Mix aus mehreren Küchentraditionen verbindet dabei Tel Aviv und Molchos eigene Lebensgeschichte, erzählt sie angesichts ihres Lieblingsfrühstücks, das aus Avocado-Sandwich mit eingelegten Karotten besteht: „Avocado ist eine Zutat, die den Geschmack meiner Kindheit in Israel in sich trägt. Das eingelegte Gemüse und der Knoblauch hingegen sind in Rumänien allgegenwärtig, wo die Großmutter Jahr für Jahr Gurken, Paprika, Rüben und Kohl einlegte“. Und auch Tel Aviv liebt diese Mischung von Esskulturen, die jemenitische Kräutersauce Zhug steht neben den Krautrouladen Sarma oder einem herzhaften Kebab-
artigen Shawarma. Spätestens jetzt weiß man, warum Wiens bunter Ort am Donaukanal den Namen „Tel Aviv Beach“ trägt.

Offenheit am Meer

Die bunte Welt von Tel Aviv beschränkt sich nicht auf die Küche, das zeigen die Porträts in diesem Buch. Doch in den Rezepten drückt sich Vielfalt und Lebenslust der Stadt am besten aus. Von Lamm mit Feigen und Trauben bis zum Kaktusfrucht-Sorbet (die Früchte sind besondere Molcho-Lieblinge!) stellt sie das NENI–Kollektiv vor.

Haya Molcho & Söhne, „Tel Aviv – Food. People. Stories“, Brandstätter Verlag, 265 Seiten, ISBN 978-3-7106-0091-3, 35 Euro

FOTO: Nuriel Molcho/Brandstätter Verlag

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